Saisonfinale
Dreikampf um den Meistertitel

Borussia Dortmund setzt auf die Pole Position, Verfolger Bayer Leverkusen auf den Rückwind der Champions League und Bayern München auf das Glück des "lachenden Dritten": Vor dem erst zweiten finalen Meister-Dreikampf in der 39-Jährigen Geschichte der Fußball-Bundesliga steigt vor den Heimspielen der Titelaspiranten der Blutdruck bei den Profis und den Fans.

sid NEUSS. Aus eigener Kraft können es jedoch nur die Dortmunder schaffen. Ein Heimsieg gegen Werder Bremen und die Schwarz-Gelben sind zum sechsten Mal deutscher Meister. "Wir stehen auf einem Achttausender knapp vor dem Gipfel und müssen jetzt nur noch den letzten Schritt tun", sagt Präsident Gerd Niebaum. Das Westfalenstadion wird mit 68.600 Zuschauern ausverkauft sein, der Schwarzmarkt blüht. Eine Feier haben die Borussen wegen des anstehenden Uefa-Cup-Finales bei Feyenoord Rotterdam am Mittwoch nicht geplant, rund um Dortmund sind jedoch alle sicher, dass der Titel nach sechs Jahren wieder nach Westfalen wandert. "Die Mannschaft ist fit, aber das Finale spielt sich nicht in den Beinen, sondern in den Köpfen ab", sagt Trainer Matthias Sammer. Beim bisher einzigen Titel-Dreikampf 1992 mit dem VfB Stuttgart war er vom zweiten Platz aus durch ein 2:1 in Leverkusen Meister geworden, vor dem Siegtor durch Guido Buchwald aber selbst des Feldes verwiesen worden.

Auf Seiten der Bremer, die im "Fernduell" mit dem 1. FC Kaiserslautern (beim VfB Stuttgart) um einen Platz im Uefa-Cup punkten wollen, steht vor allem Nationalspieler Torsten Frings im Blickfeld. Der Mittelfeldakteur spielt wohl zum letzten Mal vor seinem Wechsel nach Dortmund im Werder-Trikot, verspricht aber: "Ich tue auch in diesem Spiel alles für den Erfolg von Werder." Auf den Ambitionen der Norddeutschen basiert auch die Hoffnungen des frisch gebackenen Champions-League-Finalisten aus Leverkusen. "Bremen hat schon einige Top-Teams geärgert, da ist noch alles offen", glaubt Trainer Klaus Toppmöller und hofft nach zuletzt zwei Niederlagen darauf, "dass es vielleicht doch noch so was wie Gerechtigkeit dafür gibt, dass wir in dieser Saison den schönsten Fußball gespielt haben".

Nationalspieler Michael Ballack wehrt sich dagegen, dass die Bayer-Profis im Falle eines erneuten Verpassens des ersten Meister-Titels wieder als "ewige Loser" bezeichnet würden: "Selbst wenn wir am Ende keinen Titel gewinnen sollten, können wir stolz sein, auf das, was wir geschafft haben. Aber wir sind jetzt die Jäger, und Dortmunds Manager Meier hat ja gesagt, dass der Jäger immer gewinnt." Allerdings plagen den Tabellenzweiten große personelle Nöte. Jens Nowotny (Kreuzbandriss) und Boris Zivkovic (gesperrt) fallen sicher aus, Ballack, Oliver Neuville und Lucio sind angeschlagen. "Nach dem Spiel gegen Manchester sah es bei uns aus wie im Lazarett", berichtet Toppmöller. Manager Reiner Calmund schlägt eine ganz besondere Genesungstherapie vor: "Alle kriegen jetzt noch ein bisschen Sauerstoff in den Hintern geblasen."

Berlins Trainer Falko Götz, der am Samstag zum zunächst letzten Mal auf der Hertha-Bank sitzen wird, gehörte bei Bayers bisher einzigem Europapokal-Triumph 1988 zum Kader der Rheinländer. "Wir werden aber ein fairer Gegner im Titelkampf sein. Alles andere hätte einen schalen Beigeschmack", verspricht er. In der ausverkauften BayArena wird Nationalspieler Sebastian Deisler vor den Augen von DFB-Teamchef Rudi Völler wohl ein Kurz-Comeback geben können, Marko Rehmer wird dagegen weiterhin fehlen. Statistisch gesehen nur Außenseiterchancen auf den Titel haben am Samstag die Münchner Bayern.

Dem Selbstvertrauen des Rekordmeisters, der als erstes Team in der Bundesliga-Geschichte zum vierten Mal in Folge den Titel holen könnte, tut dies allerdings keinen Abbruch. "Ich gehe davon aus, dass wir Meister werden. Wir sind es gewohnt, mit Druck umzugehen. Diese Situation macht Spaß", gibt Trainer Ottmar Hitzfeld vor dem Spiel gegen Hansa Rostock forsch zu Protokoll. Nationaltorhüter Oliver Kahn kündigte an, sich "offiziell in der Öffentlichkeit im Namen des FC Bayern zu entschuldigen", wenn sein Team wieder Meister werde. Präsident Franz Beckenbauer tippt dagegen auf Dortmund: "Weil die Erster sind in der Tabelle. Ich gehe davon aus, dass wir unser Spiel gewinnen werden, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die beiden anderen patzen und wir am Ende lachender Dritter sind." Die Stadt München hatte dennoch den Rathausbalkon am Marienplatz sicherheitshalber freigehalten. Das geplante Comeback des "begnadigten" Stefan Effenberg fällt wegen einer Knöchelverletzung aus.

Neben der Meisterschaft ist nur noch die Frage offen, ob Bremen oder Kaiserslautern den Berlinern und Schalkern (gegen den VfL Wolfsburg) in den Uefa Cup folgen. Der "Verlierer" spielt wie Stuttgart und 1860 München (bei Borussia Mönchengladbach) im UI-Cup. Erstmals seit 1997 stehen vor dem letzten Spieltag dagegen bereits alle Absteiger fest. Der SC Freiburg verabschiedet sich gegen den Hamburger SV, der 1. FC Köln bei Energie Cottbus und der FC St. Pauli gegen den 1. FC Nürnberg.

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