Sal. Oppenheim erwartet Verdoppelung des Gewinns
Privatbanken verdienen auch in der Krise

Im Gegensatz zu den Großbanken verdienen Privatbankiers auch in der Wirtschaftsflaute gutes Geld. Denn ihr Geschäft mit reichen Kunden wächst. Zudem attestieren Analysten den kleinen, aber feinen Instituten geringe Risiken. Jüngstes Beispiel ist Sal. Oppenheim: die Bank erwartet nach moderaten Gewinneinbußen kräftige Zuwächse.

FRANKFURT/KÖLN. Das Bankhaus Sal. Oppenheim hat für den Fall vorgesorgt, dass die Wirtschaftskrise anhält. Während viele Institute ihre Rücklagen 2002 anzapfen mussten, erhöhten die Kölner Privatbankiers das Polster. "Die Eigenkapitalrücklagen stiegen um 340 Mill. Euro", sagte am Mittwoch Matthias Graf von Krockow, Sprecher der Bank und persönlich haftender Gesellschafter in einem Bilanzgespräch. Möglich machte dies die Bündelung mehrerer Tochtergesellschaften in einer Luxemburger Holding, wodurch stille Reserven in Höhe von 280 Mill. Euro gehoben wurden; weitere 60 Mill. Euro kamen aus dem operativen Geschäft hinzu. Heute betrage das Haftungskapital mehr als eine Mrd. Euro; dies sei eine Verdoppelung innerhalb von zehn Jahren. Allerdings hat die Bankenkrise auch bei dem auf vermögende Privatkunden spezialisierten Institut Spuren hinterlassen: Der Jahresüberschuss sank nach Steuern um 17,6 % auf 48,5 Mill. Euro. Für 2003 peilt die Bank jedoch über 80 Mill. Euro Gewinn an.

Sal. Oppenheim intensiviert die Zusammenarbeit mit der IKB Deutsche Industriebank; die Kooperation war im Februar vereinbart worden. Die Beteiligung sei jüngst von zwei auf drei Prozent angehoben worden, sagte Krockow. "Möglicherweise wird sie auf fünf bis zehn Prozent aufgestockt." Dies werde aber nur im Einvernehmen mit der IKB geschehen. Man sei in Gesprächen.

Die IKB arbeitet mit Hilfe von Sal. Oppenheim nun auch in den Bereichen Fusionen und Übernahmen (M&A), private Vermögensverwaltung und Kapitalmarktprodukte. Sal. Oppenheim verschafft seiner Kundschaft Zugang zu dem Kreditgeschäft der IKB.

Zur Stärkung mittelständischer Unternehmen wollen die Kooperationspartner auch einen so genannten Evergreen Fonds mit einem Startvolumen von 200 Mill. Euro auflegen. Der soll mittelständischen Unternehmen im deutschsprachigen Raum langfristiges Eigenkapital zur Verfügung stellen.

An einer Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft, welche Krockow für dringend notwendig hält, will sich Sal. Oppenheim nicht durch Zukäufe beteiligen - "obwohl uns oft Banken angeboten werden, darunter namhafte Adressen". Der Kauf solcher Häuser sei für Oppenheim sinnlos, betonte der persönlich haftende Gesellschafter, Hubertus Freiherr von Rukavina. "Es ist billiger, wenn wir eigene Filialen aufmachen."

Ähnlich wie Sal. Oppenheim haben sich auch andere Privatbanken bislang vergleichsweise gut behauptet. Hauck & Aufhäuser beispielsweise musste zwar einen kräftigen Rückgang der Eigenkapitalrendite nach Steuern verkraften, erzielte aber im Kerngeschäft elf Prozent Rendite. Gerade die private Vermögensverwaltung ist laut Edgar Klein, Leiter Financial Services der Unternehmensberatung Deloitte Consulting ein wachsender, stabiler Markt. Das sagen auch Alexandra Sleator und Samuel Theodore von der Ratingagentur Moody?s. Bis zum Jahr 2006 werde weltweit das Vermögen der Menschen mit über 1 Mill. $ liquider Finanzanlagen auf 38,5 Bill. $ steigen, von gut 25 Bill. $ im Jahr 2001. Davon sollen 12 Bill. $ auf die USA und 11 Bill. $ auf Europa entfallen. Privatbanken profitierten auch von geringen Risiken: Ihre Kreditrisiken seien moderat, auf Grund des geringen Eigenhandels seien die Marktrisiken relativ niedrig und für so genannte operationelle Risiken, etwa einen Reputationsverlust, seien die Privatbanken schon immer sehr sensibel gewesen. Zudem seien die meisten von ihnen mit hohem Kapital ausgestattet. "Viele Privatbanken haben sehr gute Nischen gefunden", sagt Unternehmensberater Klein. "Privatbankiers, die sich auf ihr Kerngeschäft beschränken, haben weiterhin sehr gute Marktchancen." Die renommierten Privatbanken können sich trotz intensiven Wettbewerbs behaupten, erklärt die Unternehmensberatung Stephan auf Grund einer Umfrage unter 1 200 Private-Banking-Spezialisten.

Trotz ihrer vergleichsweise komfortablen Position kommen nach Einschätzung der Moody?s-Analysten Sleator und Theodore einige Probleme auf die Privatbankiers zu. Die Kosten müssten angesichts sinkender Erträge weiter reduziert werden. Die Privatbankiers müssten ihre Kunden sehr gut kennen, um die Anforderungen einer strafferen Finanzaufsicht zu erfüllen. Die damit verbundenen Kosten wie auch die Anforderungen der geplanten neuen Eigenkapitalregeln für Banken (Basel II) dürften zu einer weiteren Konsolidierung unter Privatbanken führen.

Zudem, so glauben die Moody?s-Analysten, müssen einige Privatbanken angesichts des schwierigen Marktumfeldes ihr Geschäftsmodell überdenken. Durch "offene Architekturen" könnten die Privatbanken ihr Angebot um Produkte von Partnern ergänzen. Umgekehrt könnten sie die Vertriebsbasis für ihre eigenen Produkte, etwa Fonds, erweitern. Sal. Oppenheim und die IKB sind ein aktuelles Beispiel für diese Kooperationsstrategie.

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