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Saloppe Vorbereitung der Kameruner

Wer kommt, wer kommt nicht? Diese bangen Fragen musste sich Kameruns deutscher Nationaltrainer Winfried Schäfer wieder einmal stellen. Die Vorbereitung des deutschen Länderspielgegners war wieder einmal geprägt von Spontanität und Improvisationskunst.

dpa FRANKFURT/MAIN. Wer kommt, wer kommt nicht? Diese bangen Fragen musste sich Kameruns deutscher Nationaltrainer Winfried Schäfer wieder einmal stellen. Die Vorbereitung des deutschen Länderspielgegners war wieder einmal geprägt von Spontanität und Improvisationskunst.

Zur Mittagszeit konnte der 54-jährige Schäfer etwa die Hälfte seines 20 Spieler umfassenden Kaders beim Treffpunkt in einem Hotel nahe des Frankfurter Rhein-Main-Flughafens begrüßen. Die mit Ausnahme von Mevengue (Coton Sport Kamerun) im europäischen Ausland beschäftigten Profis trafen aus allen Himmelsrichtungen kleckerweise ein. Die kürzeste Anreise hatten die beiden Abwehrspieler Bill Tchato und Lucien Mettomo vom Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern.

Nach kurzer Begrüßung reiste Schäfer mit Kapitän Rigobert Song und Tchato am Nachmittag zu einem Sponsorentermin mit dem Ausrüster (Puma) nach Würzburg und zum Auftritt beim "Blickpunkt Sport" im Bayrischen Fernsehen. Der dafür auch vorgesehene Stürmerstar Samuel Eto'o war noch bei der 1:2-Niederlage des FC Barcelona im Einsatz und flog via München gleich nach Leipzig. Der Rest folgt ihm aus Frankfurt.

"Mit solchen Widrigkeiten umzugehen, daran habe ich mich im Lauf der Jahre gewöhnt", meinte Schäfer mit gespielter Gelassenheit. In schlechter Erinnerung ist dem ehemaligen Karlsruher und Stuttgarter Bundesligatrainer die 45-stündige abenteuerliche Anreise zur WM 2002 nach Japan. "Ohne diese schlecht organisierte Anreise hätten wir uns viel besser vorbereiten können und wären nicht bereits in der Vorrunde ausgeschieden", sagt Schäfer rückblickend.

Doch die 0:2-Niederlage gegen den späteren Vize-Weltmeister aus Deutschland ist für Schäfer "Schnee von gestern". Jetzt freut er sich auf Leipzig. "Dieses erste große Länderspiel im Osten mit dem tollem Stadion und toller Atmosphäre wird ein Highlight. Meine Spieler sind alles Patrioten und schon ganz heiß auf dieses Spiel, in dem sie sich einem Millionenpublikum präsentieren können", meinte Schäfer.

Für Schäfer wird Leipzig auch zur Probe der Haltbarkeit seines Trainerstuhls. Denn nach dem missglückten Start in die Qualifikation zur WM 2006 in seinem Heimatland - mit acht Punkten nur Gruppendritter hinter der Elfenbeinküste (12) und Libyen (10) - ist der Deutsche nicht mehr unumstritten.

"Es herrscht viel Unruhe im Umfeld. Wir haben einen neuen Sportminister und einen neuen Sportdirektor, die mir auch reinreden wollen", sagt Schäfer, der angesichts schleppender Zahlungsmoral bei seinen zahlreichen Beobachtungsreisen schon Mal in Vorkasse treten muss. "Ein anderer Trainer hätte wahrscheinlich schon das Handtuch geworfen. Aber Winnie liebt uns und unser Land", meinte Tchato, der die Begegnung mit den Deutschen als große Chance sieht.

"Mit einem guten Ergebnis gegen Deutschland können wir Hoffnung schöpfen für die weitere WM-Qualifikation. Wir haben unser Niveau von vor zwei Jahren zwar nicht halten können, haben aber immer noch eine starke Mannschaft", sagte Tchato. Kameruns Fußball-Legende Roger Milla, der als stellvertrender Delegationsleiter fungiert, betonte den Wert der Begegnung als "wichtig für die diplomatischen Beziehungen beider Länder".

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