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Salzburger Festspiele: Zwiespältiger Auftakt mit «King Arthur»

Salzburg (dpa) - Am Ende verziehen sich die Geister und lassen die Menschen allein in ihrem Glück. Arthur hat seine Emmeline, der Krieg zwischen Briten und Sachsen ist beendet. Da drehen sich alle im Tanz und die hilfreichen Zauberer sind zufrieden, die Guten wie die Bösen.

Salzburg (dpa) - Am Ende verziehen sich die Geister und lassen die Menschen allein in ihrem Glück. Arthur hat seine Emmeline, der Krieg zwischen Briten und Sachsen ist beendet. Da drehen sich alle im Tanz und die hilfreichen Zauberer sind zufrieden, die Guten wie die Bösen.

So viel Versöhnung wie auf der Bühne gab es im Publikum nicht bei der Salzburger Festspiel-Premiere von Henry Purcells turbulentem Zaubermärchen «King Arthur» in der Felsenreitschule: Begeisterung ernteten das einsatzfreudige Ensemble aus Schauspielern und Sängern sowie die Musik unter Nikolaus Harnoncourt. Buh-Rufe dagegen musste Regisseur Jürgen Flimm einstecken.

Von Missfallenskundgebungen getroffen, warf sich der Regisseur am Ende der dreieinhalbstündigen Aufführung auf den Boden und ließ sich von jubelnden Besuchern wieder aufrichten. Das Team um Flimm und Harnoncourt hat für Salzburg eine neue Textfassung des barocken Spiels um Liebe, Macht und deren Zauberkraft erstellt und mit viel Witz in Szene gesetzt. In harmonischem und kreativem Zusammenspiel von Schauspiel, Musik und Tanz entstand so ein amüsanter, bunter Abend auf höchstem künstlerischen Niveau, bei dem nicht mit Klamauk und Bühnenzauber gespart wurde. Enttäuscht aber reagierten jene Besucher, die eine klassische Oper erwartet hatten.

Das turbulent-märchenhafte Stück um den Krieg zwischen Briten und Sachsen ist bei Flimm mit üppigen Details und überbordendem Witz angereichert. Michael Maertens Arthur ist ein affektierter Gentleman, der «Krieg!» ruft und dann doch lieber diskutieren will. Da trifft er aber beim Sachsenkönig auf den Falschen. Der Rohling Oswald kennt nur die Faust, steckt wie seine Mannen im Wehrmachtsmantel mit flatterndem Tierfell und lässt seinen Zauberer Osmond (Roland Renner) vor der Schlacht Dosenbier als Zaubertrank verteilen.

Alexandra Henkel als windiger Luftgeist Philidel prüft erst einmal die Windrichtung, jammert schmerzvoll «s' ist Krieg!» und flattert unentschlossen zwischen den Fronten hin und her, bevor sie sich auf Seiten des Guten ins Geschehen wirft. Der Zauberer Merlin (Christoph Bantzer) segelt zuerst effektvoll auf einem bunten Surfbrett vom Himmel auf die Bühne und hält später als Karikatur einer Festspiel-Abonnentin mit großem Gezeter das Geschehen auf. Das Sänger-Ensemble mit Barbara Bonney und Michael Schade an der Spitze beweist enorme spielerische Fähigkeiten und hat als allegorische Unterstützung der handelnden Personen diverse Verwandlungen zu meistern. Musikalisch geführt wird das wandlungsfreudige Ensemble von Harnoncourt und dem nuancenreich agierenden Concentus Musicus, der mitten auf der Bühne platziert und so ins Geschehen eingebunden ist.

Zum Herzstück der Aufführung wird die «Frost-Szene», in der Osmond die verzweifelte Emmelinde (Sylvie Rohrer) und ihre Matilda (Ulli Maier) in Eis erstarren lässt, um ihr drohend seine Liebe zu schwören. Da gefriert der bibbernde Chor zur Pinguinfamilie, doch mit unerwartet lyrischer Romantik lässt der böse Zauberer alles Eis schmelzen und verwandelt die Bühne in eine bunte Pool-Landschaft. Facettenreich und doppelbödig inszeniert Flimm das barocke Spiel und erhält von Harnoncourt die musikalische Antwort: Ironischer Patriotismus trifft auf verspielte Romantik, poetische Zauberei wechselt mit märchenhafter Parodie. Doch trotz köstlicher Regieeinfälle stellen sich Längen ein, die angestrebte Verknüpfung der Genres wirkt mitunter revuehaft und verbindet sich nicht gänzlich zu einer neuen Form.

Programmatisch stand die Premiere, bei der sich Musik, Spiel und Tanz zu einem «idealen Musiktheater» verbinden sollten, am Auftakt der 84. Salzburger Festspiele, die am Freitagabend mit einem Festakt eröffnet wurden und bis 31. August dauern. Das traditionelle Eröffnungsstück, Hugo von Hofmannsthals Mysterienstück «Jedermann», musste wegen Regens am Samstagabend vom Domplatz in das Festspielhaus verlegt werden. Zum dritten Mal war das Spiel vom Sterben des reichen Mannes in der Fassung von Christian Stückl mit Peter Simonischek in der Titelrolle und Veronica Ferres als Buhlschaft zu sehen.

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