Sammelklage kommt voran
Eine Milliarde Dollar für geprellte US-Anleger

Erfolg für die Kläger: Etliche Firmen haben sich im Zusammenhang mit Manipulationen an Börsengängen zu Schadenersatz-Zahlungen bereit erklärt.

hus/Bloomberg NEW YORK. Im Zusammenhang mit Manipulationen bei Börsengängen haben geschädigte US-Anleger einen Teilerfolg errungen. Insgesamt 309 beteiligte Firmen - darunter Razorfish Inc. und Red Hat Inc. - haben sich in einem Vergleich bereit erklärt, den Investoren eine Gesamt-Summe von 1 Mrd. Dollar zu zahlen. Die Schadensersatz-Klagen gegen 55 beteiligte Banken laufen noch.

Die Geldsumme bringt die Sammelklage einen entscheidenden Schritt weiter, sagen Rechtsexperten. Sie bringt den Klägern die notwendigen Mittel ein, um das Verfahren gegen die Banken fortzusetzen. Außerdem hätten die Firmen, deren Börsengänge Gegenstand der Manipulationen waren, jetzt den Rücken frei und könnten mit den klagenden Anlegern kooperieren. "Das verstärkt jetzt den Druck auf die an den Börsengängen beteiligten Kreditinstitute", sagte Rechtsprofessor Henry Hu von der University of Texas. "Jetzt haben die Geldinstitute in den Firmen keine Verbündeten mehr", ergänzte Wertpapier-Rechtsexperte Larry Soderquist von der Vanderbilt Universität in Nashville.

Die klagenden Investoren hatten Aktien der Börsenneulinge am ersten Handelstag zu weit höheren Preisen als Insider und beteiligte Banken gekauft. Die Kläger behaupten, die Banken hätten ihre bevorzugten Klienten gezwungen, später weitere Pakete zu höheren Kursen zu kaufen, um den Kurs des Börsenneulings kräftig in die Höhe zu treiben. Später sind die Kurse dann zusammengebrochen.

"Der heute bekannt gegebene Vergleich ist ein wichtiger Schritt zur Lösung in einer der kompliziertesten Sammelklagen der Geschichte", sagte Anwalt Jeffrey Rudman, von der Kanzlei Hale & Dorr in Boston, welche die 309 Firmen vertritt. Die Börsengang-Klagen wurden vor dem Bundesgericht in Manhattan eingereicht. Dieses muss jetzt dem Vergleich zustimmen.

Die Klageverfahren gegen die 55 an den Emissionen beteiligten Banken schließt auch Analysten mit ein. Sie hätten besonders rosige Gewinn- und Umsatzprognosen für die Börsen-Aspiranten abgegeben. Der gestrige Vergleich folgt auf über ein Jahr dauernde Verhandlungen. Die Kläger hoffen jetzt, von den Banken rund 5 Mrd. $ Schadensersatz zu bekommen.

Während der Börsengang-Euphorie hatten Emissions-Banken etwa 130 Mrd. $ bei privaten und institutionellen Investoren locker gemacht. Gleichzeitig hatten die Institute Milliarden in Form von Gebühren verdient. Viele der damals an die Börse gebrachten Firmen sind inzwischen in Konkurs gegangen.

Der Vertreiber des offenen Computer-Betriebssystems Linux etwa war im August 1999 mit einem Kurs von 14 $ an die Börse gegangen. Am ersten Tag stieg der Kurs auf 56,75 $. Zur Zeit wird die Aktie zu einem Kurs von weniger als 8 $ gehandelt. Ähnlich ist das Bild bei der Drugstore.com Inc, einem Online-Arzneimittelhandel. Der Eröffnungskurs am 27. Juli 1999 lag bei 18 $ pro Aktie, er stieg am gleichen Tag auf 70 $. Derzeit ist das Papier für etwas mehr als 5,50 $ zu haben.

Andere von dem Massenklage-Verfahren betroffene Firmen sind Handspring Inc., CNET Networks, Corvis Corp, Marketwatch.com, Agilent Technologies und Martha Stewart Living.

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