Sampras fehlt
Wimbledon ohne den Hofknicks

Die Tür zu Boris Beckers "Wohnzimmer" hat er noch einen kleinen Spalt offen gelassen. Ganz will sich Tennis-Profi Pete Sampras den Weg zurück auf den "Heiligen Rasen" von Wimbledon in diesen Tagen nicht verbauen. "Ich habe sie noch nicht zugeschlagen", sagt der 31-Jährige, dessen beispiellose Ära bei den am Montag startenden All England Championships (23. Juni bis 6. Juli) zu Ende geht.

HB/dpa LONDON. Zum ersten Mal in seiner Karriere fehlt der 31-jährige Amerikaner bei dem bedeutendsten Tennisturnier der Welt, nachdem er seit 1989 immer dabei war und die hässlichste Salatschüssel sieben Mal und damit häufiger als jeder andere gewonnen hat.

Wimbledon ohne Pete Sampras kommt einer Zeitwende gleich. Sogar eine Revolution werden die Zuschauer auf dem altehrwürdigen Center Court erleben. Nach 100 Jahren Hofknicks und Diener dürfen die Akteure in diesem Jahr erstmals auf diese Ehrerbietung vor der königlichen Loge verzichten. Ob der Bruch mit der Etikette dem traditionsbewussten All England Lawn Tennis and Crocket Club oder der königlichen Familie zuzuschreiben ist, wollte der Herzog von Kent nicht mitteilen. Nur so viel: Eine Ausnahme wird gemacht, wenn Königin Elizabeth II. oder Thronfolger Prinz Charles an die Church Road kommen, was aber schon lange nicht mehr vorgekommen ist.

Wenn allerdings Lokalmatador Tim Henman nach neun vergeblichen Versuchen endlich ins Endspiel stürmen sollte, würden sich die Queen und ihr Sohn nicht zwei Mal bitten lassen. "Wimbledon ist mein wichtigstes Ziel in jedem Jahr", sagt der 29-Jährige aus Oxford. Schon vier Mal stand er im Halbfinale, doch jedes Mal scheiterte er am späteren Champion. 1998 und 1999 an Sampras, 2001 an Goran Ivanisevic, der verletzt absagte, und 2002 an Lleyton Hewitt.

Der Vorjahressieger aus Australien ist der Spieler, den es zu schlagen gilt. Ein weiterer heißer Kandidat auf den Titel ist der Amerikaner Andy Roddick. Der Youngster ist nicht nur wegen des langsamen Abschieds seines Vorbilds Sampras einer der großen Hoffnungsträger des Welt-Tennis. Langweilig wird es bei den Matches des zwischen Rüpel und Sonnyboy pendelnden 20-Jährigen jedenfalls selten. Vom zweiten Titel nach 1992 träumt Andre Agassi, während die deutschen Top-Spieler Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer schon damit zufrieden wären, in der zweiten Woche noch im Turnier zu sein.

Serena und Venus Williams haben weit höhere Ansprüche. Sie wollen wie im Vorjahr einen neuerlichen "Sister Act", der für die an Nummer eins bzw. vier gesetzten Schwestern dank der Auslosung auch möglich wäre. Im Doppel peilen sie mit einer Wildcard die Titelverteidigung an. Nach ihrer Pleite von den French Open, als sie der Belgierin Justine Henin-Hardenne im Halbfinale unterlag, hat Serena Besserung gelobt. Die 21-Jährige will mit der 15 Monate älteren Venus gleichziehen, die zwei Mal (2000, 2001) siegreich war.

Der besten Tennis-Spielerin würde der wichtigste Titel des Tennis- Jahres 775 000 der insgesamt 13,6 Mill. Dollar Preisgeld einbringen. Lleyton Hewitt oder sein Nachfolger kassiert 840 000 Dollar, was einen Zuwachs von 9,5 % bedeutet. Am Ende einer Ära ist in Wimbledon von einer Wirtschaftskrise offenbar nichts bekannt.

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