San Francisco und New York wollen in zehn Jahren Gastgeber der Sommerspiele sein
Schreddern für Olympia

Im sonst so entspannten Nordkalifornien erwacht der Kampfgeist, wenn es um die Kandidatur für die Olympischen Sommerspiele 2012 geht. "Wir können New York schlagen", gibt sich Jim Hines siegessicher - fast so, als gehe es nicht um die Stätte der Spiele, sondern bereits um Medaillen.

Der Ex-Sprinter, der 1968 in Mexiko zweimal olympisches Gold gewann, schwärmt: "Das wäre einfach super für die ganze Region, für die Wirtschaft und für die jungen Leute." Da ist ist es - das California Dreaming, das zwar ein wenig wirklichkeitsfremd, aber immer inspirierend wirkt.

San Francisco und New York sind die beiden Städte, die es in die Endausscheidung um die US-Kandidatur für den Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2012 geschafft haben. Am Samstag werden die 123 Mitglieder des United States Olympic Committees entscheiden, wem der beiden Städte sie den Zuschlag geben. Wirklich gewonnen ist damit aber noch gar nichts: Schließlich muss sich der amerikanischen Sieger später gegen internationale Konkurrenz behaupten. Darunter auch eine deutsche Stadt (Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Leipzig oder Stuttgart). Die Entscheidung über den Austragungsort fällt erst 2005.

Auf 100 Seiten hat San Francisco detailliert dargelegt, warum die Region - die Stadt und das umliegende Silicon Valley - ein geeigneter Gastgeber für das schweißtreibende Großereignis sein würde. Die Verantwortlichen verweisen zum Beispiel auf das milde Klima mit 23 Grad Durchschnittstemperatur für den Zeitraum der Spiele und null Prozent Niederschlagswahrscheinlichkeit. Sogar das intellektuelle Kapital, das sich an der Stanford University ballt, wird in der olympischen Reklame genutzt. Ganz zu schweigen von anderen Vorteilen, die jeder Tourist kennt: Die Golden Gate Bridge, die Cable Cars, die hohe Restaurant-Dichte in der Stadt und die multikulturellen Stadtviertel. Diese Faktoren, so schreibt das kalifornische Komitee, sollen einen "etwaigen Anti-Amerikanismus" überwinden können.

Nur bedingt einfallsreich ist der olympische Slogan der Stadt: "Die Brücke zur Zukunft." Der Konkurrent New York setzt vor allem auf die Stadt als Bühne der Welt. Der Big Apple, der immer noch Tausende von Menschen aus aller Welt lockt, um hier ein neues Leben zu beginnen, spiegele am besten den olympischen Geist wider, so die These. In ihrer Bewerbung haben die New Yorker bereits detailliert die Eingangszeremonie beschrieben: Laser sollen die olympischen Ringe in fünf Farben in den Himmel malen und gleichzeitig die Spitze des Empire State Building erhellen. Ein weiterer soll auf das Denkmal für den 11. September am ehemaligen Ground Zero fallen, während der finale Strahl schließlich die Fackel der Freiheitsstatue erleuchtet.

Nach einem gigantischen Feuerwerk im New Yorker Hafen sollen die 16 000 Athleten auf Booten den East River entlang vom olympischen Dorf in Queens - direkt gegenüber dem Uno-Gebäude - um die Südspitze Manhattans herum und schließlich den Hudson River hoch zum neuen Olympiastadion an der Westseite Manhattans gleiten. Der stellvertretende Bürgermeister Dan Doctoroff, der die Organisation NYC2012 gegründet hat, die für New York als Olympiastadt werben soll, verkündete begeistert: "Die Olympischen Spiele sind die größte Veranstaltung der Welt. Unsere Bewerbung wird zeigen, warum es auf die größte Bühne der Welt gehört - New York City!"

Es sind zwar erst zwei Drittel der Anlagen fertig, dafür aber wirbt die Stadt damit, dass die Wettkampfstätten näher beieinander liegen als in San Francisco. Für die Kalifornier ist das kein Argument: 80 Prozent der Anlagen stehen bereits, die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sei gegeben. Die Kosten für das Großereignis wären in San Francisco mit einem Budget von 287 Millionen Dollar und weiteren Kosten von 1,02 Milliarden Dollar deutlich niedriger als in New York, wo 904 Millionen Dollar im Budget und weitere Kosten von 4,5 Milliarden Dollar für den Ausbau der U-Bahn, des olympischen Dorfs und der Stadien veranschlagt sind. Dass die Terroranschläge vom 11. September vergangenen Jahres bei der Entscheidung zwischen den beiden Städten eine Rolle spielen, ist nicht auszuschließen.

Jay Kriegel, Chef von NYC2012, spielt den Aspekt jedoch herunter und behauptet, dass sich die Entscheider davon nicht beeinflussen lassen. Die Fakten würden entscheiden, nicht das Mitleid. So richtig hat sich der olympische Geist in den Straßenschluchten New Yorks freilich noch nicht durchsetzen können. Das zeigte sich auch bei Werbefilmaufnahmen. Als ein unbekannter Schauspieler mit der olympischen Fackel wenig elegant die 5th Avenue entlanglief, sollten Büroangestellte aus den Wolkenkratzern Papierschnipsel hinunterrieseln lassen. Doch New Yorker lassen sich nicht gerne sagen, was sie zu tun haben. Und so warfen sie geschreddertes Papier in großen Klumpen auf den Läufer herab. Was nicht besonders professionell wirkte. Dabei ließe der Slogan der Stadt für die Kandidatur anderes vermuten: "We?ve been training for this forever - wir haben dafür schon ewig trainiert."

Quelle: Handelsblatt

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