Sanftes Cross-Dressing mit einem Schuss Ironie
Sportive Lässigkeit

Die junge Generation hat die Konventions-Konfektion für sich entdeckt. Sie kompensiert den Tribut an die Geschäftswelt erst nach Feierabend, wenn es um die Häuser geht. Dann wird es bunt, sehr bunt.

Als kleine Jungen haben sie in den Schuhen mit den winkelig zueinander stehenden Doppelstreifen an den Seiten und Plastikkappen vorne und hinten geturnt, gerudert und Handball gespielt. Heute, Mitte 30, machen Alexander Barré und Torsten Hein im Sportschuh ihrer Jugend Geschäfte und gehen abends damit in den Klub in Friedrichshain. Die Berliner haben die Zeha-Sportschuhe, die in der DDR das waren, wofür Adidas und Puma in den alten Bundesländern standen, wiederbelebt, denn nach der Wende war der offizielle Ausrüster der DDR-Olympiamannschaft verschwunden - bis vor einem Jahr ein Freund Zeha aus dem Second- Hand-Laden zum Geburtstag geschenkt bekam. Anlass genug für Barré und Hein, neu damit zu starten.

Nach originalen Entwürfen der 60er- und 70er-Jahre laufen die Leder-Sneaker aus dem Erzgebirge nun in Rot, Gelb, Blau und mit komfortablem Fußbett vom Band. Der gelungene Start auf der Berliner "Premium", neben der großen "Bread & Butter" der wichtigste internationale Hot Spot für Street-, Sports- und Jeanswear, gibt den Jungunternehmern erst einmal Rückenwind, um den Wettlauf mit den Großen aufzunehmen. In der Berliner Szene hat Zeha schon Fuß gefasst und im "Berlinomat" in der Frankfurter Allee sowieso.

In dem neuen Trendladen kann der modische Mann nur Berliner kaufen. Sie nennen sich Hotinaf, Milkberlin, Volksmarke, Tosh oder Wunschforscher und erinnern an alles Mögliche, bloß nicht an das, was dahinter steckt - nämlich Sakkos oder Sportswear, Maschen oder Mäntel. Sie wollen anders sein als andere Marken.

Das sollen und wollen viele Männer auch - zumindest nach getaner Arbeit. Formelles und Freizeit werden wieder getrennt. Denn nicht alles, was auf der Party geht, passt ins Büro. After Work ist sportive Lässigkeit angesagt. Was schlampig-kaputt ausschaut, ist out, die Jungen haben die Konfektion entdeckt. Die Tochter aus gutem Haus und der Dandy sind zurück, aber ziemlich lässig. Blazer und Sakkos aus Denim oder Leinen wirken entspannt elegant, nicht adrett. Gestreifte Clubblazer erinnern ans College und werden zu Tweedhosen getragen genauso wie zu den Cargos mit den aufgesetzten Taschen. Neben Trainingsjacken tauchen öfter Sweatshirts mit auffälligem Druck zum Tweed-Sakko auf. Selbst die coole Mannschaft des Jeansherstellers G-Star präsentierte sich auf der Bread & Butter (BBB) im Jackett mit Firmenlogo.

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