Sanierung des Bankgeschäfts im Zeitplan
Allianz stellt sich auf Quartalsverlust ein

Der größte deutsche Finanzkonzern Allianz hat sich zu Jahresbeginn im operativen Geschäft verbessert, stellt sich aber wegen der Börsenschwäche dennoch auf einen Verlust im ersten Quartal ein.

Reuters MÜNCHEN. Es wäre das vierte Quartal in Folge, in dem hohe Wertpapierabschreibungen und Belastungen durch die Tochter Dresdner Bank den Konzern in die roten Zahlen drücken. An der Börse legte die Allianz-Aktie wie schon am Vortag deutlich zu. Analysten sprachen am Dienstag von einer erfreulichen Entwicklung im reinen Versicherungsgeschäft. Sie rechnen mit einem erfolgreichen Abschluss der milliardenschweren Kapitalerhöhung.

Abschreibungen und Restrukturierungsaufwendungen

Der scheidende Konzernchef Henning Schulte-Noelle sagte auf der Hauptversammlung in München, das Quartalsergebnis werde von anhaltend hohen Wertpapierabschreibungen überlagert. Auch habe der Konzern erhebliche Restrukturierungsaufwendungen verbucht. Quartalszahlen will die Allianz am 16. Mai vorlegen.

Schulte-Noelle gibt nach der Hauptversammlung den Vorstandsvorsitz beim nach Prämieneinnahmen größten Versicherer in Europa ab und wechselt an die Spitze des Aufsichtsrats. Sein Nachfolger Michael Diekmann ist erst der neunte Vorstandschef in der 113-jährigen Geschichte des Unternehmens.

Operative Verbesserung

Schulte-Noelle sagte, operativ erwarte er für das Quartal weitere Verbesserungen. So dürfte die Schaden-Kosten-Quote (combined ratio), der wichtigste Geschäftsindikator im Schaden- und Unfallgeschäft, unter 100 % gesunken sein. Das würde bedeuten, dass der Versicherer die Schadenzahlungen und Verwaltungskosten aus den eingenommenen Beiträgen bestreiten kann. 2002 hatte die Quote 105,7 % betragen.

Im Lebensversicherungsgeschäft seien besonders anlage-orientierte Produkte gewachsen. Analysten zufolge profitiert die Allianz hier als Marktführer von Befürchtungen der Kunden, kleinere Anbieter könnten in Schwierigkeiten geraten.

Dresdner soll 2003 Gewinnzone erreichen

Diekmann bekräftigte die Planung für die Dresdner Bank: Sie solle in diesem Jahr die Gewinnzone erreichen und 2005 ihre Kapitalkosten verdienen. Wie die Bank insgesamt solle auch die rote Zahlen schreibende Investment-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein wieder profitabel gemacht werden. "Dann kann es durchaus sein, dass wir da mittelfristig Kapital freisetzen", deutete er die Möglichkeit eines Verkaufs der Investmentbank an.

Schulte-Noelle bekräftigte seine Prognose, wonach sich das operative Konzernergebnis 2003 deutlich verbessern soll. Allerdings könnten Kapitalmärkte und Konjunktur zu weiteren Belastungen durch Abschreibungen und Risikovorsorge führen. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte die Allianz wegen der Dresdner-Belastungen und hoher Abschreibungen auf kursschwache Aktien einen Fehlbetrag von 1,17 Mrd. ? verbucht.

Schulte-Noelle in der Kritik

Der 60-jährige Schulte-Noelle musste sich auf seiner letzten Hauptversammlung als Allianz-Chef harte Kritik der Aktionäre anhören. Mehrere Aktionärsvertreter forderten, den Vorstand nicht zu entlasten. Klaus Kaldemorgen, Geschäftsführer der zur Deutsche Bank gehörenden Fondsgesellschaft DWS, sagte, der beispiellose Wertverlust der Aktie habe seine Ursache in Versäumnissen des Managements.

Die Allianz-Aktie zog am Nachmittag bei hohen Handelsumsätzen um 7,4 % auf 65,48 ? an und setzte den Aufwärtstrend der vergangenen Tage fort. Seit Ende März hat die Aktie damit 25 ? oder gut 60 % im Kurs gewonnen. Vor einem Jahr hat die Aktie noch 235 ? gekostet.

Analysten beurteilten vor allem die Entwicklung im operativen Geschäft positiv. "Dass die "combined ratio' schon jetzt unter 100 % liegt, ist erfreulich", sagte Arne Jockusch von Merck Finck in München. Ralph Lau, der das Fondsmanagement bei Helaba Invest leitet, hob hervor, dass die Kapitalerhöhung sehr gut laufe.

Die Emission, die der Allianz 4,4 Mrd. ? an neuen Eigenmitteln einbringen wird, kann am Tag der Hauptversammlung letztmals gezeichnet werden.

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