Sanierung des Europageschäfts als Vorbild
Ford versucht Neubeginn mit Kölner Rezept

Europa wird zum Vorbild: Bei der anstehenden Sanierung auf dem amerikanischen Heimatmarkt verlässt sich der US-Automobilkonzern Ford auf die Erfahrungen der europäischen Tochter in Köln.

zel DÜSSELDORF. Der US-Automobilkonzern Ford steht vor schweren Einschnitten. Nach dreistelligen Millionenverlusten in den beiden zurückliegenden Quartalen, häufigen Rückrufen wegen miserabler Produktqualität und monatelangen Personalquerelen soll im Dezember in der Unternehmenszentrale in Dearborn bei Detroit ein umfassendes Sanierungsprogramm verkündet werden. Die Schließung von Fabriken und ein massiver Stellenabbau gelten schon heute als sicher.

Nach der spektakulären Entlassung von Konzernchef Jacques Nasser am Dienstag konzentrieren sich die Hoffnungen im neuen Ford-Management vor allem auf Nick Scheele. Der 57-jährige Brite soll in den USA erreichen, was ihm in Europa gelungen ist: die Sanierung und die Rückkehr in die Gewinnzone.

"Er hat den Transformationsprozess in Europa maßgeblich geprägt und den Strategiewechsel eingeleitet", nannte eine Sprecherin in der Ford-Europazentrale in Köln den Grund dafür, warum Scheele als neuer Chief Operating Officer in Dearborn antritt. Die in Köln entwickelten Lösungsmodelle sollen auf die USA übertragen werden. Bis zum Sommer war Scheele Chef von Ford Europa.

In den vergangenen Jahren hat der US-Konzern auf dem europäischen Markt kräftige Verluste geschrieben. Eine wenig attraktive Produktpalette schreckte die Kunden eher ab, als sie anzulocken. Auf der Kostenseite belasteten ungenutzte Produktionskapazitäten die Bilanz von Ford Europa.

In diesem Jahr wendet sich das Blatt: Ford wird auf dem europäischen Kontinent wahrscheinlich erstmals wieder operativ die Gewinnschwelle überschreiten. Der US-Konzern gibt ein Pkw-Werk in Großbritannien komplett auf und reduziert seine jährliche Kapazität von mehr als zwei Millionen Autos auf 1,6 Millionen.

Entscheidender ist jedoch die Erneuerung der Produktpalette, die Ford vor drei Jahren in Europa eingeleitet hatte. Die Entwicklung gibt dem Unternehmen Recht: In Deutschland ist der Absatz in diesem Jahr bislang um mehr als 12 % gestiegen, in Europa hat der Herstellerverband Acea für Ford einen Zuwachs von 3,7 % in den ersten neun Monaten dieses Jahres ermittelt (im Vergleich zur Vorperiode von 2000).

Die Europäer um Scheele sollen nun auch in Dearborn eine bessere Produktpalette entwickeln. Allen voran müssen sie dem arg ramponierte Qualitäts-Image von Ford auf die Sprünge helfen. Willi Diez, Professor am Institut für Automobilwirtschaft im württembergischen Geislingen, hält die Berufung Scheeles für die richtige Wahl. "Die Entwicklung von Ford in Europa ist wieder einmal der entscheidende Beweis dafür, wie wichtig die Produktpolitik ist", betont Diez. Die Kölner Europazentrale habe sich für die Erneuerung des Modellprogramms eingesetzt - Nasser habe sich in den USA hingegen zu wenig darum gekümmert.

Offen bleibt zunächst, inwieweit der Sturz von Jacques Nasser auch ein Karriereknick für andere Ford-Manager bedeutet, die dem bisherigen Konzernchef nahe standen. Ford Europa wies Spekulationen aus den USA zurück, auch Europachef David Thursfield müsse sich deshalb Sorgen um seinen Posten machen. Diese Vermutungen seien absolut unbegründet.

Ford-Insider halten es ebenfalls für verfrüht, über ein Ausscheiden des früheren BMW-Spitzenmanagers Wolfgang Reitzle nachzudenken, der seit 1999 die Ford-Luxusdivision PAG leitet. Reitzle und Nasser seien zwar befreundet, doch der Deutsche besitze auch gute Kontakte zu Nick Scheele und zur Ford-Eigentümerfamilie. Ford-intern wird den ersten aufkommenden Gerüchten wenig Glauben geschenkt, Ex-Konzernchef Nasser könnte zu Chrysler wechseln.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%