Sanierung schwieriger als erwartet: Opel-Notplan alarmiert Belegschaft

Sanierung schwieriger als erwartet
Opel-Notplan alarmiert Belegschaft

Der angeschlagene Autobauer Opel schlittert auf eine Konfrontation zwischen Management und Belegschaft zu. Die Arbeitnehmervertreter wollen die Krisenpläne des Vorstands nicht akzeptieren.

hz RÜSSELSHEIM. Opel-Vorstandschef Carl-Peter Forster hat mit seinem neuen Krisenplan zur Sanierung des angeschlagenen Autobauers die Belegschaft aufgeschreckt. Die Pläne des Managements, nun erstmals Lohneinschnitte beim Weihnachtsgeld und den übertariflichen Zulagen der rund 36 000 Beschäftigten durchsetzen, werde der Betriebsrat so nicht hinnehmen, sagte der stellvertretende Gesamtbetriebsratsvorsitzende Peter Klein dem Handelsblatt.

Die Löhne der Opel-Arbeiter liegen derzeit um rund 20 % über dem Niveau des Flächentarifvertrags. Statt der tariflich fixierten 50 % erhalten die Opelaner zudem ein volles 13. Gehalt als Weihnachtsgeld. Eine entsprechende Betriebsvereinbarung ist allerdings zum Jahresende 2001 ausgelaufen.

"Es kann nicht sein, dass die Belegschaft die Zeche für das Sanierungskonzept zwei Mal bezahlen muss", betonte Klein unter Verweis auf den Beitrag von 900 Mill. Euro, den die Mitarbeitern in den vergangenen vier Jahren bereits erbracht hätten. Damit bahnt sich beim krisengeschüttelten Autohersteller in Rüsselsheim eine Konfrontation zwischen Vorstand und Arbeitnehmervertretern an.

Rekordverlust im Jahr 2001

Opel-Chef Carl-Peter Forster verlangt von den Mitarbeitern zusätzliche Einschnitte, weil die finanziellen Schwierigkeiten der Tochtergesellschaft des US-Konzerns General Motors größer als erwartet sind. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen wird Opel für das abgelaufene Geschäftsjahr den höchsten Betriebsverlust seiner Firmengeschichte ausweisen.

2001 erwirtschaftete der Hersteller danach einen operativen Verlust im Autogeschäft von rund 670 Mill. Euro. Forster muss sich damit im Autogeschäft auf eine länger als erwartete Durststrecke einstellen. Dennoch werde die Adam Opel AG, Rüsselsheim, einen Jahresüberschuss im "hohen einstelligen Millionen-Euro-Bereich" ausweisen, weil Dividenden der eigenen Opel-Bank das Ergebnis aufpolieren. Opel hatte mit Wirkung zum 1. Dezember 2000 die Opel-Bank von der Muttergesellschaft General Motors gekauft. Offiziell will Forster die Zahlen am Mittwoch vorstellen.

Betriebsrat lehnt Kürzungen ab

Bereits das Jahr 2000 hatte Opel mit einem Minus von fast 460 Mill Euro abgeschlossen. Bisher wollte der von BMW erst im vergangenen Jahr nach Rüsselsheim gewechselte Manager schon 2003 den seit langem mit großen Schwierigkeiten kämpfenden Autohersteller wieder in die schwarzen Zahlen führen. Doch gegen den verschärften Krisenplan macht sich nun Widerstand in der Belegschaft breit. Klein kritisierte, die Unternehmensleitung habe den Arbeitnehmervertretern einen "Horrorkatalog" von Leistungskürzungen vorgelegt. Auch an der Informationspolitik des Vorstands äußerte der Betriebsrat Kritik. Klein sagte, die Arbeitnehmervertreter hätten noch keine Gelegenheit gehabt, über die Forderungen des Vorstands zu reden. Die Arbeitnehmervertreter fühlen sich übergangen, das bislang bestehende Vertrauensverhältnis ist angeknackst.

Dabei kann Forster angesichts der schwerwiegenden Probleme an einem offenen Konflikt nicht gelegen sein. Erst vor wenigen Tagen ist die Produktion des neuen Vectra-Modells in Rüsselsheim angelaufen, der Hoffnungsträger des tief in den roten Zahlen steckenden Unternehmens. Mit dem Mittelklassewagen plant der Vorstand, wieder besser ins Geschäft zu kommen.

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