Sanierung von EM.TV kommt nicht voran
Immerhin: EM.TV gibt es noch

Thomas Haffa und sein Bruder Florian werden sich wohl auch heute lieber nicht sehen lassen. Wie schon im vergangenen Jahr wird die Hauptversammlung der Medienfirma EM.TV auf dem Münchener Messegelände ohne die beiden früheren Hauptdarsteller über die Bühne gehen. Die Haffa-Brüder, beide noch immer EM.TV-Aktionäre, sind untergetaucht. Interviews geben sie schon lange nicht mehr.

MÜNCHEN. Dabei wurden die Haffas noch vor wenigen Jahren von den Aktionären als Helden verehrt. Die Hauptversammlungen arteten zu Huldigungen an die eloquenten Neue-Markt-Stars aus, wurde doch mancher Anleger mit EM.TV zum Millionär. Der EM.TV-Gründer Thomas und sein 14 Jahre jüngere Bruder gefielen sich in der Rolle von Popstars, gaben bereitwillig Autogramme. Inzwischen ist der verglimmte Börsenstern EM.TV Sinnbild für den Absturz des Neuen Marktes. Die EM.TV-Aktie lag gestern nur noch bei einem Euro. Einst war EM.TV an der Börse mehr wert als die Lufthansa.

Die Talfahrt von EM.TV war auch der Auftakt für den Niedergang der Münchener Medienbranche. Vor einigen Monaten brach mit Getöse die Kirch-Gruppe mit ihren Untergesellschaften Kirch Media (Lizenz- und Sportrechtehandel, TV-Sender) und dem Bezahlfernsehen Premiere zusammen. Zuvor hatte es schon die Kinowelt Medien AG erwischt. Und auch kleinere Medienfirmen wie RTV, Advanced Medien, Intertainment oder H5B5, allesamt in der Medieneuphorie nach oben gekommen, sind heute in Turbulenzen. Die tiefe Werbekrise trägt ihr Übriges dazu bei.

Klatten kann einen Erfolg vorweisen

Immerhin: EM.TV gibt es noch. Die Firma ist bisher nicht wie manch andere vom Markt verschwunden. Der neue EM.TV-Chef und-Großaktionär, Werner Klatten, bemüht sich seit einem Jahr, das kriselnde Unternehmen wieder flott zu machen. Doch bisher mit wenig Erfolg. Vor einem Jahr kam der kühle Spiegel-Manager überraschend ans Ruder, als Thomas Haffa bei EM.TV ausstieg. Seine erste Feuerprobe: Er musste sich an Stelle von Haffa am 1. August 2001 als "Gastredner" den wütenden Aktionären stellen und viel Kritik einstecken. "Ich verspreche, Sie werden konkrete Ergebnisse sehen", sagte Klatten damals zu. Die Einlösung des Versprechens steht noch aus. Zwar kann der neue EM.TV-Chef auch einen Erfolg vorweisen: Im Frühjahr ergatterte er die Vermarktungsrechte für die Fußball-WM 2006 in Deutschland. Aber ansonsten steht er mit leeren Händen da. Die Pleite der Kirch-Gruppe, mit der EM.TV schon immer eng verbandelt war, hat die Krise sogar noch verschärft. Sollte nicht bald frisches Geld durch Beteiligungsverkäufe in die Kasse kommen, drohe ein Liquiditätsengpass, warnen die Wirtschaftsprüfer von EM.TV. Seit einem Jahr verhandelt Klatten fieberhaft über einen Verkauf der US Jim Henson Group, -Tochter des Erfinders der legendären Sesamstraße. Einen Abschluss kann er noch immer nicht vorweisen. Dazu kommt: Die Beteiligung von knapp 17 % an der Formel 1 ist nahezu wertlos, denn mit dem Anteil haftet EM.TV für Kirch-Kredite. Und auch mit der 45 %-Beteiligung an der Tele München Gruppe (TMG) kann Klatten nicht viel anfangen. Denn TMG-Chef Herbert Kloiber blockiert derzeit jeden Verkaufsversuch. Das Ansinnen, die Mehrheit an der Filmfirma Constantin zu erwerben, schlug ebenfalls fehl. Die Schweizer Firma Highlight bekam den Zuschlag. Noch immer steckt EM.TV zudem tief in den roten Zahlen. Gewinne erwartet Klatten erst wieder 2004.

So groß das Chaos ist, das die Brüder Haffa hinterlassen haben - die beiden smarten Verkäufer stehen im Gegensatz zu manchem Kleinaktionär nicht mit leeren Händen da. Offenbar haben sie noch in der aktiven Zeit mit Aktienverkäufen Kasse gemacht. Schließlich erhielt Thomas Haffa von Klatten für das Paket von knapp 25 % geschätzt über 100 Mill. Euro. Im Herbst wird der Fall Haffa nochmals für Schlagzeilen sorgen. Dann soll in München das Gerichtsverfahren gegen die einstigen Börsenstars eröffnet werden. Es geht um die angeblich unrichtige Darstellung der wirtschaftlichen Situation von EM.TV. Darauf könnte Geld-, im schlimmsten Fall auch Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren stehen. Damit steht nicht mehr und nicht weniger als die juristische Aufarbeitung von Bilanztricksereien an, die seit den Haffas Mode geworden sind. Der leitende Oberstaatsanwalt in München, Manfred Wick, rechnet mit einem langwierigen Verfahren, wobei die Haffas - ganz gleich, wie der Prozess ausgeht - noch einmal Wirtschaftsgeschichte schreiben werden.

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