Sanierung von Militärgelände könnte Millionen verschlingen
WCM drohen neue Probleme bei IVG

Der WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG, Frankfurt, droht bei der Suche nach einem Investor für das 40-prozentige Aktienpaket des Großaktionärs Karl Ehlerding neuer Ärger. Wie das Handelsblatt aus Kreisen der Ehlerding-Banken erfahren hat, schrecken potenzielle Investoren vor drohenden Finanzrisiken in dreistelliger Millionen-Eurohöhe bei der Bonner Immobiliengesellschaft IVG zurück. WCM ist größter Einzelaktionär der IVG, die IVG wiederum einer der wichtigsten Vermögenswerte für WCM.

lip HAMBURG. Auslöser der Probleme ist ein Musterprozess des Landkreises Osterode am Harz vor dem Oberverwaltungsgericht Lüneburg. Mit Hilfe dieses Verfahrens soll geklärt werden, ob die IVG für die Beseitigung militärischer Abfälle aus dem Zweiten Weltkrieg zahlen muss, die auf einem Gelände im Harz liegen. "Wir wollen durch das Gericht feststellen, ob Bund und Land oder die IVG die Kosten für die Sanierung übernehmen muss", sagte ein Rechtsvertreter der IVG dem Handelsblatt auf Anfrage. Der Beginn des Verfahrens ist noch offen.

Der Ausgang des Prozesses ist von großer Bedeutung: Sollte die Immobilienfirma erneut verlieren, dürften andere Gemeinden vor Gericht darauf drängen, dass die ehemals bundeseigene Immobiliengesellschaft für die Sanierung verunreinigter Grundstücke aufkommt. Die betroffenen Flächen sind in ganz Deutschland verteilt, allein die Sanierung einzelner Grundstücke könnte nach Angaben des Osteroder Rechtsberaters Bernd Becker hohe zweistellige Millionenbeträge erreichen. Die IVG hatte bereits in erster Instanz vor dem Verwaltungsgericht verloren.

Dabei könnten die Kommunen ihre Ansprüche gegen die Bonner IVG rechtlich darauf stützen, dass die Immobilienfirma durch die Verschmelzung mit der Montan- Gruppe nach dem Zweiten Weltkrieg auch für deren Schäden verantwortlich ist. Es handelt sich hierbei um das größte Rüstungsunternehmen des Deutschen Reiches, das vor allem in Westdeutschland über umfangreiche Munitionsfabriken verfügte. "Da in Deutschland rechtlich das Verursacherprinzip gilt, muss die IVG als Rechtsnachfolgerin des Montan-Unternehmens auch für deren Verunreinigungen der Böden haftbar gemacht werden", betont der Rechtsberater Becker.

Ob die IVG dafür in der Bilanz Wertberichtigungen vorgenommen hat, ist unklar. Ein IVG-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern. Ebenso wenig nannte er die Zahl der verunreinigten Grundstücke.

Die Auseinandersetzung der IVG mit dem niedersächsischen Landkreis Osterode trifft die WCM - Gruppe zu einem schlechten Zeitpunkt: Der schlingernde Konzern braucht einen neuen Geldgeber, um die Verschuldung zu drücken. Doch die unkalkulierbaren Risiken bei der IVG erschweren dem WCM-Vorstandsvorsitzenden Roland Flach die Suche nach einem Investor, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der WCM und der Banken. Eine Sprecherin der WCM lehnte dazu eine Stellungnahme ab.

Erst kürzlich hatte die Gesellschaft auf ihrer Hauptversammlung den Beschluss für eine Kapitalerhöhung verschoben. Dies soll auf Verlangen der möglichen Investoren erfolgt sein, die offenbar einen höheren Kapitalbedarf sehen. Die WCM sitzt auf Verbindlichkeiten von mehr als 2,8 Mrd. Euro.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%