Sanierungskonzept kostet bis zu 400 Millionen
Grundig will in Deutschland 900 Arbeitsplätze abbauen

Die Nürnberger Grundig AG will im Inland fast ein Drittel ihrer Belegschaft abbauen, um so das Überleben des Unterhaltungseletronikkonzerns zu sichern und bis 2002 wieder schwarze Zahlen erwirtschaften.

Reuters/dpa NÜRNBERG. Einem entsprechenden Sanierungskonzept der Unternehmensberatung Roland Berger habe der Aufsichtsrat "in Grundzügen" zugestimmt, berichtete Vorstandssprecher Herbert Bruch am Freitag. Die Finanzierung der Umstrukturierung scheint unterdessen gesichert: Mit den Banken sei Einvernehmen über die Sicherstellung des Finanzierungsbedarfs erzielt worden, teilte Wirtschaftsminister Otto Wiesheu (CSU) am Freitagabend nach Abschluss der Gespräche mit.

Die Produktion von Fernsehgeräten wird demnach von Nürnberg-Langwasser nach Wien verlegt, was 600 Mitarbeitern die Arbeit kosten wird. Das Bürogeräte-Werk in Bayreuth soll mit 150 Mitarbeitern erhalten bleiben, 250 Stellen fallen dort weg. Das Sanierungskonzept werde 300 Mill. bis 400 Mill. kosten, sagte Finanzvorstand Günter Moissl. Für alle Unternehmensbereiche Grundigs würden Partner gesucht. Der Betriebsrat will sich gegen den Abbau in Langwasser wehren.

Der Aufsichtsrat hatte am Donnerstag mehr als sieben Stunden lang über ein Gutachten der Unternehmensberatung Roland Berger beraten, das unter anderem die Schließung von Bayreuth vorsah. Betriebsratschef Dieter Appelt sagte, das Aufsichtsgremium habe das veränderte Konzept "mit Mehrheit" verabschiedet. Er wollte nicht sagen, ob es Gegenstimmen gegeben habe. Die Arbeitnehmer würden sich mit der Aufgabe der Fernseher-Produktion in Nürnberg nicht abfinden. In Deutschland könne genauso günstig wie in Wien produziert werden. Für die kommende Woche kündigte die IG Metall weitere Proteste an. Grundig-Vorstandschef Bruch sprach dagegen von deutlichen Kostenvorteilen für Wien. Von der Entscheidung werde Grundig nicht mehr abrücken.

Auswahl an Geräten wird eingeschränkt

In Deutschland sind danach nur noch 400 Grundig-Mitarbeiter in der Produktion tätig, von insgesamt 2 900 Beschäftigten im Inland sollen Ende dieses Jahres noch 2000 übrig bleiben. Den Kunden gegenüber will Grundig nach den Worten Bruchs weiterhin als Komplettanbieter auftreten, aber einfache Geräte nicht mehr selbst fertigen. Die große Typenvielfalt sei ein Kostenfaktor. "Wir stehen an einem neuen Wendepunkt", sagte Bruch.

Die Sanierung soll 2002 zu einem operativen Gewinn führen und der Umsatz zugleich auf 2,7 Mill. von 2,8 Mill. DM 2000 sinken. Moissl wollte Medienberichten nicht widersprechen, wonach der operative Verlust im abgelaufenen Jahr bei 70 bis 80 Mill. DM gelegen habe.

In Nürnberg will Grundig künftig nur noch Kopfstationen und Tuner produzieren, in Bayreuth Diktiergeräte. Dagegen werden die dort bisher gefertigten HiFi-Geräte dann im portugiesischen Braga montiert. Für die Produktion in Bayreuth suche Grundig aber weiter Partner, sagte Bruch. Der Konzern sei auch bereit, dort in eine Minderheit zu gehen. Um auch andere Bereiche und den Konzern als Ganzes offen für Partner zu machen, sollen die Geschäftseinheiten in eigene Gesellschaften ausgegliedert und von einer Holding gesteuert werden. So müsse der Formenbau in Langwasser auch Aufträge von Fremdfirmen bearbeiten und profitabel wirtschaften. Die südkoreanische Samsung sei entgegen Medienberichten aber nicht im Gespräch, so Bruch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%