Sanierungskonzept schockt
Personalabbau bei Mobilcom übertrifft alle Befürchtungen

Das am Freitag in groben Zügen bekannt gewordene Sanierungskonzept der Büdelsdorfer Mobilcom AG übertrifft im Bezug auf den Stellenabbau die schlimmsten Befürchtungen.

vwd BÜDELSDORF. 1850 der rechnerischen 4200 Vollzeitstellen sollen abgebaut werden, hieß es am Morgen. Weiterhin will Mobilcom den UMTS-Netzaufbau einfrieren. Vorstand und Betriebsrat, die dem Vernehmen nach zur Stunde zusammensitzen, werden in den kommenden Wochen über Sozialplan und Interessenausgleich verhandeln. Unklar ist noch, was das Konzept kostet. Dazu hat Mobilcom keine Angaben gemacht.

Durch die Restrukturierung des Kerngeschäfts Mobilfunk will der Vorstand 130 Millionen Euro pro Jahr sparen. Kurzfristiges operatives Ziel sei die Profitabilität des Service-Provider-Geschäftes im ersten Halbjahr 2003. Mobilcom legte ferner Wert auf die Feststellung, dass an der UMTS-Lizenz festgehalten werde. Derzeit werden im Unternehmen 5000 Mitarbeiter inklusive Teilzeit- und Aushilfskräften beschäftigt. Bislang hatte die Belegschaft gehofft, dass weniger Stellen wegfielen. Aufsichtsratskreise hatten zudem betont, dass der Abbau von bis zu 1600 Arbeitsplätzen die schlimmste Vorstellung sei, aber derzeit nicht zur Debatte stehe.

Für Independent Research (IR) geht das Restrukturierungskonzept in die richtige Richtung. Das Service-Provider-Geschäft bzw das Festnetzgeschäft könnten durchaus profitabel betrieben werden. Zunächst müsse aber das Schuldenproblem mit France Telecom SA, Paris, geklärt werden, heißt es in einer ersten Stellungnahme. Sollten die Franzosen als Hauptgläubiger nicht auf ihre Forderungen verzichten, seien geschätzt mindestens 400 Millionen Euro jährlich an Zinsen zu zahlen. Es sei illusorisch zu glauben, dass Mobilcom dies leisten könne, meint man bei IR.

Was die finanzielle Situation der Mobilcom angeht, so berichtete die "Financial Times Deutschland" in ihrer Freitagausgabe unter Berufung auf den Aufsichtsrat, zum zweiten Mal sei eine Insolvenz knapp abgewendet worden. Die wichtigsten Gläubigerbanken hätten die Fälligkeit von Krediten im Volumen von 4,7 Mrd Euro bis Ende Oktober verlängert. Außerdem müsse Mobilcom bis Oktober keine Zinsen zahlen. Ursprünglich waren die Darlehen offenbar am Montag fällig gewesen. Von Mobilcom war dazu bisher nichts zu erfahren.

Nach Einschätzung eines Frankfurter Händlers geht das Pokern bei Mobilcom nun weiter. Das Unternehmen habe ein wenig Zeit gewonnen, um die Verhandlungen mit France Telecom über die Schuldenfrage fortzusetzen. An eine UMTS-Zukunft für die Büdelsdorfer glaubt er aber nicht. Dazu müsste ein Partner her. Der aber sei nicht in Sicht. Spekulationen über eine Zusammenarbeit mit Hutchison Whampoa hätten sich nicht bewahrheitet, sagte er. Weitere Marktteilnehmer nannten die Mobilcom-Aktie "höchst spekulativ". Dies gelte, solange UMTS immer noch eine geschäftliche Option sei.

Wenig Neues konnten unterdessen Journalisten der französischen Industrieministerin Nicole Fontaine zum Mobilcom-Mehrheitsaktionär France Telecom entlocken. Die französische Regierung erwäge für die France Telecom nach wie vor eine Kapitalerhöhung im Rahmen des angekündigten Rettungsplans. Sollte es sie geben, werde sie aber "weit geringer ausfallen, als durch die Presse suggeriert wird", sagte Fontaine. Immerhin könnte das Thema Mobilcom bei France Telecom bald wieder auf der Tagesordnung stehen. Am 2. Oktober, bestätigte Fontaine, wird der Verwaltungsrat den Nachfolger des zurückgetretenen Michel Bon bestimmen. Neben dem Verwaltungsratsvorsitzenden der Thomson Multimedia, Thierry Breton, gibt es laut Industrieministerin drei weitere Kandidaten "in der engeren Wahl" für den Vorsitz der France Telecom.

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