Sanierungskonzept steht
LTU hat ein Jahr Zeit für Investorensuche

Die Banken, das Land NRW und Großaktionär Rewe habe eine Pleite des Ferienfliegers gerade noch abgewendet. Nun muss das Unternehmen sich auf die Suche nach neuen Geldgeber machen.

rtr DÜSSELDORF. Nach einer nächtlichen Krisensitzung mit Banken und dem Großaktionär Rewe hat das Land Nordrhein-Westfalen einen möglichen Konkurs der LTU gerade noch abgewendet und der angeschlagenen Fluglinie ein Jahr Zeit für die Suche nach einem neuen Großinvestor verschafft. "Wir haben (die Bürgschaft) unterschrieben, weil wir überzeugt sind, dass die LTU mittelfristig schwarze Zahlen schreiben kann", sagte Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Freitag in Düsseldorf. Die Westdeutsche Landesbank (WestLB) und die Stadtsparkasse Düsseldorf stellten jeweils Kredite von 50 Mill. ? bereit. Das Land bürge für 90 % der Summe, die Banken für den Rest. Der Handelskonzern Rewe, der 40 % an der LTU hält, beteiligt sich mit 20 Mill. ?.

Die Bürgschaft ist nach Aussage Steinbrücks auf ein Jahr angelegt. Steinbrück kündigte an, die Kredite in Höhe von 120 Mill. ? könnten sofort fließen und damit die drohende Insolvenz der Fluggesellschaft abwenden. Es gebe sehr viele positive Anhaltspunkte, dass die LTU mittelfristig schwarze Zahlen schreiben könne. "Wir sind sehr froh, dass zwei Banken und Rewe nach sehr schwierigen und vom Scheitern bedrohten Verhandlungen sich geeinigt haben. Für das kommende Jahr verfügt die LTU nun über die Mittel, um aus der Krise herauszukommen", sagte der Finanzminister. Doch müsse auch schnell ein neuer Großinvestor gefunden werden.

Wirtschaftsminister Ernst Schwanhold (SPD) rief Kunden der Fluggesellschaft zur Gelassenheit auf: "Das Vertrauen in die LTU ist gerechtfertigt, es muss niemand Angst um seine Buchung haben." Den Ausstieg der Dresdner Bank aus den Reihen der Kreditgeber kritisierte Steinbrück scharf. "Die Dresdner Bank ist von der Fahne gesprungen", rügte der Minister. Dies werfe angesichts der 2300 Arbeitsplätze, die auf dem Spiel gestanden hätten, eine schlechtes Licht auf die unternehmerische Verantwortung und die Wahrung der oft beschworenen Gemeinwohlinteressen durch die Bank, sagte Steinbrück.

Den bisher von der Stadtsparkasse Düsseldorf treuhänderisch verwalteten Sweissair-Anteil an der LTU von 49,9 % werde eine Düsseldorfer Anwaltskanzlei übernehmen, die auch Erfahrung als Insolvenzverwalter habe, fügte Steinbrück hinzu. Die Sparkasse hatte ihre Zusage wegen rechtlicher Probleme zurückgezogen. Man könne nicht in der Doppelrolle als Kreditgeber und Treuhänder auftreten, hatte es dazu geheißen.

Die Einigung auf die Freigabe der Bürgschaft war in der Nacht zum Freitag nach hartem Ringen mit den Banken und LTU-Anteilseignern erzielt worden. Hauptstreitpunkt war die Frage, in welcher Höhe sich die Banken an dem Kreditrisiko beteiligen. Die Institute hatten eine 100prozentige Absicherung durch das Land verlangt. Dies war aber vom Finanzausschuss des Landtages abgelehnt worden. Die Einigung sieht nun vor, dass das Land 90 % des Kreditrisikos trägt und die Banken den Rest übernehmen.

Steinbrück und Schwanhold lobten das Engagement des Kölner Handelshauses Rewe. So beteiligt sich das Kölner Handelshaus an der Bürgschaft mit 20 Mill. ?. Sollte die Rückbürgschaft der Rewe nicht in Anspruch genommen werden müssen, werde das Eigenkapital der LTU um diese Summe aufgestockt, hieß es.

Ohne die Einigung über die Details der Bürgschaft hätte die LTU nach Angaben aus Bankenkreisen am Freitag möglicherweise Konkurs anmelden müssen. Auch Steinbrück bestätigte, dass eine solche Entwicklung möglich gewesen wäre. Ein LTU-Sprecher bestritt jedoch diese Darstellung. "Wir hätten selbst ohne Einigung nicht am Freitag zum Konkursrichter gehen müssen. Aber im Januar wäre es schon eng geworden", sagte er. Die nun gefundene Einigung sichere die Zukunft der LTU dauerhaft.

Die LTU war nach der Pleite ihres einstigen Mehrheitsgesellschafters Swissair in finanzielle Bedrängnis geraten. Die Mitarbeiter der LTU hatten sich nach langem Tauziehen mit der Gesellschaft auf einen Sanierungsplan geeinigt. Durch Lohnkürzungen und Einschnitte bei Sachkosten will die LTU bis 2004 rund 400 Mill. DM sparen.

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