Sanierungskosten treiben Gesamtkonzern in die roten Zahlen
Philips gibt Handy-Fertigung nach China

Analysten wäre ein Komplettausstieg aus dem Handy-Geschäft lieber gewesen.

HB BRÜSSEL. Auch die niederländische Philips Electronics N.V. zieht die Konsequenz aus der Krise am Handy-Markt. Der Elektronikkonzern mit Sitz in Amsterdam will Mobiltelefone künftig ausschließlich vom bestehenden Joint Venture mit dem größten chinesischen Elektronikkonzern China Electronics Corporation (CEC) produzieren lassen. Die Zukunft des eigenen Werkes im französischen Le Mans bleibt ungewiss.

Mit dem Rückzug folgt Philips der Konkurrenz. Unlängst hatten der schwedische Hersteller Ericsson und die französische Alcatel entschieden, ihre Handy-Produktion komplett an den Auftragsspezialisten Flextronics auszulagern. Zwar zieht sich Philips nicht völlig aus der Handy-Fertigung zurück, doch wird CEC die Mehrheit an dem Joint Venture erhalten. Außerdem übernimmt CEC Anlagen und Technologie von Philips. Allerdings übertragen die Niederländer nur einen Teil der Forschungs- und Entwicklungsabteilung der Mobilfunktochter PCC auf das Gemeinschaftsunternehmen, das im vergangenen Jahr 2,2 Millionen Handys fertigte.

Drastische Kostensenkung

Die Niederländer wollen wie die Wettbewerber Mobiltelefone weiterhin unter dem eigenen Markennamen verkaufen. Vertrieb und Marketing will der im Mai angetretene Vorstandschef Gerard Kleisterlee auf Bereiche fokussieren, die einen Mehrwert bieten. "Durch drastische Kostensenkung stehen wir bei deutlicher Risikominderung besser im Markt", meinte Kleisterlee. Details des Programms wollte Philips wegen gesetzlicher Vorschriften in Frankreich am Abend bekannt geben.

Was mit dem Rest der Aktivitäten von PCC passiert, blieb daher zunächst unklar. Fest steht, dass Philips in Frankreich 1 235 Stellen abbauen wird, alleine 1 142 davon im PCC-Hauptwerk in Le Mans. Dort stellen 2 700 Beschäftigte neben Handys auch drahtlose Telefone für das Festnetz her. Analysten vermuten, dass Philips die Gewinn bringende Herstellung von Fax- und Festnetzgeräten aufrechterhält. In China beschäftigt PCC 900 Mitarbeiter.

Klarer Kursabschlag an der Amsterdamer Börse

Die Amsterdamer Börse reagierte auf die Entscheidung von Philips mit einem klaren Kursabschlag von rund 4 %. PCC habe schon schlechte Kooperationserfahrungen gemacht, erklärte ein Händler die Stimmung. Das 1998 gescheiterte Joint Venture mit US-Netzausrüster Lucent hatte einen dreistelligen Millionenverlust verursacht, von dem sich PCC vergangenes Jahr nur kurzfristig erholte.

Analysten sind von den Aussichten der Verlagerung nicht ganz überzeugt. "Philips hätte ganz aussteigen sollen", sagte Didier Scemana, Analyst bei ABN Amro, dem Handelsblatt. Der Konzern habe über das Joint Venture immer noch am Risiko teil. Auch Frits de Vries von der Rabobank und Steven Vrolijk von ING Barings hätten eine komplette Werksschließung für die beste Lösung gehalten. Der Konzern solle sich ganz auf die Rolle als Zulieferer von Halbleitern und Bauelementen für Handys konzentrieren, wo er weltweit einer der führenden Anbieter sei.

Analysten geht Auslagerung nicht weit genug

Für die erneute Umstrukturierung der wieder Verlust bringenden Sparte muss der Konzern im zweiten oder dritten Quartal eine Rückstellung von rund 300 Mill. Euro bilden. Sie ist zwar niedriger als von Analysten erwartet, addiert sich aber zu den angekündigten Rückstellungen für Sparmaßnahmen in den Sparten Bauelemente und Verbraucherelektronik (350 Mill. Euro) sowie Halbleiter (90 Mill. Euro). Auch deshalb wird Philips im zweiten und eventuell auch im dritten Quartal tief in die roten Zahlen rutschen.

Die Auslagerung der Handy-Produktion reicht nach Einschätzung von Analysten für eine nachhaltige Ergebnisverbesserung nicht aus. "Philips muss das strukturell mit 6 bis 7 % schwache Wachstum bei Verbraucherelektronik steigern", meinte de Vries. Der Hersteller solle sich an Sony orientieren und ein feineres Gespür für künftige Trends entwickeln, rascher Produktneuheiten auf den Markt bringen und das Marketing verbessern. Diese von anderen Analysten geteilte Forderung geht hinaus über schlichte Kostendämpfungspläne für Verbraucherelektronik und Bauelemente, die Philips voraussichtlich heute bekannt machen wird.

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