Sanierungskurs
Alitalia streicht bis zu 3 400 Stellen

Die staatliche italienische Fluggesellschaft Alitalia geht auf Sanierungskurs.

afp ROM/MAILAND. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben mit dem Abbau von bis zu 3 400 Stellen und dem Einstieg privater Investoren ab 2003 in die schwarzen Zahlen kommen. Dazu soll in der ersten Hälfte kommenden Jahres neues Kapital in Milliardenhöhe aufgenommen werden. Italienischen Medienberichten vom Freitag zufolge dürfte dies über eine Wandelanleihe geschehen, die 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro (2,3 bis 2,7 Milliarden Mark) frisches Geld bringen soll. Nach Bekanntgabe des Sanierungsplans ging die Alitalia-Aktie auf Steigflug, die Gewerkschaften wollen dagegen am 3. Dezember streiken.

Bereits im September hatte Alitalia mit derzeit 24 000 Beschäftigten die Streichung von 2500 Jobs beschlossen. 34 Verluste bringende Verbindungen sollen gestrichen und 15 Flugzeuge ausgemustert werden. Airline-Chef Francesco Mengozzi will, dass sich Alitalia auf das profitable Kerngeschäft konzentriert. Die Firmenzentrale unweit von Rom wird verkauft. Das Programm wurde nun mit Blick auf die Branchenkrise nach den Terroranschlägen vom 11. September verschärft: 900 weitere Stellen sollen durch ein Vorruhestandsprogramm gekappt werden. Im kommenden Jahr rechnet Alitalia mit einem Betriebsverlust von 350 Millionen Euro (685 Millionen Mark). 2003 erhofft das Unternehmen durch den Umbau dann einen Nettogewinn von 25 Millionen Euro (48,9 Millionen Mark).

Terrorfolgen und Flugzeugunglück

Im Oktober war das Alitalia-Passagiergeschäft um 31,5 Prozent eingebrochen; in diesem Jahr dürfte insgesamt ein hoher Verlust auflaufen. Vor allem auf den bereits deutlich zurückgefahrenen Interkontinental-Strecken ging die Auslastung zurück. Die Airline verwies zur Begründung auf die Terrorfolgen und auf das schwere Flugzeugunglück auf dem alten Mailänder Flughafen Linate. Dort war eine Linienmaschine der SAS bei Nebel von einem deutschen Jet gerammt worden; mehr als hundert Menschen starben. In der Folge wurden auf Italiens Flughäfen Starts bei schlechter Sicht deutlich eingeschränkt.

Nach Angaben der Tageszeitungen "La Repubblica" und "Il Sole 24 Ore" könnte das Finanzministerium in Rom, das mit 53 Prozent noch die Alitalia-Mehrheit hält, 30 bis 35 Prozent an die Käufer der Wandelanleihe abgeben. Damit hielte der italienische Staat mittelfristig noch 18 bis 23 Prozent. Bei einer Wandelanleihe leihen die Anleger einem Unternehmen Geld, das sie später in Aktien umtauschen können.

Privater Partner wäre "ein Segen"

Gerüchte über den Einstieg eines privaten Investors kursieren seit Wochen. Italiens Minister für Europaangelegenheiten, Rocco Buttiglione, sagte, ein privater Partner wäre "ein Segen". Die konkurrierende Regional-Airline Alpi Eagles will mit einem Konsortium 30 Prozent an Alitalia übernehmen und 600 bis 700 Millionen Euro in das Unternehmen stecken. An Alpi Eagles ist die Benetton-Firma Edizioni Holding beteiligt. Industrieminister Antonio Marzano sprach sich gegen eine Beteiligung von Air France aus. Im Juli hatte Alitalia eine Allianz mit der französischen Airline und der US-Fluglinie Delta Airlines geschlossen; dadurch sind die Italiener auch Mitglied im weltweiten Luftfahrt-Bündnis SkyTeam. Im Rahmen der Allianz könnte Air France zwei bis drei Prozent an Alitalia übernehmen.

Im vergangenen Jahr erwirtschaftete Alitalia einen Umsatz von 5,46 Milliarden Euro. Die italienische Fluggesellschaft besitzt eine eigene Flotte mit künftig rund 150 Flugzeugen; die Zahl der Flugziele soll auf klar unter hundert reduziert werden.

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