Sanierungsplan sieht Übernahme der Mehrheit bei Kirch Media vor
Banken wollen Leo Kirch die Macht entreißen

Nach der spektakulären Pleite von Holzmann verlieren die Banken bei der Kirch-Gruppe die Geduld: Frisches Geld soll nur fließen, wenn Leo Kirch die Mehrheit an der Kerngesellschaft abgibt.

cbu MÜNCHEN. Nach einem wochenlangen, nervenzehrenden Tauziehen um die Zukunft der Kirch-Gruppe setzen die Banken Firmengründer Leo Kirch jetzt die Pistole auf die Brust. Wie es gestern aus Bankenkreisen hieß, legen die Geldinstitute einen Sanierungsplan vor, bei dem der 75-jährige Patriarch zumindest die Mehrheit an der Kerngesellschaft Kirch Media abgeben muss. Darin sind die werthaltigen Teile, also die TV-Sender sowie der Filmlizenz- und Sportrechtehandel, gebündelt.

Sonntagabend wollten sich Bankenvertreter mit Leo Kirch zu einer Krisensitzung treffen. Eine Entscheidung steht nach Einschätzung aus Bankenkreisen unmittelbar bevor. "Alles, worauf man sich einigt, muss Herr Kirch mittragen", hieß es in München. Geplant ist unter anderem, dass die Banken frisches Kapital in Höhe von 500 bis 800 Mill. Euro bereitstellen. Das Geld soll der Kirch Media über eine Kapitalerhöhung zufließen. Damit geriete Leo Kirch in die Minderheit. Die Banken würden die Regie übernehmen und die Sanierung der Gruppe energisch vorantreiben.

Die beste Lösung wäre, wenn Leo Kirch ganz aus dem Unternehmen scheiden würde, hieß es hinter vorgehaltener Hand. Ob Kirch, der die Gruppe in den fünfziger Jahren gegründet und dann hochgebracht hat, mitzieht oder aber versucht gegenzusteuern, war am Sonntag offen. Aus dem Konzern hieß es zum Thema Entmachtung jedoch: "Den Leuten bei uns ist es schon bewusst, dass es auf eine solche Lösung herausläuft."

Der Druck ist groß. Denn in Bankenkreisen heißt es, der Konzern werde ohne schnelle Lösung in den nächsten Wochen zahlungsunfähig und müsse Konkurs anmelden. Insgesamt kämpft die Gruppe mit Schulden von über 6,5 Mrd. Euro. Einige Kredite werden demnächst fällig, zudem drohen hohe Zahlungen an den Axel-Springer-Verlag und an Rupert Murdoch.

Nach Bankeninformationen wurde das Konzept unter der Führung von Werner Schmidt, dem Vorstandsvorsitzenden der Bayerischen Landesbank, erarbeitet. Die Bank, zu 50 Prozent in Besitz Bayerns, ist mit knapp zwei Mrd. Euro der mit Abstand größte Kreditgeber Kirchs. Unterstützt wird das Konzept zudem von der Hypo-Vereinsbank, der DZ-Bank und der Commerzbank. Gleichzeitig laufen offenbar Bemühungen, auch die Dresdner Bank mit ins Boot zu bekommen. Damit würden die größten Kreditgeber an einem Strang ziehen. Nicht dabei sei die Deutsche Bank, deren Kredit gut gesichert ist.

Durchkreuzt werden könnten die Bankenpläne allerdings von den übrigen Gesellschaftern der Kirch Media. Den Investoren, neben Rewe unter anderem die Medienunternehmer Silvio Berlusconi und Rupert Murdoch sowie die Investmentbank Lehman Brothers, wird selbst Interesse an einer Übernahme nachgesagt. Insbesondere Murdoch könnte an einem Einstieg bei Kirch interessiert sein. Die Banken verhandeln bereits intensiv mit den Kirch-Media-Gesellschaftern, die alle in der Vergangenheit überhöhte Preise für ihr Engagement bei Kirch bezahlt hatten.

Unterdessen führen die Rettungspläne auch zu politischen Diskussionen. Die Grünen im bayerischen Landtag warnten am Sonntag davor, dem "schlechten Geld gutes" hinterherzuwerfen. "Wenn die Landesbank jetzt Geld nachlegt, darf das nicht dazu führen, dass der drohende Konkurs einfach nur verschleppt wird", sagte die bayerische Grünen-Politikerin Emma Kellner. Es wäre ein Skandal, die Kirch-Pleite nur bis über den Termin der Bundestagswahl hinauszuzögern, um Kanzlerkandidat Edmund Stoiber zu helfen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%