Sanierungsplan verabschiedet
Fiat streicht 12 300 Stellen

Der italienische Industrie- und Autokonzern Fiat will mit massiven Stellenstreichungen und Fabrikschließungen Kosten in Milliardenhöhe sparen und so aus der schwersten Krise der Firmengeschichte herauskommen.

Reuters TURIN. Das hoch verschuldete und Verluste schreibende Traditionsunternehmen kündigte am Donnerstag den Abbau von weiteren 12 300 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2006 sowie die Schließung von zwölf Werken in diesem und dem kommenden Jahr an. Zur Finanzierung des mit Spannung erwarteten Sanierungsplans will Fiat 1,8 Mrd. ? über eine Kapitalerhöhung einnehmen. Die Schritte sollen dem Konzern spätestens 2006 wieder zu soliden Gewinnen verhelfen. Analysten äußerten aber Zweifel, ob Fiat dies gelingen wird. Fiat-Aktien eröffneten mit Kursverlusten, nachdem sie zunächst vom Handel ausgesetzt waren.

Nach den Worten von Fiat-Chef Giuseppe Morchio betreffen die geplanten Stellenstreichungen und Fabrikschließungen vor allem ausländische Standorte. Auf Druck der italienische Regierung ist der Konzern gehalten, die Arbeitsplatzverluste im Inland so gering wie möglich zu halten. Details nannte Morchio zunächst nicht. Insgesamt verspricht sich Fiat bis 2006 Kosteneinsparungen von 3,1 Mrd. ?.

Nach Angaben eines Sprechers von Fiat Deutschland werden deutsche Standorte der Gruppe wahrscheinlich nicht von den Einschnitten betroffen sein. Der Konzern beschäftige hier zu Lande rund 7000 Mitarbeiter. Zur Fiat-Gruppe gehören den Angaben zufolge das Iveco-Werk in Ulm, wo schwere Lkw hergestellt werden, und das Baumaschinenwerk Orenstein & Koppel in Berlin. Konzernchef Morchio sagte, von den geplanten Fabrikschließungen weltweit sei auch die Fiat-Tochter Iveco betroffen. Welche Werke dies sind, wollte er allerdings nicht bekannt geben. Weltweit arbeiten derzeit etwa 190 000 Beschäftigte für die Fiat-Gruppe. In den vergangenen 18 Monaten hat der Konzern bereits etwa 17 000 Stellen abgebaut.

Konzern soll 2006 wieder profitabel sein

Morchio ist bereits der vierte Konzernchef binnen eines Jahres. Den neuen Restrukturierungsplan - der dritte in zwei Jahren - nannte er "realistisch und erfüllbar". "Das ist die Startlinie, nicht die Ziellinie", betonte er. Kern der Sanierung ist die Konzentration auf das Geschäft mit Autos, Lkw und Landwirtschaftsmaschinen. Auf Konzernebene will Fiat das Betriebsergebnis im kommenden Jahr wieder an die Gewinnschwelle bringen. Die Autosparte soll dieses Ziel ein Jahr später erreichen. Auf Netto-Basis will die Gruppe 2005 die Verluste hinter sich lassen und 2006 wieder profitabel arbeiten. Fiat Auto soll unterm Strich 2006 die Gewinnschwelle erreichen. Der einstmals größte europäische Autohersteller hatte 2002 wegen eines schwachen Absatzes und hoher Abschreibungen einen Rekordverlust von 4,3 Mrd. ? geschrieben.

Analysten äußerten sich skeptisch zu den Plänen. "Fiat hatte ziemlich viele Ziele in der Vergangenheit, und sie haben sie verfehlt", sagte Arndt Ellinghorst von WestLB Panmure. Abzuwarten bleibe insbesondere, welche weiteren Schritte der Konzern unternehmen werde, um sein ehrgeiziges Margenziel zu erreichen. Fiat plant, seine operative Gewinnspanne bis 2006 im Vergleich zu 2002 um 5,5 %punkte auf vier Prozent zu verbessern.

Verkäufe zum Schuldenabbau geplant

Zur Reduzierung der Schulden in Milliardenhöhe hatten die Italiener verschiedene Geschäftsbereiche und Beteiligungen verkauft. Veräußert wurden etwa die Aluminium-Sparte, ein Teil der Beteiligung am Versorger Italenergia sowie die fast sechsprozentige Beteiligung an General Motors (GM). Der US-Autohersteller hält seinerseits 20 % an Fiat Auto. Der italienische Konzern hat das Recht, die restlichen Anteile der Sparte im kommenden Jahr an GM zu verkaufen. Die bereits vereinbarte Veräußerung der Luftfahrttochter Avio soll Morchio zufolge am Wochenende abgeschlossen werden. Seine Netto-Schulden hatte der Konzern zum Ende des ersten Quartals mit 5,2 Mrd. ? angegeben.

Mit der angekündigten Kapitalerhöhung soll den Angaben zufolge in der zweiten Juli-Woche begonnen werde. Das Unternehmen will 368,5 Mill. neue Aktien zu je fünf Euro ausgeben. Am Donnerstag eröffneten die Fiat-Aktien, deren Wert sich in den vergangenen zwölf Monaten halbiert hat, am Nachmittag an der Mailänder Börse mehr als 3,7 % im Minus bei 6,50 ?, erholten sich dann aber bis kurz vor Handelsschluss etwas auf minus 1,3 %.

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