Sanktionen aufgehoben
Bush schickt Offiziere nach Pakistan

Zur Vorbereitung des angedrohten Kriegs in Afghanistan haben die USA am Wochenende eine Militärdelegation ins Nachbarland Pakistan entsandt. Außerdem wurden die Sanktionen gegen Pakistan und Indien aufgehoben, die 1998 wegen Atomwaffenversuchen verhängt worden waren. US-Präsident George W. Bush erklärte am Samstagabend, die Beibehaltung der Wirtschafts- und Militärsanktionen "wäre nicht mehr im nationalen Sicherheitsinteresse".

ap WASHINGTON. Der pakistanische Militärmachthaber Pervez Musharraf hat den USA die Nutzung des Luftraums und die Bereitstellung von Geheimdienstinformationen angeboten. Die pakistanische Regierung sei zuversichtlich, dass die Aufhebung der Sanktionen die kooperative Beziehung zwischen beiden Ländern stärken werde, erklärte das Außenministerium in Islamabad. In Gesprächen mit Chefstrategen und Sicherheitsberatern setzte Bush die Vorbereitungen auf die angekündigte Militäraktion gegen Terroristen in Afghanistan fort.

Weitere Reservisten einberufen

Zusammen mit seiner Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice, CIA-Direktor George Tenet und Stabschef Andy Card führte Bush auf seinem Landsitz Camp David eine Videokonferenz mit Regierungsmitgliedern in Washington. Zur Vorbereitung der Militäraktion wurden weitere 5 172 Reservisten der Nationalgarde und der Luftwaffe einberufen. Unter ihnen sind Angehörige von Einheiten, die sich um das Betanken von Flugzeugen in der Luft kümmern.

Bisher wurden mehr als 10 000 Reservisten einberufen, insgesamt sollen rund 35 000 Reservisten in Marsch gesetzt werden. Auch die EU-Staaten sagten den USA militärische Unterstützung für einen Vergeltungsschlag zu. "Die Europäische Union ist bereit, sich an derartigen Aktionen, die gezielt sein müssen, zu beteiligen", erklärten die EU-Staats- und Regierungschefs auf einem Sondergipfel in Brüssel.

Bundeskanzler Gerhard Schröder sagte: "Die EU zeigt sich mit den USA nicht nur verbal solidarisch, sondern ist auch bereit, bei notwendig werdenden militärischen Maßnahmen" Beistand zu leisten. Der EU-Gipfel vom Freitagabend beschloss auch ein Aktionsprogramm, um den internationalen Terrorismus wirksamer zu bekämpfen. Ein britisches Spezialkommando von vier Mann soll sich bereits seit mehreren Tagen in Afghanistan aufhalten. Die britischen Zeitungen "Sunday Times" und "Mail on Sunday" berichteten zudem von einem Schusswechsel zwischen der Sondereinheit SAS und Taliban-Kämpfern am Freitagabend.

Soforthilfeprogramm für Fluggesellschaften der USA

Zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen unterzeichnete Bush am Samstag ein Soforthilfeprogramm für die US-Fluggesellschaften. Das Unterstützungspaket hat einen Umfang von 15 Mrd. $ (31,9 Mrd. DM/16,3 Mrd. ?). In Erwartung sinkender Fluggastzahlen nach den Terroranschlägen mit entführten Flugzeugen haben mehrere Gesellschaften die Entlassung von insgesamt etwa 70 000 Mitarbeitern angekündigt.

Mit Blick auf die angedrohte Militäraktion haben Spezialkräfte der Bundeswehr den Schutz besonders gefährdeter deutscher Botschaften im Ausland übernommen. Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping widersprach jedoch Berichten, wonach deutsche Soldaten bereits auf dem Weg zu möglichen Einsätzen sein sollen. "Es steht auch kein unmittelbarer Abmarsch bevor", sagte Scharping der Zeitung "Bild am Sonntag".

Castro: "USA wollen Weltdiktatur errichten"

Der kubanische Staatschef Fidel Castro warf den USA vor, unter dem Deckmantel eines Krieges gegen den Terrorismus eine auf Gewalt gegründete Weltdiktatur errichten zu wollen. Nach der Tragödie vom 11. September dürfe nicht ein Krieg begonnen werden, "der ein endloses Gemetzel an unschuldigen Menschen entfesseln könnte". Die irakische Regierung wies erneut jede Verwicklung in die Terroranschläge zurück. Vizepräsident Taha Jassin Ramadan erklärte jedoch am Samstagabend, er betrachte Irak als mögliches Ziel im Kampf der USA gegen den Terrorismus.

In Berlin, London und Los Angeles versammelten sich am Samstag Kriegsgegner zu Friedensdemonstrationen. Vor rund 3 000 Kundgebungsteilnehmern in London sagte Carol Naughton von der Kampagne für atomare Abrüstung (CND), mit einem Angriff auf Afghanistan würde nur eine Spirale der Gewalt ausgelöst, "die einen großen Aufstand gegen die USA und möglicherweise auch Großbritannien auslösen wird". In Berlin beteiligten sich mehrere tausend Menschen an einer Protestkundgebung.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%