Santini muss auf zahlreiche Stars verzichten
Neue Generation schießt Tore am Fließband

Frankreichs Fußball-Nationalteam überzeugt beim ungeliebten Konföderationen-Cup und in der EM-Qualifikation gleichermaßen.

PARIS. Philippe Mexès stoppt den Ball mit der Brust und schnickt ihn volley mit der Hacke von der Torauslinie hinter sich, so dass Ludovic Giuly - ebenfalls volley - aus 14 Metern ins Tor der Neuseeländer einschießen kann. Das 4:0 der französischen Elf gegen Neuseeland war das bisher schönste Tor des Konföderationen-Cups. Arrangiert haben es zwei Spieler, die außerhalb ihrer Heimat kaum jemand kennt - noch.

Denn Verteidiger Mexès von AJ Auxerre und Spielmacher Giuly vom AS Monaco gehören zu den vielen neuen Gesichtern in Frankreichs Nationalteam. Seit der Pleite bei der Weltmeisterschaft vor einem Jahr, als der Titelverteidiger sieg- und torlos nach der Vorrunde ausschied, gibt der neue Trainer Jacques Santini dem Nachwuchs reichlich Platz auf dem Platz - mit Erfolg.

Beim Umbau seiner Elf ist Santini seinem deutschen Kollegen Rudi Völler um Längen voraus. Als einziges Team außer Wales hat Frankreich noch keinen Punkt in der Qualifikation zur Europameisterschaft in Portugal im kommenden Jahr abgegeben. Während Deutschlands Vize-Weltmeister zu einem Last-Minute-2:0 über die Kick-Zwerge von den Färöer-Inseln rumpelten, bereiten den Franzosen "kleine" Gegner kein Kopfzerbrechen mehr.

Gegen die "All Blacks" von der anderen Planetenseite gab es ein 5:0; Malta wurde mit 6:0 und 4:0 abgefertigt; Ägypten fuhr mit einem 0:5 wieder heim. Zehn Siege aus zwölf Spielen schaffte Santini, Tordifferenz 36:6. Seine Erfolgsbilanz will der Trainer des amtierenden Europameisters heute im Halbfinale des Konföderationen-Cups gegen den WM-Dritten Türkei verlängern.

Zwar muss Santini auf zahlreiche Stars verzichten. Zinedine Zidane, (Real Madrid), David Trezeguet (Juventus Turin), Emmanuel Petit (FC Chelsea) und Patrick Vieira (Arsenal London) fehlen. Aber außer Trezeguet und Thierry Henry haben die Leistungsträger ihre große Zeit bald hinter sich - ebenso wie Robert Pires (30 Jahre), Sylvain Wiltord (29; beide Arsenal), Bixente Lizarazu (Bayern München; 34) und Marcel Desailly (Chelsea; 34).

Also rief Santini das ungeliebte Turnier zum "Labor" aus, und Youngster wie Mexès (21) griffen zu: "Für mich ist der Konföderationen-Cup meine WM." Ebenfalls eifrig bei der Sache sind Mittelfeldmann Olivier Kapo (23) und Stürmer Djibril Cissé (21), beide vom Pokalsieger Auxerre, die gegen Neuseeland ebenfalls trafen. Gemeinsam haben sie alle: Sie wurden auf Frankreichs Fußballinternaten ausgebildet, die schon den Grundstein für den WM-Titel 1998 legten.

Nach dem Sieg gegen Neuseeland entschuldigte Hackentrickser Mexès seinen Geniestreich wie folgt: "Ich habe die Flugbahn des Balles nicht genau berechnet. Ich bin ja nicht Zidane." Aber besser hätte der es auch nicht machen können.

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