SAP erzielt Erfolge durch Einsparungen: Softwarehäuser streichen wieder Stellen

SAP erzielt Erfolge durch Einsparungen
Softwarehäuser streichen wieder Stellen

Nach Rückgängen bei Gewinn und Umsatz stehen bei Softwarehäusern wie Siebel und Peoplesoft Entlassungen an. SAP, Marktführer im Bereich Unternehmenssoftware, schlägt sich vergleichsweise gut.

FRANKFURT. Das erste Quartal ist für die Hersteller von Unternehmenssoftware alles andere als gut gelaufen. Zwar sind die ersten drei Monate des Jahres in der Branche traditionell umsatzschwach, doch aufgrund des schlechten Abschneidens haben die SAP-Konkurrenten, Siebel Systems und Peoplesoft angekündigt, Personal abzubauen. So will Siebel im zweiten Quartal knapp fünf Prozent der 5 800 Stellen streichen, Peoplesoft wird rund 200 Mitarbeiter entlassen.

Auch bei der deutschen Software AG ist die Krise nicht überstanden. Die Darmstädter haben den Abbau von 250 Stellen angekündigt. Ende März hatte das US-Softwarehaus Oracle in Deutschland 200 Beratern den Stuhl vor die Tür gestellt, nachdem auch flexible Arbeitsmodelle nicht die notwendige Entlastung gebracht hatten. Dagegen scheint die Lage an der Personalfront des Walldorfer Softwarehauses SAP vorerst stabil zu sein. Allerdings gilt bei SAP seit Herbst vergangenen Jahres ein Einstellungsstopp.

Ursache für die neue Sparwelle ist die schwache Ertragslage der Software-Konzerne. So brach der Reingewinn bei dem auf CRM-Software (für die Kundenbetreuung) spezialisierten Softwarehaus Siebel im ersten Quartal um 93 % auf 4,6 Mill. Dollar ein. "Für Siebel war es bezogen auf die operative Profitabilität das schlechteste Quartal seit dem Börsengang", kommentierte Pat Walravens von JMP Securieties den Ergebniseinbruch. Dennoch gewinnt Siebel-Marketingchef David Schmaier dem schwachen ersten Quartal auch positive Seiten ab. "Es ist uns gelungen, trotz der schwachen wirtschaftlichen Situation unseren Marktanteil auszubauen", sagte Schmaier im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Auch Peoplesoft musste Federn lassen. Der Reingewinn fiel um 13 % auf 38 Mill. Dollar. Die Darmstädter Software AG ist mit einem Fehlbetrag von 9,7 Mill. Euro im ersten Quartal sogar in die Verlustzone gerutscht. Dagegen ist es SAP durch straffes Kostenmanagement gelungen, die Ertragssituation im Vergleich zum Vorjahr zu verbessern. So schnellte das Ergebnis nach Steuern von 65 Mill. auf 186 Mill. Euro in die Höhe - allerdings auch deshalb, weil Beteiligungen wie Commerce One nicht mehr so stark belasteten wie ein Jahr zuvor. Operativ stieg das Ergebnis um 60 %.

Wie schwach das Geschäft mit Unternehmenssoftware zur Zeit läuft, zeigt ein Blick auf das Kerngeschäft mit Softwarelizenzen. So musste Branchenführer SAP im ersten Quartal einen Rückgang um 12 % hinnehmen. Bei Siebel beträgt das Minus 54 %, bei Peoplesoft immerhin noch 39 %. Auch bei Oracle ist im dritten Quartal (Ende Februar) der Lizenzumsatz um vier Prozent gesunken. Dagegen konnte die Software AG ihre Lizenzeinnahmen im ersten Quartal mit 69,3 Mill. Euro weitgehend stabilisieren.

Analysten hatten das schlechte Abschneiden der Softwarehäuser im ersten Quartal zwar weitgehend erwartet, zumal Unternehmen wie Siebel und Peoplesoft die Experten vor einigen Tagen auf einbrechende Gewinne vorbereitet hatten. Sorgen macht den Branchenkennern aber der Ausblick. Das Investitionsklima werde sich auch im Laufe des zweiten Quartals trotz des zu Ende gehenden Irak-Krieges nicht aufhellen, fürchten sie. "Die Investitionen sind am Boden, eine Wende ist zur Zeit nicht in Sicht", bestätigte Siebel-Marketingchef Schmaier die Skepsis der Experten.

Hinzu käme die anhaltend große Unsicherheit der Unternehmen. "Erst war es Enron, dann der Krieg, jetzt SARS - das alles ist dem angeschlagenen Vertrauen natürlich keine Hilfe", sagte Schmaier. Auch Peoplesoft-Chef Craig Conway bestätigte diese Einschätzung. "Der Irak-Krieg hat der Wirtschaft hier und im Ausland einen großen Dämpfer verpasst", sagte er gegenüber Analysten. "Alle haben einfach weniger ausgegeben", so Conway.

Diese Unsicherheit überträgt sich auf die Prognosen der Software-Häuser. So gibt Oracle für das vierte Quartal (Ende Mai) des laufenden Geschäftsjahres eine Spanne beim Umsatzwachstum von minus 2 Prozent bis plus sechs Prozent an. An den langfristig positiven Aussichten der Branche ändert dass nach Ansicht von Siebel-Marketingchef Schmaier aber nichts. "Auf lange Sicht wird kein Unternehmen ohne Programme wie etwa CRM auskommen", zeigt er sich zuversichtlich.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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