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SAP gibt Wachstum Vorzug vor Rendite

vwd FRANKFURT. Wie schon 2004 wird der Softwarekonzern SAP auch im kommenden Jahr Wachstum den Vorzug vor Profitmaximierung geben. In diese Richtung lassen sich verschiedene Äußerungen des Vorstands in den vergangenen Wochen interpretieren. So erklärte Vorstandssprecher Henning Kagermann kürzlich die Performance des Unternehmens in den ersten neun Monaten 2004 zum Meilenstein auf dem Weg zurück zu zweistelligen Wachstumsraten. Über die nächsten Jahre sollten die Erlöse mit Softwarelizenzen wieder prozentual zweistellig zulegen.

Insofern kann auch für 2005 mit einem Lizenzwachstum von mindestens 10 Prozent gerechnet werden. Kagermann jedenfalls beugte möglichen Enttäuschungen beim Gewinn vor, indem er sagte, die operative Marge könnte im kommenden Jahr durchaus unverändert ausfallen, nachdem in den vergangenen Jahren eine Erhöhung von jeweils mindestens einem Prozentpunkt erreicht worden war. Und Finanzvorstand Werner Brandt deutete an, das mittelfristige Margenziel von 30 Prozent könnte eventuell ein Jahr später erreicht werden. Dass die Rendite beim Wachstumsstreben nicht völlig auf der Strecke bleibt, dafür dürften einige interne und externe Faktoren sorgen.

Vorsprung nach Oracle/Peoplesoft-Fusion geringer

Jochen Klusmann, Analyst bei der ING BHF-Bank, erwartet trotz aller Vorsicht des Managements für 2005 eine Steigerung der operativen Marge um 1,5 Prozentpunkte auf 29,5 Prozent. Zugute kommen dürfte SAP dabei, dass der Preisdruck wohl nachlässt, der sich auch aufgrund des Übernahmegefechts zwischen Oracle und Peoplesoft aufgebaut hatte. Nachdem sich die beiden US-Unternehmen nun auf eine Übernahme von Peoplesoft geeinigt haben, erwächst den Deutschen ein beachtenswerter Wettbewerber. Allerdings verweist man in Walldorf gelassen darauf, dass der relative Marktanteil von SAP weltweit mehr als doppelt so groß sei wie jener von Oracle und Peoplesoft zusammen.

Gleichwohl warnen Branchenkenner, die neue Nummer Zwei in der Softwarewelt zu unterschätzen. SAP dürfte nun zumindest ihre Produktstrategie überdenken oder sogar verändern, glaubt Evan Quinn vom Marktforschungsunternehmens IDC. Im Bereich Software für Finanzdienstleister lägen beide Unternehmen nahezu auf Augenhöhe, bei Personalsoftware, wo Oracle bereits ohne Peoplesoft stark gewesen sei, habe der Datenbankanbieter nun noch zugelegt.

Zweikampf mit Microsoft im Mittelstandsgeschäft

Als Margentreiber für SAP betrachtet Klusmann den angekündigten Ausbau des Geschäfts mit kleinen und mittleren Unternehmen (SMB), das mittlerweile rund 30 Prozent der Softwareerlöse auf sich vereinigt. SAP vertreibt seine Lösungsangebote für den Mittelstand über Partnerunternehmen. Diese erhalten laut Klusmann einen Abschlag von 40 Prozent, übernähmen dafür aber auch Implementierungs- und Serviceleistungen. SAP habe damit außer einigen Marketingaufwendungen bei diesen Programmen kaum noch Kosten und damit eine extrem hohe Rendite.

Hier sieht sich das Softwareunternehmen allerdings zunehmender Konkurrenz durch Microsoft ausgesetzt. Der "Riese aus Redmond" will in sein Mittelstandsgeschäft in den kommenden fünf Jahren die sagenhafte Summe von 12 Mrd US-Dollar investieren. Gleichwohl hat Kagermann angekündigt, sich in diesem schnell wachsenden Segment nicht die Butter vom Brot nehmen zu lassen.

Margenbelastung durch erhöhte F&E-Investitionen

Der für SAP negative Währungseffekt sollte sich Klusmann zufolge nicht mehr so stark auswirken wie im Vorjahr. Selbst wenn der Euro im Jahresdurchschnitt bei 1,35 US-Dollar liegen sollte, wäre dies eine Steigerung von rund 8 Prozent (Vorjahr 10 Prozent) gegenüber dem angenommenen 2004er-Schnitt von 1,24 US-Dollar. Daraus ergäbe sich für SAP ein Währungseffekt von rund 3 Prozent, hat der Analyst ausgerechnet.

Einen größeren Belastungsfaktor für die Marge sieht er in der deutlichen Ausweitung der Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten. Nachdem in diesem Jahr bereits 700 F&E-Mitarbeiter neu hinzugekommen seien, würden 2005 angesichts geplanter Investitionen in die Integrationsplattform "NetWeaver" und in die neue Softwarearchitektur ESA weitere Einstellungen folgen. Rund 60 Prozent davon seien jedoch in Billiglohnländern wie Indien geplant, so dass der Effekt auf die Gewinn- und Verlustrechnung nicht überinterpretiert werden sollte, meint Klusmann. SAP gehört in der Branche zu den Vorreitern bei der konsequenten Verlagerung von Geschäft an billigere Standorte.

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