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SAP steht unter verstärkter Beobachtung

Dass die US-Bank Goldman Sachs nach den Terror-Anschlägen in den USA erst zu Wochenbeginn ihre Gewinnerwartung für den deutschen Software-Riesen SAP senkte, verwundert wenig. Wie alle Research-Abteilungen großer Banken nahmen sich die Experten dort in ersten so genannten Flashs die volkswirtschaftlichen Auswirkungen vor. Anschließend wurden Einzelbranchen untersucht und zuletzt die Auswirkungen auf einzelne Unternehmen geprüft.

FRANKFURT/M. SAP ist einer der meist genannten Titel, mit denen sich Analysten seither befassen. Tendenziell spüren die Walldorfer eine verstärkte Skepsis gegenüber ihrer Aktie. Gründe sind nicht nur die bisher schon bekannten konjunkturellen Probleme innerhalb der Software-Branche. SAP erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2001 in den USA 27,9 % seiner Umsätze. Die Analysten von Dresdner Kleinwort Wasserstein senkten unter anderem deswegen ihr Kursziel von 175 auf 155 Euro. Charttechniker von Consors Capital sehen zudem den Aufwärtstrend der letzten Jahr akut in Gefahr.

Wie SAP könnten auch kleinere deutsche Software- und IT-Unternehmen unter der unsicheren Lage in den USA leiden, befürchten Experten. Der IT-Anbieter Biodata - im vergangenen Jahr immerhin die erfolgreichste Neuemission am Neuen Markt - erwartet über ein Drittel seines Umsatzes aus den USA und steuert zudem seinen Vertrieb von dort. Dass die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt die Aktie auf "reduzieren" herab stuften, lag auch an ihrer Meinung nach zu optimistischen Prognosen für das Jahr 2002. Gestern gab es jedoch eine Gegenbewegung. Biodata stiegen um 20 %, was auf den erhöhten Bedarf an Sicherheitslösungen zurückgeführt wurde.

Aber auch andere Branchen stehen seit den Terror-Anschlägen unter besonderer Beobachtung der Analysten. Bei den Logistik-Dienstleistern wird hinterfragt, wie stark das Unternehmen vom Luftfracht-Geschäft mit Nordamerika abhängt und wie die dortigen Töchter eingeschränkt sind. Die Deutsche Post beispielsweise ist hier gleich zweifach betroffen. Erstens konnte ihre Tochter DHL USA nach den Anschlägen nur etwa 260 ihrer 300 Zustellbezirke aufrecht erhalten. Zweitens musste Interkontinental-Fracht nach Kanada umgeleitet und von dort per LKW weiter transportiert werden, was zusätzliche Kosten verursachte.

Wettbewerber wie die Hofheimer D.Logistics AG erwirtschafteten im vergangenen Jahr immerhin 20 % ihres Umsatzes von 382,5 Mill. Euro im Raum Nordamerika/Asien. Weniger Konsequenzen hingegen befürchtet Michael Drepper von Consors Capital für Thiel Logistik, Stinnes und Microlog, deren Umsatzanteil am Luftfrachtgeschäft mit den USA relativ gering ist.

Auch ein Doppellisting belastete zuletzt

Es sind jedoch nicht nur die Auswirkungen auf das Stammgeschäft, die die jeweilige Aktie belasten. Bei Unternehmen, die sowohl in den USA als auch in Deutschland an der Börse gelistet sind, fehlte in den vier Tagen, als in New York nicht gehandelt wurde, die Möglichkeit der Arbitrage. Meist sind dies Unternehmen, die sowohl am Neuen Markt als auch an der Nasdaq auf dem Kurszettel stehen wie Broadvision, Carrier 1, Qiagen oder Lion Bioscience. Seitdem die US-Börsen am Montag den Handel wieder aufgenommen haben, sei dieser Effekt aber ausgestanden, so Michael Drepper.

Erhöhte Nachfrage könnten nach ersten Einschätzungen Anbieter von Telekom-Dienstleistungen erfahren. Dass sich das Leitungsnetz in den USA gerade während des Anschlags als instabil erwies, zeigt den erheblichen Verbesserungsbedarf. Zudem besitzt dort im Vergleich zu Westeuropa nur etwa jeder Dritte ein Handy. Nach Schätzungen von Consors Capital liegt die Marktdurchdringung in Westeuropa bei über 50 %.

Auch dürfte der Bereich Sicherheit mehr denn je ein Thema sein. Kontaktlose Zugangssysteme zu Gebäuden, wofür Mühlbauer die entsprechenden Smart Cards herstellt, oder Zugangsautomaten an Flughäfen, wie sie Höft & Wessel anbietet, werden erhöhte Marktchancen zugebilligt.

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