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Sarbanes-Oxley und die Folgen für die Anwaltschaft

Deutsche Anwälte und deren Kollegen im Ausland befürchten eine massive Störung des ...

Deutsche Anwälte und deren Kollegen im Ausland befürchten eine massive Störung des Vertrauensverhältnisses zwischen Anwalt und Mandant durch Sarbanes-Oxley, dem US-Gesetz gegen Bilanzmanipulationen. Juristen in vielen Ländern fühlen sich durch das US-Gesetz stark verunsichert und lehnen es weitgehend ab. Das ist das Ergebnis einer internationalen Vergleichsstudie, die jetzt von der International Bar Association - dem länderübergreifenden Dachverband der Rechtsanwaltskammern - und LexisNexis veröffentlicht wurde. Befragt wurden 700 Anwälte aus insgesamt acht Ländern, darunter Deutschland, Frankreich, Großbritannien und die USA.

Die überwältigende Mehrheit der über 600 Anwälte, die außerhalb der USA an der LexisNexis-IBA-Umfrage teilnahmen, äußerten Verwirrung und Besorgnis über die Auswirkungen von Sarbanes-Oxley. Deutsche Anwälte sehen für sich, genau wie ihre europäischen Kollegen, keine Vorteile durch das US-Gesetz. Ganz im Gegenteil. So gehen 89% der befragten deutschen Anwälte davon aus, dass ihre Mandanten aufgrund von Sarbanes-Oxley weniger vertrauensvoll mit ihnen zusammenarbeiten werden. In dieser Einschätzung stimmen sie mit ihren Kollegen überein: Die überwiegende Mehrheit aller befragten Anwälte befürchtet eine massive Beeinträchtigung des Vertrauensverhältnisses zu ihren Mandanten durch Sarbanes-Oxley.

60% der deutschen Anwälte denken, dass sie auf die eine oder andere Weise von Sarbanes-Oxley in ihrem Geschäft betroffen sein werden. Neben der Beeinträchtigung des Vertrauensverhältnisses nennen sie vor allem die Tatsache, dass das Gesetz sie zu weiterreichenden Verpflichtungen zwingt (34%) und einen Anstieg der Kosten für die Rechtsberatung (31%) verursacht. Die europäischen Anwälte befürchten zudem Unklarheit darüber, was Sarbanes-Oxley für europäische Unternehmen bedeutet, deren Wertpapiere in den USA gehandelt werden. So können 45% der deutschen Anwälte nicht ausschließen, dass eine ähnliche Gesetzgebung in Deutschland eingeführt werden könnte.

Gleichzeitig lehnt die Mehrheit der deutschen Advokaten staatliche Eingriffe nach dem Vorbild des Sarbanes-Oxley Acts ab. Die Verpflichtung, vermutete oder tatsächliche Rechtsverstöße ihrer Mandanten zur Anzeige zu bringen, wird von den deutschen Anwälten ebenfalls mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. Weltweite Einigkeit besteht hingegen bei Anwälten darüber, dass die Gesellschaft nicht gut genug über die Hintergründe ihrer Verschwiegenheitspflicht gegenüber staatlichen Regulierungsbehörden unterrichtet ist. Den positiven Aspekt, dass Sarbanes-Oxley die Verantwortlichen zu mehr Ehrlichkeit zwingt, wollen dagegen nur 10% der befragten deutschen Anwälte bestätigen. Auch in diesem Punkt sind sich die deutschen Anwälte mit ihren internationalen Kollegen einig.

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