Sat.1 gesteht Scheitern ein
"ran" um 20.15 Uhr ist raus

Das Experiment ist misslungen. Die Sat.1-Fußballshow "ran" am Samstagabend um 20.15 Uhr ist schon nach drei Sendungen Geschichte. "Für uns besteht Handlungsbedarf und das heißt eine Veränderung des Sendeplatzes", sagte Sat.1-Sprecherin Kristina Faßler und verkündete damit offiziell das Scheitern des zu Beginn der Saison neu installierten Konzepts.

sid FRANKFURT/BERLIN. Der Privatsender zieht die Konsequenz aus dem mangelnden Interesse der Zuschauer. Zuletzt verfolgten nur noch 1,68 Mill. Zuseher die Bundesliga zur Primetime am Samstagabend in "ran".

"Über die Quote brauchen wir nicht diskutieren, die besitzt eine klare Aussagekraft. In dieser Woche werden wir gemeinsam mit dem Rechte-Inhaber gemeinsam über eine attraktive Lösung für alle beraten", erklärte Kristina Faßler und kündigte Gepräche mit der Kirch-Gruppe an: "Es soll eine Lösung zu allererst für den Fan sein."

Zukünftige Berichterstattung offen

Offen ist noch, wie die Berichterstattung zukünftig aussehen soll und wann die Änderung vollzogen wird. Nach dem vierten Spieltag am kommenden Wochenende tritt die Bundesliga in eine zweiwöchige Pause auf Grund der ersten Runde im DFB-Pokal und des WM-Qualifikationsspiels gegen England (1. September).

"Wenn der Sendeplatz geändert wird, ist das in erster Linie eine Entscheidung von Sat.1, die man aber mit uns abstimmen sollte", sagte Liga-Boss Werner Hackmann in einer ersten Stellungnahme zu den Plänen des Senders. "Um wieviel Uhr die Sendung ausgestrahlt wird, ist Sache des Senders. Für mich steht nur fest, dass sie nicht später als 20.15 Uhr beginnen wird", meinte Hackmann und spricht sich damit dagegen aus, die Berichterstattung auf den späteren Abend zu verlegen. Hackmann kündigte zu diesen Thema eine Sitzung der Führungsetage des Liga-Verbandes an: "Wir werden über das Quotendebakel während einer Präsidiumssitzung am 20. August diskutieren."

Mayer-Vorfelder nimmt Kirch in Schutz

DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder ist nicht erfreut über die Absetzung von "ran" zu einem solch frühen Zeitpunkt. "Ich halte eine schnelle Entscheidung nicht für gut. Als das Sandmännchen um 15 Minuten verlegt wurde, ist auch ein Aufstand losgebrochen. Und wie beim Sandmännchen damals ist jetzt die ran-Sendezeit zur Schicksalsfrage der Nation geworden", meinte Vorfelder. Der DFB-Boss nahm außerdem Rechte-Inhaber Leo Kirch in Schutz: "Es gefällt mir nicht, wenn Kirch als Buhmann an den Pranger gestellt wird. Aber unter dem Streit hat der Fußball insgesamt gelitten."

Die Entscheidung von Sat.1 kam allerdings nach der immer lauter werdenden Kritik an dem späten Sendetermin nicht mehr überraschend. "Es hat keinen Sinn, seinen sturen Kopf durchzusetzen", hatte Bayern-Manager Uli Hoeneß geäußert. Auch Dortmunds Präsident Dr. Gerd Niebaum sah schon in der vergangenen Woche "keine große Chance mehr" für "ran" um 20.15 Uhr und Kaiserslauterns Vorstandsvorsitzender Jürgen Friedrich forderte rasches Handeln, "damit die Weltmarke Fußball nicht weiteren Schaden erleidet".

Einigung über Kurzberichterstattung dann wieder offen

Sollte "ran" oder eine andere Form der Berichterstattung zukünftig wieder früher ausgestrahlt werden, steht auch der erst am Freitag erzielte Kompromiss über die Kurzberichterstattung in der Tagesschau wieder zur Diskussion. ARD-Chef Fritz Pleitgen kündigte bereits an, dass eine Verlegung von "ran" auf die alte Sendezeit um 18.30 Uhr die Einigung in Frage stellen würde.

Unter Zugzwang steht nun in erster Linie die Kirch-Gruppe. Der Rechte-Inhaber hatte vor der Saison auf eine Verlegung der "ran"-Ausstrahlung gedrängt, um seinen Pay-TV-Sender Premiere World zu stärken. Sollte die Fußballshow wieder früher auf Sendung gehen, wäre dieser Effekt verpufft. Einer Verlegung in den späteren Abend steht das ZDF-Sportstudio im Wege. Die Mainzer zahlen für diese Saison 70 Mill. DM für die Zweitrechte.

Pläne für Fußball-Decoder

"Oberstes Ziel aller Beteiligten ist es, der Bundesliga eine für die Zuschauer attraktive Plattform zu bieten", erklärte Kirch-Sprecher Hartmut Schultz. Unterdessen berichtet der kicker über Pläne bei Kirch, wonach ein neuer Fußball-Decoder auf den Markt gebracht werden soll. Für 25 Mark im Monat sollen alle Spiele zu sehen sein. Eine weitere Möglichkeit für den Münchener Mediengiganten besteht darin, die Verwertungsrechte an die öffentlich-rechtliche Konkurrenz oder RTL zu verkaufen, um so an der Ware Bundesliga zu verdienen. Das würde allerdings wohl das Ende der Berichterstattung auf SAT.1 bedeuten.

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