Sat.1: Kokain-Spuren auf Parlamentstoiletten gefunden
Staatsanwaltschaft geht Bericht über Kokain im Reichstag nach

Eine Justizsprecherin kündigte am Mittwoch an, die Behörde werde beim Fernsehsender Sat.1 die Unterlagen über den angeblichen Kokain-Fund im Reichstagsgebäude und dem Berliner Landesparlament anfordern.

afp. Auch die Bundestagsverwaltung kündigte eine Überprüfung an. Das Sat. 1-Magazin "Akte 2000" hatte nach Angaben des Senders in 28 Toiletten des Berliner Reichstagsgebäudes einen Kokain-Test gemacht. Fritz Sörgel vom Nürnberger Institut für Biomedizinische und Pharmazeutische Forschung in Nürnberg, das den Test für Sat.1 ausführte, sagte dem Sender: "Im Deutschen Bundestag würden Drogensuchhunde anschlagen." Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Christa Nickels, verurteilte die Aktion von Sat.1 als "unseriös".

Für den Test wurden nach Angaben von Sat.1 Ablagen und Flächen mit sterilen Tüchern abgewischt. Diese Tücher seien dann in Röhrchen getan worden, die versiegelt an das Nürnberger Institut geschickt worden seien. Auch in den Toiletten eines Berliner Nobelhotels und der Börse der Hauptstadt seien Spuren von Kokain festgestellt worden.

In dem Nürnberger Institut fielen nach Sat.1-Angaben 22 der 28 im Reichstag genommenen Proben positiv aus. Die positiven Proben stammten ausschließlich aus Toiletten jenes Reichstags-Bereichs, der nicht frei für Besucher zugänglich ist. Nach Angaben einer Bundestags-Sprecherin können die fraglichen Toiletten aber nicht nur von den Abgeordneten, sondern auch von Mitarbeitern, Journalisten oder Besuchergruppen benutzt werden, die von Abgeordneten eingeladen werden.

In einer Erklärung des Bundestages wurde der Sat.1-Bericht als "unglaublich" bezeichnet. Die Parlamentsverwaltung werde allerdings den Wahrheitsgehalt der Darstellung überprüfen. Im Reichstag hielten sich täglich sehr viele Menschen auf. "Es sei nicht feststellbar, ob sich darunter auch Verbraucher von Rauschgift befinden", hieß es in der Erklärung. Auch eine Sprecherin des Abgeordnetenhauses verwies darauf, dass die angeblich betroffenen Toiletten für jedermann zugänglich seien. Sie warf Sat.1 vor, die Untersuchungsergebnisse bislang nicht zur Verfügung gestellt zu haben.

Nickels sagte dem Kölner "Express" (Donnerstagsausgabe): "Es gibt keine drogen- und suchtfreien Bereiche in der Gesellschaft." Gefährdet seien Menschen gerade dort, wo unter Druck gearbeitet werde. Dies sei der Fall "im Show-Business, im Spitzensport, im Management, im Journalismus und der Politik". Die Aktion von Sat.1 sei "fragwürdig und unseriös und galt wohl dem Zweck, sinkende Einschaltquoten anzuheben".

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