Sat1-Chef Kogel kommt nach München
Leo Kirch verteilt Zuständigkeiten in der Konzern-Chefetage neu

Stühlerücken in der Kirch-Gruppe: Zwei Vertraute von Leo Kirch sollen jetzt den geplanten Börsengang der Kirch Media vorbereiten. Gleichzeitig wird über personelle Konsequenzen beim Pay-TV spekuliert.

HB MÜNCHEN. Lange war über die Zukunft von Sat 1-Chef Fred Kogel spekuliert worden. Jetzt ist klar, der 39-Jährige wird bei der Kirch-Gruppe in München bleiben und nicht zur Konkurrenz abwandern. Kogel wird künftig zusammen mit Jan Mojto die Kirch Media führen, in der das eigentliche Kerngeschäft des Münchener Medienkonzerns gebündelt ist. Die beiden Vertrauten von Konzernchef und-gründer Leo Kirch werden ab Anfang 2001 zu stellvertretenden Vorsitzender der Geschäftsführung der Kirch Media berufen. Den Vorsitz selbst wird weiterhin Leo Kirch inne haben.



Mojto und Kogel: Die Wegbereiter für den Börsengang

Mojto, seit 1980 bei Kirch und seit 1987 für den wichtigen Bereich "Programm" zuständig, und Kogel werden damit insbesondere den für die zweite Jahreshälfte 2001 vorgesehenen Börsengang der Kirch Media vorbereiten. Mojto wird zusätzlich in der Dachgesellschaft Kirch-Holding die Gesamtverantwortung für Kirch Media tragen. Kogel wird in der Kirch Media für die Bereiche Lizenz-Management, Senderfamilie und Show zuständig sein. Der derzeitige Sat 1-Chef, der als Entertainment-Experte gilt, soll vor allem den Bereich Show-Produktionen aufbauen. Hier hatte die Kirch-Gruppe zuletzt gegen aggressive Wettbewerber wie Endemol oder Brainpool schlecht ausgesehen.



Zudem wird sich Kogel um die "programmliche Betreuung der Senderfamilie der Pro Sieben Sat 1 Media AG" kümmern, wie die Kirch-Gruppe weiter mitteilte. Inwieweit er hier in die Kompetenzen von Pro-Sieben-Chef Urs Rohner und dessen Programmchef Ludwig Bauer eingreifen wird, ist derzeit offen. Bei der börsennotierten Pro-Sieben-Gruppe geht man aber nicht davon aus, dass Kogel zum "Überchef" wird. Sat 1 wird derzeit in die Pro-Sieben-Gruppe eingegliedert. Dadurch entsteht der größte private Fernsehanbieter in Deutschland mit einem Marktanteil von etwa 25 %.



Dieter Hahn, der als rechte Hand von Leo Kirch gilt, wird sich dagegen aus dem operativen Geschäft der Kirch Media zurück ziehen. Er gibt seinen Posten als Kirch-Media-Vize auf und wird künftig nur als stellvertretender Vorsitzender der Kirch-Holding agieren. Den Vorsitz hat auch hier Leo Kirch. Hahn ist im Konzern künftig für die Bereiche Kommunikation, Multimedia sowie Sport zuständig. Zudem übernimmt er die Gesamtverantwortung für das Pay-TV der Gruppe. Ein Sprecher von Kirch Media sagte zu den weitreichenden Personalentscheidungen, dies sei lediglich die Umsetzung aus der bereits länger laufenden Umstrukturierung im Konzern.



Ausstieg von Pay-TV-Chef ist "Blödsinn"

Gleichzeitig kamen Spekulationen um die Zukunft von Pay-TV-Chef Markus Tellenbach auf. Die "Süddeutsche Zeitung" hatte gemeldet, Tellenbach werde ausscheiden und Hahn werde sich verstärkt um das in wirtschaftlichen Problemen steckende Pay-TV kümmern. Dies dementierte der Sprecher der Kirch-Pay-TV energisch. Die Gerüchte seien "Blödsinn", hieß es.



Hintergrund der Spekulationen ist die derzeit schleppende Entwicklung beim Pay-TV-Sender Premiere World. So wurde erst kürzlich das Ziel, bis Ende 2000 auf einen Kundenstamm von 2,9 Millionen zu kommen, offiziell aufgegeben. Derzeit stagniert die Zahl trotz eines verstärkten Fußball-Angebots bei etwa 2,2 Millionen. Zuletzt waren drei Investoren bei Kirch-Pay-TV eingestiegen und hatten zusammen knapp 1,2 Mrd. DM investiert. Zudem hatte Kirch-Pay-TV ein Aktienpaket an dem englischen Bezahl-Fernsehen BSkyB für knapp 1,9 Mrd. DM verkauft. Mit der Milliardenspritze soll das Pay-TV weiter voran gebracht werden und die Quersubventionierung der Kirch Media für das Bezahl-Fernsehen zurück gezahlt werden. Dies gilt auch als wichtige Voraussetzung für den geplanten Börsengang der Kirch Media.



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