Satellitenbetreiber wollen sich Marktanteile sichern
Harter Kampf um Asiens Datenhighway

Der Markt für Internet und Multimedia in Asien ist groß, die vorhandene Infrastruktur aber noch bescheiden. Abhilfe könnte die Datenübertragung über Satelliten schaffen. Gleich drei Anbieter wollen spezielle Breitband-Satelliten in den Orbit schicken. Analysten stehen der Technik kritisch gegenüber.

HONKGONG. Asien verlangt nach Information. Der Nachholbedarf an Internet- und Kommunikationsdienstleistungen ist in fast allen Staaten gewaltig. Der Bedarf an Hochgeschwindigkeits-Datenverbindungen auch. Wo schnelle Leitungen für das Internet fehlen, könnte die Übertragung via Satellit rasch Abhilfe schaffen. Gleich drei Anbieter bringen sich in Position und wollen spezielle Breitband-Satelliten in den Orbit schicken: Die thailändische Shin Satellite, der Intelsat-Spinoff New Sky Satellites und die Pacific Century Matrix Ltd (PCM), ein Joint-Venture des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS (30 %) mit dem Hongkonger Internet-Tycoon Richard Li (70 %). Alle drei Unternehmen wollen spätestens 2003 eigene Satelliten im All platzieren.

"Hier entsteht der größte Breitbandmarkt der Welt", ist Günter Kring, Chief Operating Officer (COO) der Pacific Century Matrix Ltd überzeugt. Die Übertragung über Satellit werde dabei ein wichtiges Segment des Marktes werden. Kring rechnet für die Satellitenbetreiber mit einem Marktanteil von 17 bis 18 %.

Der asiatische Markt ist für die Satellitenbetreiber interessant, weil er zum einen Milliarden an potenziellen Kunden bietet und zum anderen die Infrastruktur abseits der Ballungszentren rückständig ist. Experten nehmen daher an, dass sich gerade hier entscheidet, ob sich die Satelliten als Konkurrenz oder Ergänzung zum Internet etablieren können.

Eine direkte Konkurrenz zum Glasfasermarkt sieht PCM-Manager Kring aber nicht: Die Satellitentechnik könne vielmehr die Voraussetzung schaffen, dass sich Investitionen in Glasfasernetze erst lohnten. Satelliten böten eben die Möglichkeit, unterentwickelte Regionen rasch und unkompliziert an den weltweiten Informationshighway anzuschließen ohne über weite Strecken Kabelverbindungen zu legen. Asien weiträumig über Glasfaserkabel zu vernetzen, sei zu zeitaufwendig und zu teuer, argumentieren die Unternehmen.

2008 bereits 8 Millionen Kunden denkbar

Vor allem China und Indien gelten als Wachstumsmärkte. Marktforscher sehen für die Breitband-Satellitenbetreiber in Asien ein Potenzial von zwölf Millionen Kunden im Jahr 2008. Dabei soll das Umsatzvolumen der Anbieter von 1 Mrd. US-$ im Jahr 2003 auf rund 10 Mrd. US-$ im Jahr 2008 steigen.

Analysten stehen den Breitband-Projekten grundsätzlich offen gegenüber, doch es bleiben nicht nur technische Fragen. "Es gibt viele Unbekannte", sagt Eric Tomter, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in Hongkong. Natürlich seien die ländlichen Märkte wie in China riesig. Das echte Wachstum sehe man derzeit aber nur in den großen Städten und dort werde massiv in Kabelnetze investiert. Die Satellitenbetreiber müssten sich eben ihre speziellen Kunden in den Neuen Medien suchen. "Ich bin aber ziemlich optimistisch, dass dies Ihnen gelingt".

Michael Olausson von der Investmentbank Indosuez in Bangkok hat in einer Analyse das IPStar-Projekt von Shin Satellites untersucht. Sein Fazit fällt durchaus positiv aus: Mit den zu erwarteten Preisen und Kapazitäten

dürfte IPStar den Kabelanbietern Konkurrenz machen. Konsequenz: Eine Kaufempfehlung für die Shin-Satellite-Aktie.

Nach den Worten von Archie Hart, der bei der Deutschen Bank in Hongkong das New Media Team leitet, hängt viel davon ab, wie sich die Nachfrage nach Hochgeschwindigkeitsverbindungen im allgemeinen entwickelt. Noch fehlten die Inhalte, welche Breitbandzugänge für die Masse interessant machen könnten.



Noch verlassen sich die Anbieter auf Dritte

Die Satelliten-Anbieter könnten die Entwicklung aber vielleicht sogar beschleunigen, indem sie die Preise drückten. "Noch hat die Technik ihre Bewährungsprobe aber nicht bestanden", warnt Analyst Hart.

Bislang mieten die Unternehmen Kapazitäten auf herkömmlichen Rundfunk- und Telekommunikationssatelliten an. Pacific Century Matrix will im dritten Quartal 2003 den ersten eigenen Satellit ins All befördern, der Übertragungsgeschwindigkeiten von 17 Gigabit pro Sekunde ermöglichen soll. Ebenfalls für das Jahr 2003 peilt die thailändische Shin Star den Start ihres IPStar an. New Skies Satellites aus Rotterdam, eine Ausgliederung des internationalen Konsortiums Intelsat, will schon Ende 2002 beginnen.

Wollen die drei Newcomer im Breitbandbusiness am Himmel über Asien ihren Anteil an diesem Geschäft erhalten, so müssen sie sich sputen. Denn auch schon die beiden größten europäischen Satellitenunternehmen, die luxemburgische SES-Astra und die Pariser Eutelsat, sind in Asien aktiv. So deckt Eutelsat weite Teile des mittleren Ostens ab. Die SES ist sogar noch weiter. Die Luxemburger haben sich mit gut 34 Prozent am bedeutendsten asiatischen Betreiber, der chinesischen Asia-Sat beteiligt.

Nimmt der Markt die Breitband-Satellitentechnik an, können die Kapazitäten rasch aufgestockt werden. Pacific Century Matrix entwickelt einen zweiten Satelliten gleich mit. Das Unternehmen hat sich 20 Orbitpositionen reserviert - auch welche über Europa und Amerika. "Unser Fokus liegt zwar in Asien", sagt Kring, "die Tür für ein weltweites Engagement halten wir uns aber offen."

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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