Satzungsänderung empfohlen
DFB plant Doppelspitze bis zur WM 2006

Sieben Stunden brütete die Schlichtungskommission des deutschen Fußball-Bundes am Fritag in Frankfurt - und sie gebar einen Kompromiss, der alle Beteiligten zumindest das Gesicht wahren lässt: Gerhard Mayer-Vorfelder und Theo Zwanziger sollen den Deutschen Fußball-Bund (DFB) bis zur Weltmeisterschaft 2006 gemeinsam führen.

HB FRANKFURT/MAIN. Der in die Kritik geratene 71-Jährige DFB-Präsident hat damit die Palastrevolution im Keim erstickt und sich eine zweijährige Gnadenfrist erkämpft. Statt sein Amt zur Verfügung zu stellen, wird den größten Sportfachverband in einer Doppelspitze zunächst gemeinsam mit seinem Herausforderer weiter anführen. Mit dieser Kompromiss-Lösung ist eine drohende Schlammschlacht um die Macht zunächst verhindert worden. "Das ist die beste Lösung im Hinblick auf die Weltmeisterschaft 2006", sagte Liga-Präsident Werner Hackmann.

Mayer-Vorfelder soll künftig vorrangig die internationalen und repräsentativen Aufgaben für den DFB wahrnehmen und auch weiterhin den Vorsitz des Aufsichtsrates des WM-Organisationskomitees behalten. Zwanziger soll sich als Geschäftsführender Präsident um das Tagesgeschäft und vor allem die Verbindung zu den Mitgliedsverbänden kümmern. Diesen Vorschlag müssen die Delegierten des Bundestages am 22./23. Oktober in Osnabrück allerdings noch absegnen. Dafür ist eine Satzungsänderung notwendig. "Ich bin mit dieser Entscheidung sehr zufrieden, denn es ist eine menschlich anständige Lösung", sagte Zwanziger, der bei einer Kampfabstimmung über die Mehrheit der Stimmen verfügen würde.

Der Schatzmeister avanciert damit zwar zum neuen starken Mann, doch es bleibt ein fader Beigeschmack. "Ich fühle mich wohl bei der neuen Aufgabe, denn ich kann nun verändern. Sechs Mill. Mitglieder sind zu schade, als dass wir uns über Monate hinweg einen offenen Führungsstreit leisten können", begründete Zwanziger seine Zustimmung. Mayer-Vorfelder, der vor allem bei der Basis längst aufs Abstellgleis geraten ist, dürfte mit dem Kompromiss noch besser leben können. "Ich habe mich mit dieser Lösung einverstanden erklärt auch aus der Erkenntnis heraus, dass sie für beide akzeptabel ist und unsere Stärken im Interesse des Fußballs gebündelt werden", sagte der Schwabe, der sich mit allen verfügbaren Mitteln an seine Machtposition klammert.

Hinter verschlossenen Türen hatten die Vorsitzenden der fünf Regionalverbände, der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbandes Heinrich Schmidhuber, DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt, DFB - Vizepräsident Alfred Sengle sowie als Vertreter des Profibereichs Liga-Präsident Werner Hackmann, DFL-Geschäftsführer Wilfried Straub und Franz Böhmert ab 11.00 Uhr über einen Konsens debattiert. "Es war eine der schwierigsten Sitzungen, die ich je beim DFB erlebt habe", sagte Werder Bremens Aufsichtsratsvorsitzender Böhmert.

Keine neuen Erkenntnisse gab es am Freitag bei der Suche nach einem neuen Bundestrainer. Otto Rehhagel ist weiter die Nummer 1 auf der Kandidatenliste der Trainerfindungskommission (TFK), deren Chef Franz Beckenbauer bereits ein erstes telefonisches Gespräch mit dem 65-jährigen Coach geführt hat. Konkrete Verhandlungen sollen allerdings erst zu einem späteren Zeitpunkt geführt werden. "Die Chance, einen Trainer zu finden, ist umso größer, je weniger sein Name in der Öffentlichkeit diskutiert wurde", sagte Mayer-Vorfelder.

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