Saubere Pillen
Mit Pharmaaktien gutes Geld verdienen

Pharmariesen sind nicht automatisch Umweltsünder, zeigen Ratings. Aber nicht alle ökologisch sauberen Titel sind ökonomisch attraktiv - und umgekehrt.

Mit Pharmaaktien ist gutes Geld zu verdienen. Besonders in den letzten Monaten: Der MSCI-Pharma-Index hat sich seit Beginn 2001 deutlich besser entwickelt als der MSCI-World. Dagegen schneidet der Dow Jones Sustainability Group Index mit seinen sozial- und umweltverantwortlichen Unternehmen schlecht ab. Doch Pharma und Öko müssen kein Gegensatz sein: Einige Unternehmen wirtschaften nachhaltig - und mit ihnen kann man sogar gut verdienen.

Hilfestellung, um diese Firmen herauszufiltern, bietet die Münchener Ratingagentur Oekom: Sie hat jüngst Pharmafirmen weltweit unter Umwelt- und Sozialaspekten - also Nachhaltigkeit - benotet. Hauptunterschied der Top 5 zu den Last 3: Die besten Firmen steigern die Effizienz der eingesetzten Ressourcen, und sie veröffentlichen Berichte zu sozialen Fragen. Dagegen haben die Unternehmen auf den letzten Plätzen oft nur Umwelt- und keine Sozialdaten zu bieten - und die oft noch mangelhaft, wie Andreas Stefferl von der Oekom Research AG erklärt. Zum Beispiel gebe Abbott nur Daten zum Energieverbrauch an, keine über Wasser- oder Abfallmengen, und Pharmacie habe sich nicht einmal auf Sozialpolitik festgelegt, geschweige denn Berichte darüber.

Die Münchener untersuchen insbesondere, zu welchem Bereich welche Daten vorhanden sind. Dabei ist der Knackpunkt die Umsetzung der guten Vorsätze - was Oekom ebenfalls prüft, auch wenn das nicht immer leicht fällt, wie Stefferl einräumt. Zu diesem Zweck ziehe man auch externe Informationsquellen wie Greenpeace zu Rate.

Ranglistenführer ist die dänische Novo Group, eine Holding, die am börsennotierten Pharmaunternehmen Novo Nordisk beteiligt ist. Novo setze das Konzept des nachhaltigen Wirtschaftens konkret um, lobt Stefferl. Es gebe klare Managementverantwortlichkeiten für diese Bereiche, auch für Menschenrechte. Novo habe eine gruppenweite Untersuchung zur Menschenrechtssituation durchgeführt - im Hinblick auf Produktion in China interessant; Ergebnis war übrigens, dass keine "schwerwiegenden" Rechtsverstöße stattfinden. Positiv sei zudem, dass umweltschonende Produktionsprozesse eingesetzt würden. So stelle Novo Insulin für Diabetiker mit Hilfe von Mikroorganismen her; diese Organismen könnten als Dünger wieder in der Landwirtschaft verwertet werden, was bei chemischen Herstellungsprozessen nicht gelinge.

Auch das US-Unternehmen Bristol Myers Squibb liegt weit vorn, besitzt es doch - so Stefferl - ein gutes Managementsystem, wenn auch die Zuständigkeiten nicht so klar wie bei Novo verteilt seien. Positiv hebt er die gruppenweiten Grundsätze zur "Gewerkschaftsfreiheit" hervor. Außerdem versuche die Gesellschaft, Diskriminierung den Riegel vorzuschieben. Und es gebe gute Managementstandards für die Zulieferbetriebe. Außerdem habe sich die Firma quantitative Ziele gesetzt, wie Verpackungen reduziert werden sollen. Umweltbewusstsein zeige sich auch in den Produktionsprozessen: Das Medikament Taxol, früher aus Eibenrinde erstellt, werde mit Hilfe von Mikroorganismen produziert, so dass keine Bäume abgeholzt werden müssten.

Ökologie ist nicht alles

Doch Ökologie ist nicht alles, ökonomisch gesehen müssen Aktien ebenfalls überzeugen, findet Erich Hein, Fondsmanager des Ökolux bei SEB Invest in Luxemburg - auch wenn er bei seiner Aktienauswahl das Oekom-Rating nutzt. Im Pharmasektor - "ein solides Investment" - sei der Bereich Gesundheitswesen besonders attraktiv, da es ja immer mehr ältere Menschen gebe. Daher sind in seinem Fonds Novo und Bristol zu finden. Novo traut er für das nächste Jahr ein Ertragswachstum von 11,5 Prozent zu, Bristol sogar 27,4 Prozent (Einjahreskursziel: 40 Dollar).

Währenddessen erwartet Hein von Bayer eine verhaltene Kursentwicklung. Der große Chemie-Pharmakonzern sei "verwässert". Christian Wenk von der Ratingagentur Standard & Poor?s stimmt zu: Bayer sei ein "relativ unhandliches Konglomerat", wichtige Strategiefragen seien noch offen. So erwarten denn Merck Finck und die WestLB Panmure nur eine Performance unter dem Marktdurchschnitt.

Allerdings hat Bayer beim Oekom-Rating gut abgeschnitten, auch wenn im Nachhaltigkeitsreport noch viele Indikatoren nicht quantitativ erfasst, sondern nur beispielhaft dargestellt werden, wie Stefferl erklärt. Über hohe Sozialleistungen für einen bestimmten Mitarbeiter in Leverkusen werde etwa berichtet, aber es gebe keinen systematischen Überblick. Bayer habe jedoch ein gutes Umweltmanagementsystem vorzuweisen. Außerdem sei das Unternehmen ein Top-Kandidat im Hinblick Ressourceneffizienz. Der Lipobay-Skandal, bei dem Bayer 2001 sein cholesterinsenkendes Mittel vom Markt nehmen musste, sei eher ein branchen- und kein unternehmensspezifisches Problem; alle großen Pharmaunternehmen hätten bisweilen Schwierigkeiten mit schweren Nebenwirkungen ihrer Produkte, sagt Stefferl. Allerdings sei Bayer auch schon für unfaire Geschäftspraktiken angeklagt gewesen, der Konzern habe in den USA dem Gesundheitswesen zu hohe Preise verrechnet.

Ärger hatte im Frühjahr auch Glaxo Smith Kline: Die Briten sind bei Oekom wegen eines Ärztebestechungsskandals von Platz drei auf vier gerutscht. Positiv sieht Stefferl aber, dass die Gesellschaft eine ausführlich festgelegte Politik zu ethischen Fragen hat - auch wenn es mit der Umsetzung bisweilen hapere. Positiv aus sozialer Sicht sei aber, dass Glaxo Entwicklungsländern Zugang zu Medikamenten ermögliche. Zum Beispiel verschenkt die Gesellschaft das Malariamittel Malarone an Menschen in Kenia und Uganda. Gut gefallen hat Stefferl auch, dass sich Glaxo verpflichtet hat, nicht an embryonalen Stammzellen zu forschen.

Und die wirtschaftlichen Perspektiven sind gut: S&P etwa lobt, das Unternehmen habe "eines der am besten diversifizierten Medikamentenportfolios in der Branche". Pictet ist der Ansicht, der Konzern könne die Gewinnspanne ausweiten, ABN Amro und UBS Warburg raten zum Kauf. Außerdem sind die Briten niedrig bewertet - ebenso wie die deutsche Merck, die jedoch bei den Analysten eher im Mittelfeld liegt. So erwarten Banc of America und Deutsche Bank nur eine Marktperformance. Doch Oekom lobt das Umweltbewusstsein: Merck nehme teilweise verbrauchte oder alte Chemikalien vom Endverbraucher zurück. Gut seien auch die Mindeststandards für Arbeitszeiten und Bezahlung. Doch das Unternehmen stehe nur auf Rang fünf, weil die Beziehungen zu den Zulieferern "gar nicht gemanagt werden", so Stefferl. Zudem könne die Gesellschaft nichts zu Aktivitäten in Ländern wie Pakistan, Indonesien und China berichten.

Fazit: Einige Pharmawerte - wie Bristol - sind für Anleger auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten interessant. Doch bei anderen müssen sich Investoren entscheiden, was für sie wichtiger ist: Ökologie oder Ökonomie.

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