Saudi-Arabien dämpft Ängste vor Öl-Engpässen
Keine Änderung der Öl-Förderquoten in Sicht

Ungeachtet des internen Streits über die Haltung im Irak-Konflikt will die Opec im Kriegsfall drohende Engpässe bei der Ölversorgung ausgleichen. Die Ölminister beschlossen, die Fördermengen vorerst beizubehalten.

rtr/dpa WIEN. Zugleich sagte Saudi-Arabien als größtes Opec-Mitglied aber zu, bei Bedarf auf überschüssige Förderkapazitäten zurückzugreifen und damit die Versorgung sicher zu stellen.

Ursprünglich war spekuliert worden, die Opec könnte ihr Quotensystem bei Kriegsausbruch völlig aufgeben. Später hatte es geheißen, in Wien könnte eine Ausweitung der Fördermenge von derzeit offiziell 24,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) täglich um zehn bis 20 Prozent beschlossen werden. Iran und andere Opec-Mitglieder hatten eine vorübergehende Aussetzung der offiziellen Förderquoten abgelehnt, weil ein solcher Schritt ihrer Ansicht nach nahe legen würde, die Opec unterstütze einen Angriff der USA auf ein Mitgliedsland. Bei einem Treffen in Wien entschieden die Ölminister daher, die offiziellen Fördermengen weiterhin bei 24,5 Millionen Barrel (1 Barrel = rund 159 Liter) pro Tag (bpd) zu lassen, wie Algeriens Ölminister Chakib Khelil mitteilte. Nach seinen Worten ist daher vorerst weder mit einem konkreten Krisenplan noch mit Änderungen der geltenden Förderquoten zu rechnen. Zudem wurden von den Ministern eindeutige Signale erwartet, die weltweite Erdölnachfrage auch bei Lieferunterbrechungen zu befriedigen.

Vor allem die Kritiker eines US-Angriffes wie Iran hatten sich zuletzt aber vehement gegen jede Erhöhung der Produktion ausgesprochen, um damit den Eindruck zu vermeiden, die Opec unterstütze die USA.

Experten: Zusage Saudi-Arabiens wichtiger als Opec-Beschluss

Analysten maßen der Übereinkunft wenig Bedeutung bei. Wichtig sei vielmehr, dass Saudi-Arabien seine Politik deutlich gemacht habe, sagte Gary Ross von der New Yorker Beratungsfirma PIRA Energy. "Sie haben den Kunden gesagt, dass sie keinen Engpass zulassen." Der saudi-arabische Ölminister Ali El Naimi hatte zuvor betont, sein Land werde sicherstellen, dass genug Öl auf dem Markt sein werde. Saudi-Arabien hat seine Förderung bereits auf mehr als neun Millionen bpd angehoben bei einer Kapazität von 10,5 Millionen bpd. Das weltweit größte Ölförderland will die USA davon überzeugen, dass kein Bedarf besteht, auf die eigenen Öl-Notreserven zurückzugreifen.

Die Opec kontrolliert 60 Prozent der weltweiten Erdölexporte. Bei einem Krieg steht das Kartell vor der Aufgabe, irakische Lieferausfälle von 1,7 Millionen bpd auszugleichen. Im Nachbarland Kuwait, wo sich US-Truppen für einen Krieg bereit halten, droht ein vorübergehender Ausfall von 0,7 Millionen bpd. Der Weltmarkt umfasst 77 Millionen bpd.

Ölpreis fällt

An den internationalen Energiemärkten hatte die Furcht vor Lieferengpässen durch den drohenden Irak-Krieg die Ölpreise nahe an die 1990 und 1991 markierten Höchststände vor dem letzten Golfkrieg getrieben. Am Dienstag indes kostete ein Barrel der marktführenden Nordsee-Ölsorte Brent zur Lieferung im April 33,40 Dollar und damit 29 Cent weniger als zum Handelsschluss am Vortag.

Die Opec hat selbst ein Interesse daran, dass die Preise nicht weiter steigen. Andernfalls würde die weltweite Konjunkturentwicklung weiter belastet, was sich wiederum negativ auf die Ölnachfrage auswirken würde. Naimi sagte am Dienstag: "Auch ich bin der Meinung, dass die Preise niedriger sein sollten." Erklärtes Ziel der Opec ist es, die Preise in einer Spanne von 22 bis 28 Dollar je Barrel zu halten.

Viele Analysten gehen davon aus, dass das Kartell die Preise auch im Falle eines Irak-Krieges kontrollieren kann, vorausgesetzt der Konflikt dauert nicht zu lange und die Ölindustrie Iraks bleibt von schweren Schäden verschont. Dann könnte der Ölpreis nach Expertenschätzung schrittweise wieder auf 28 Dollar je Barrel zurückgehen.

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