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Saudi-Arabien wartet noch mit Hilfe

Die Beziehungen Saudi-Arabiens zu den USA stehen vor einer der schwierigsten Herausforderungen.

hn TEL AVIV. Das Königshaus kann sich entweder der Anti-Terror-Koalition, die unter der Führung von US-Präsident George W. Bush steht, anschließen und sich dem Vorwurf aussetzen, Lakai der USA zu sein, oder aber die Islamisten zufrieden stellen und Bush die Hilfe verweigern, wenn er gegen die Verantwortlichen der Terrorattacken in New York und in Washington militärisch vorgehen wird.

Vorläufig beschränkt sich Saudi-Arabien darauf, Informationen über mutmaßliche Terroristen auszutauschen. Weil der Hauptverdächtige der Terrorakte, Osama bin Laden, ein ehemaliger Bürger Saudi-Arabiens ist, verspricht sich Washington von einer Kooperation der saudi-arabischen Behörden allerhand. Übers Wochenende sind in Mekka bereits mindestens zwei Gefolgsleute festgenommen worden, heißt es in Kreisen, die der saudi-arabischen Opposition nahe stehen.

Dabei soll es sich nicht um Bürger Saudi-Arabiens handeln, berichtet die Nachrichtenagentur "Middle East Newsline". Einer der Verdächtigen stamme aus Pakistan und heiße Schkeel Choudary, der andere sei ein Inder namens Tufail Nizam Eddin. Beiden wird Mitgliedschaft in der Muhajiroun-Gruppe nachgesagt, welche die Interessen Bin Ladens im Ausland vertritt. Die beiden Verhafteten sollen seit 1996 in Saudi-Arabien wohnen. Oppositionskreise rechnen mit weiteren Verhaftungen.

Noch ist zwar offen, welche Leistungen die USA von Saudi-Arabien im Kampf gegen den Terror fordern wird. Die Saudis könnten zum Beispiel angehalten werden, ihre Luftwaffenstützpunkte für Angriffe gegen den Irak und möglicherweise auch gegen Iran zur Verfügung zu stellen. Um die Erdölmärkte zu beruhigen, könnte Washington allenfalls auch eine Erhöhung der Fördermenge Saudi-Arabiens erwarten. Um dieser Forderung nachzukommen, müsste sich das Königreich über frühere Opec-Beschlüsse hinwegsetzen. Der saudi-arabische Ölminister Ali Al Nuaimi hat bereits zugesichert, jeden Fehlbetrag auf der Erdölmärkten durch eine höhere Förderung auszugleichen.

Eine vorbehaltlose Unterstützung amerikanischer Forderungen ist für Riad aus mehreren Gründen schwierig. Saudi-Arabien und die USA sind zwar durch eine Vielfalt ökonomischer und politischer Interessen miteinander verbunden. Aber seit einigen Monaten haben sich die bilateralen Beziehungen abgekühlt. Erst Anfang September wurde Geheimdienstchef Prinz Turki Al Faisal entlassen, dem enge Beziehungen zu Taliban-Milizen in Afghanistan vorgeworfen wurden. Im Sommer hat der saudi-arabische Verteidigungsminister das jährliche Gespräch mit den USA über die Kooperation im Militärbereich verweigert.

Als Grund für die Spannungen nennen Kenner Saudi-Arabiens die Kritik an der als einseitig pro-israelisch empfundenen Politik der USA im Nahost-Konflikt. US-Präsident George W. Bush unternehme zu wenig, um Israels Premier Ariel Scharon zur Mäßigung gegenüber den Palästinensern anzuhalten.

Die von den USA geforderte Unterstützung der Anti-Terror-Koalition stellt die Herrscher Saudi-Arabien vor schwierige Entscheidungen. Wie bereits vor zehn Jahren, als sie sich während des Golfkriegs der Koalition gegen den Irak angeschlossen hatten, um Saddam Hussein aus Kuwait zu vertreiben, müssen sie mit Kritik islamischer Fundamentalisten rechnen, die ein Zusammengehen mit Washington ablehnen.

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