Saudi-Arabien will Produktion nicht begrenzen
Bei der Opec schrillen die Alarmglocken

Die Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) plant für den 24. April in Wien ein Krisentreffen. Dabei wird es nicht nur um die üblichen Routinefragen wie die Höhe der Förderung und das angestrebte Preisniveau gehen.

HB/dpa WIEN. Vielmehr schrillen wegen des absehbaren Endes des Irakkrieges die Alarmglocken. Denn wenn der Irak nach 13 Jahren wieder ins offizielle Quotensystem dieses Kartells mit einer erhöhten Produktion zurückkehrt, dürfte es unter den dann elf Mitgliedern einen tiefen Streit um die jeweiligen Anteile an der Gesamtförderung geben, sind sich alle Experten einig.

Vor allem Saudi Arabien, das mit einer offiziellen Förderquote von acht Millionen Barrel am Tag mit Abstand wichtigste Opec-Mitglied ist, dürfte sich weigern, die eigenen Ölhähne wieder weiter zuzudrehen. In den letzten Jahren hatte das Königreich nicht nur die durch Krieg und Sanktionen ausgefallenen Ölmengen des Iraks übernommen, sondern war auch immer dann zur Stelle, wenn andere Opec - Staaten wie Venezuela oder Nigeria durch innere Unruhen weniger Öl exportieren konnten.

Saudi Arabien zeigt aber keine Anzeichen, zu Gunsten des Iraks seine Produktion wieder auf rund sechs Millionen Barrel am Tag zu begrenzen. Das entspräche der Menge vor dem Austritt des Iraks aus dem Opec-Quotensystem. Zuletzt hatte Bagdad rund zwei Millionen Barrel gefördert, dürfte aber mittelfristig wie das Nachbarland Iran mit rund 3,5 Millionen Barrel wieder in der Opec-Quote vertreten sein, lauten die Branchenschätzungen. Daneben wollen die Opec-Länder Algerien und Nigeria ihren Quotenanteil ausweiten. "Da zeichnet sich heftiger Streit ab", prognostiziert Klaus Matthies vom Hamburger Welt-Wirtschafts-Archiv (HWWA).

"Ich sehe nicht unbedingt ein Auseinanderbrechen der Opec", widerspricht Matthies Voraussagen von Ölexperten, der Irak werde das Kartell verlassen und ihm damit den Todesstoß versetzen. Denn auch dieses Land habe Interesse an einem hohen Ölpreis, da nur mit Hilfe der Exporterlöse das Land wieder aufgebaut werden könne. Und dass die USA als Ziel anstrebten, Öl zum Billigpreis bereit zu stellen, glaube er nicht. Denn die USA sind selbst der weltweit drittgrößte Erdölproduzent und daher nicht an Niedrigstpreisen interessiert. Mit 25 Dollar je Barrel könnten die Industrieländer leben, meint der Experte. Opec-Öl hatte zuletzt am Montag 24,91 Dollar gekostet.

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