Saudi-arabischer Ölminister al-Naimi verspricht Stabilität auf dem Ölmarkt
Opec-Spitze übt Preisdisziplin

Am Donnerstag wollen die Ölminister der Opec über Ölpreis und Ölförderquoten beraten. Eine offiziell höhere Förderung ist nicht in Sicht, doch soll der Ölpreis stabilisiert werden.

ay/bce DÜSSELDORF/NICOSIA. Öl ist in der vergangenen Woche trotz der Kriegsgefahr in Folge der Terroranschläge in New York und Washington entgegen den Erwartungen nicht teurer, sondern sogar billiger geworden. Die Appelle beispielsweise des EU-Gipfels wie auch der US-Regierung an die Ölförder- und Ölexportstaaten, durch Mehrproduktion den Ölpreis zu stabilisieren oder zu senken, trifft auf ein entsprechend positives Umfeld.

Zudem dämpfte zumindest der größte Opec-Ölexporteur, nämlich Saudi-Arabien, die Angst, die Ölstaaten würden nunmehr die Preise explodieren lassen. Riads Ölminister Ali al-Naimi hat nach Angaben des koreanischen Handelsministeriums erneut Befürchtungen über einen Anstieg der Ölpreise wegen der Flugzeugattentate in den USA zurückgewiesen. Er erwarte trotz der Anschläge keine drastischen Ölpreisänderungen, sagte Naimi dem Ministerium zufolge in Seoul. Sein Land und die Opec würden alle Lieferengpässe ausgleichen. "Ich kann ihnen versichern, es wird keine Angebotsengpässe geben", sagte er und fügte hinzu: "Wir in Saudi-Arabien, in Zusammenarbeit mit den anderen Opec-Förderländern, fühlen uns dem Ziel eines stabilen Ölmarktes verpflichtet." Al-Naimi nannte den Ölpreis-Anstieg nach den Anschlägen eine "verachtenswerte Prämie auf die Anschläge" und bezeichnete ihn als "einen regelrechten Terror-Zuschlag". Die arabischen Staaten unterstützten den Kampf gegen den weltweiten Terrorismus.

In der Organisation der Erdöl exportierenden Länder (Opec) gebe es Übereinstimmung darüber, den Weltölmarkt zu stabilisieren. Die Anschläge beeinflussten die Ölexporte nicht und die Opec werde Öl nicht als "Waffe" benutzen, verlautete aus Opec-Kreisen. Nach den Terroranschlägen war eine drastische Ölverteuerung befürchtet worden.

Während ein Barrel (159 Liter) Opec-Öl vor einer Woche noch 27,36 Dollar gekostet habe, sei diese Menge am Donnerstag für 24,29 Dollar zu haben gewesen, berichtet das Opec-Sekretariat in Wien. Das Kartell strebt einen Richtpreis zwischen 22 und 28 Dollar an. Die Opec-Erdölminister treffen sich am 26. September in Wien, um über Preise und Förderquoten zu beraten. Opec-Präsident Chakib Khelil erwartet allerdings keinen Beschluss über eine Erhöhung der Ölfördermengen der Kartellmitgliedsländer. "Ich glaube nicht, dass es eine Entscheidung in diesem Sinne beim nächsten Treffen geben wird", sagte Khelil, der auch Algeriens Ölminister ist, in einem Interview mit dem Fernsehsender "Abu Dhabi TV". Auch Opec-Generalsekretär Ali Rodriguez hatte im Vorfeld der Ministertagung angekündigt, die aktuelle Förderung von 23,5 Millionen Barrel pro Tag werde beibehalten.

Kräftige Preiserhöhung nicht im Interesse der Ölstaaten am Golf

Auch andere Ölstaaten am Golf wie Kuwait und Oman lassen erkennen, dass eine kräftige Preiserhöhung nicht in ihrem Interesse liegt. Vorerst, so heißt es bei Ölmarktbeobachtern, "gibt es mehr als genug Öl auf den Märkten". Die Kartellstaaten hatten im August ihre Förderquoten um insgesamt 670 000 Barrel überschritten, Hauptsünder war Saudi-Arabien, das sein Limit von 7,5 Mill. Barrel um 225 000 überzog, während der Irak 2,09 Mill. Barrel produzierte, um 700 000 mehr als im Monat davor. Selbst die radikaleren Opec-Staaten, wie insbesondere Iran, hegen kein Interesse, durch hohe Preise den Markt aus dem Gleichgewicht zu bringen, da sie durch Ölkrisen der Vergangenheit längerfristig selbst Schaden erlitten.

Würden die Amerikaner ihren Rachefeldzug auf Afghanistan beschränken, wäre - so meinen Experten - die Ölpreisstabilität nicht unmittelbar gefährdet, da Afghanistan weder Öl produziert noch ein wichtiger Exportweg ist. Eine Bombardierung des Iraks hingegen würde die Preise sofort in die Höhe treiben. Hier verspricht Saudi-Arabien einzuspringen. Das Königreich kontrolliert derzeit 40 % der Ölproduktion der Region und weltweit 70 % der überschüssigen Produktionskapazitäten, nach Schätzungen zwei bis 2,5 Mill. Barrel. Hinzu kommt etwa 1 Mill. Barrel, die die anderen arabischen Golfstaaten noch zusätzlich fördern könnten.

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