Saudische Anleger fürchten ein Einfrieren ihrer Konten in den USA
Angst vor Dollarabflüssen wächst

Die Spannungen zwischen Saudi-Arabien und den USA nehmen zu. Die Schadensersatzklage von 600 Angehörigen der Terroropfer vom 11. September hat an den Finanzmärkten Gerüchte ausgelöst, dass saudische Anleger Gelder aus den USA abziehen. Bislang gibt es dafür allerdings noch keine klaren Anzeichen.

DÜSSELDORF. An den internationalen Devisenmärkten steigt die Unsicherheit. Familienangehörige von Opfern des 11. Septembers haben Banken und andere islamische Einrichtungen wegen angeblicher Unterstützung von Terroristen auf rund 100 Bill. $ Schadenersatz verklagt. An den Märkten wird nun befürchtet, dass islamische Anleger sich von ihren Dollaranlagen verabschieden und damit den US-Dollar unter Druck bringen könnten. Denn angesichts der Klage wächst bei den arabischen Investoren die Sorge, dass die Gelder eingefroren werden könnten. Diese Sorge wird genährt durch die sich verschlechternde Stimmung zwischen Saudi-Arabien und den USA.

Nach Angaben der Saudi American Bank haben Anleger aus den Ölstaaten am Persischen Golf ca. 1,2 Bill. $ im Ausland investiert. Pressemeldungen zufolge sollen saudische Anleger bereits 100 bis 200 Mrd. $ Anlagegelder aus den USA abgezogen haben.

Insgesamt waren ausländische Investments in den USA in den ersten fünf Monaten 2002 nach Zahlen der US-Treasury um rund ein Fünftel auf 185 Mrd $ gefallen.

Sollte es tatsächlich zu einem massiven Abfluss kommen, würde dies den Dollar schwächen, heißt es in London. Es wird allerdings darauf hingewiesen, dass ein Abzug von Geldern aus den USA nicht mit einer Flucht aus dem Dollar gleichzusetzen sei. Denn es sei nicht klar, dass die Investoren tatsächlich die US-Währung verkaufen würden, sagt Michael Klawitter von der WestLB. Möglich sei auch, dass sie nur die Konten ins Ausland verlegen: "Wer in Dollar investiert, hat sich ja dabei etwas gedacht. Ich sehe keinen Grund dafür, dass jetzt auf einmal eine Währungs-Aversion auftritt."

Die Kunden könnten auch in Deutschland oder anderen Staaten Konten in Dollar führen, sagte auch der Währungsexperte einer US-Großbank, der namentlich nicht genannt werden möchte. Er räumt aber ein: "Die Spannung zwischen den USA und Saudi-Arabien hat seit dem 11. September zugenommen." Und die Klagen aus der vergangenen Woche könnten für einen ausländischen Investor schon bedrohlich wirken. "Warum sollten sie also nicht ihre Gelder auf eine Schweizer oder Euro-Land-Bank transferieren?"

Finanzkreise in Saudi-Arabien winken indes ab. Sie sehen bisher keine Anzeichen für größere Kapitalbewegungen. Konkrete Fälle, dass Investoren begonnen hätten, Gelder aus den USA abzuziehen, seien ebenfalls nicht bekannt. Doch auch Analysten in der Region beobachten Gefühle der Unsicherheit und des Unbehagens über die zunehmenden Spannungen mit dem strategischen Verbündeten. "Man beginnt, den Verhältnissen in den USA nicht mehr zu trauen", sagt ein Banker.

Die Klage in den USA, wodurch das Königreich direkt für die Attentate mit verantwortlich gemacht wird, hat vor allem jene Kreise in Saudi-Arabien schockiert, die seit langem enge persönliche und finanzielle Beziehungen zur Supermacht unterhalten. "Was, wenn die USA plötzlich saudische Bankkonten einfrieren?", meint ein Analyst. "Diese Möglichkeit schließen so manche saudische Finanziers heute nicht mehr aus. Ein erneuter großer Terrorakt der Al Kaida oder bin Ladens könnte die Unsicherheit saudischer Kapitalanlagen in den USA drastisch steigern.

Ein inoffizieller Boykott amerikanischer Produkte in Saudi-Arabien greift bereits immer stärker um sich und verschärft so zusätzlich die Spannungen. Vor diesem Hintergrund dürften Finanzkreisen zufolge "so manche der traditionell ängstlichen Saudis zweifellos einen Abzug ihrer Gelder aus den USA erwägen". Während man zuletzt vermehrt in den kleineren Golfstaaten, im Libanon oder auch in Ägypten investiert hat, bleibt der Rest der arabischen Welt für das große Kapital aber unattraktiv. "Europa, insbesondere Großbritannien bietet sich hier als beste Alternative an, der man zunehmend Augenmerk schenken wird", heißt es.

Für das US-Bankensystem erwartet WestLB-Experte Klawitter keine dramatischen Umwälzungen. Zwar sei die gerüchteweise verbreitete Summe von 200 Mrd. $ viel, doch "schmeißt es die Banken dort nicht um". Skeptischer ist Neill MacKinnon vom Währungsspezialisten ECU Group. "Der Markt ist alarmiert", offensichtlich könne man sich sehr wohl vorstellen, dass Investoren sich aus dem Dollarraum zurückziehen, um Amerika zu schaden.

Britische Banken machen keine Aussagen über ungewöhnliche Geldzuflüsse. Konkrete Angaben zu den Kapitalflüssen der Kundengelder wollen auch die Schweizer Banken UBS und Credit Suisse nicht machen. "Wir brechen die Flüsse von Kundengeldern nicht herunter", sagt ein UBS-Sprecher. Doch der Blick auf die Daten des 2. Quartals bei UBS lässt keine anormalen Kapitalzuflüsse erkennen. In dem Quartalsbericht wird ein Zufluss an netto neu investiertem Geld (ohne Zinsen oder Dividenden) von 0,900 Mrd. sfr ausgewiesen. UBS als einer der größten Vermögensverwalter der Welt verwaltet nun Gelder von knapp 2 200 Mrd. sfr.

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