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Saurierfriedhof im Sauerland aus urzeitlicher Tränke entstandenDPA-Datum: 2004-07-07 09:56:51

Hagen (dpa) - Ein erst vor kurzer Zeit im Sauerland entdeckter großer Saurierfriedhof ist wahrscheinlich aus einer urzeitlichen Tränke entstanden. «Dieser mindestens fünf Meter tiefe Teich muss in der damals küstennahen Seenlandschaft eine natürliche Falle für die Tiere gewesen sein», sagte der Chef-Paläontologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Klaus-Peter Lanser in Hagen. Die Knochenfragmente und Zähne von Dinosauriern sind rund 130 Millionen Jahre alt. Lanser nannte den Fund einen «großen Glücksfall».

Hagen (dpa) - Ein erst vor kurzer Zeit im Sauerland entdeckter großer Saurierfriedhof ist wahrscheinlich aus einer urzeitlichen Tränke entstanden. «Dieser mindestens fünf Meter tiefe Teich muss in der damals küstennahen Seenlandschaft eine natürliche Falle für die Tiere gewesen sein», sagte der Chef-Paläontologe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Klaus-Peter Lanser in Hagen. Die Knochenfragmente und Zähne von Dinosauriern sind rund 130 Millionen Jahre alt. Lanser nannte den Fund einen «großen Glücksfall».

«Wir gehen von mindestens acht verschiedenen Arten aus», sagte Lanser. Darunter seien vermutlich auch noch unbekannte Arten. Gefunden wurden die Überreste von Pflanzen fressenden Sauriern (Iguanodonten), Raubsauriern (Raptoren), Krokodilen, Flugsauriern und Landschildkröten. Die größten gefundenen Tiere seien die Pflanzenfresser gewesen, die eine Höhe von rund drei Metern und eine Länge von bis zu zwölf Metern erreicht hätten.

Im Sauerland habe damals subtropisches Klima vorgeherrscht. In höheren Lagen wuchsen Nadelhölzer, in niedrigeren Regionen Sumpfzypressen und Baumpalmfarne. «Laubbäume wie Eiche oder Buche gab es noch nicht», erklärt Lanser. Das heutige Europa habe damals aus einem Insel-Archipel mit vielen großen und kleinen Inseln bestanden und habe außerdem viel weiter südlich gelegen. «Die Saurier haben dabei vielleicht so etwas wie Insel-Hüpfen gemacht.»

Durch einen Kieferknochen sei erstmals in Deutschland auch ein hasenähnliches Säugetier der Unterkreidezeit nachgewiesen worden, so Lanser weiter. Welchen genauen Zeitraum die Knochenfunde abdeckten, sei jedoch unklar.

Der besondere Fund blieb lange geheim. Bereits im November 2000 hatte der private Mineraliensammler Lanser mehrere überraschend gut erhaltene Knochenfunde gezeigt. «Ich dachte erst, das seien Fragmente eiszeitlicher Tiere aus der Zeit von vor 11 500 Jahren.» Doch dann sah der Fachmann zwei Zähne eines Pflanzen fressenden Dinosauriers. Im Mai 2002 begannen dann die Grabungen. «Mit dem ersten Spatenstich stießen wir bereits auf Zahnfragmente eines Raubsauriers. Damit war die Sache klar: weitermachen.» Die Grabung in einem derzeit ruhenden Kalksteinbruch soll nun noch mindestens fünf Jahre andauern. Lanser vermutet, dass es im Sauerland noch weitere, bislang unbekannte Lagerstätten von Saurierknochen gibt.

Der Forscher gräbt mit bis zu drei Mitarbeitern auf einer Fläche mit einem Durchmesser von rund 35 Metern. «Hier deutet sich die Nahrungskette an: die Raptoren und Krokodile fraßen die Iguanodonten und Landschildkröten.» Bislang seien rund 500 Fragmente bis zur Größe einer Faust gefunden worden. In den tiefer liegenden Schichten vermutet Lanser auch noch größere Knochen. «Das Ganze steckt noch voller Geheimnisse.» Nach der Aufbereitung und wissenschaftlichen Untersuchung der Funde soll eine Auswahl zunächst im Westfälischen Museum für Naturkunde in Münster zu sehen sein.

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