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Schaden begrenzt

Erinnern Sie sich noch an die Euphorie nach der ersten unerwarteten Zinssenkung Anfang des Jahres. Die Zeiten scheinen vorbei zu sein. Zwar senkt die US-Notenbank weiterhin die Leitzinsen - in der vergangenen Woche reduzierte Notenbankhäuptling Alan Greenspan die Zinsen zum insgesamt siebten Mal in diesem Jahr. Der Satz liegt nun bei 3,5 Prozent, dem niedrigsten Stand seit sieben Jahren. Doch beruhigt hat der Zinsschritt die Anleger nicht. Ehemals gültige Börsengesetze wie "Zinssenkungen beflügeln die Börsen" - gelten nicht, wenn der Offenmarktausschuss zwischen den Zeilen Besorgnis über die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft äußert. Zwar habe die Nachfrage der US-Haushalte die Wirtschaft stützen können, doch belasteten niedrige Unternehmensgewinne, weiterhin rückläufige Investitionen und das geringe Wachstum auf den ausländischen Märkten die US-Konjunktur, erklärte Alan Greenspan. Mit dieser Äußerung sorgte der Notenbankchef am Dienstagnachmittag an New Yorks Aktienmärkten für Ausverkaufsstimmung.

Die Mehrheit der Anleger und Experten hielt die Hysterie für übertrieben und machte sich am Mittwoch auf die Jagd nach Schnäppchen. Die Stimmung hielt, bis die Auszüge aus dem Protokoll der Juni-Sitzung der US-Notenbank darauf deuteten, dass eine baldige Erholung der US-Wirtschaft noch auf sich warten lasse. Die Investitionsausgaben seien in den kommenden Monaten voraussichtlich niedriger als bisher erwartet, so die Notenbank. Verständlicherweise groß war die Freude der Anleger, als unter anderem Cisco, Lucent und General Motors die Geschäftsprognosen bestätigten. "Darauf haben die Anleger gewartet", sagte ein Händler am Freitag, als Cisco-Chef John Chambers von Stabilisierung der Nachfrage sprach. Das Unternehmen habe in den ersten Wochen des Quartals bereits zufriedenstellende Ergebnisse geliefert und sei auf dem besten Weg, die Vorhersagen für das Gesamtquartal zu erfüllen, so der Firmenchef.

Showreif war am Freitag auch die Auslieferung von Microsofts neuem Windows Betriebssystem XP. Das Betriebssystem ist programmiert, der letzte Schliff getan. In einem Hubschrauber brachten die Microsoftler den so genannten Quellcode auf CD-Rom zu sechs wichtigen Chefs von Computerproduzenten, die sich nun ihrerseits auf die Installation vorbereiten. Ende Oktober soll das Betriebssystem in die Läden kommen. Unterdessen gab das US-Berufungsgericht in Washington, D.C. die Klage gegen den Software-Riesen an ein untergeordnetes Gericht ab. Es soll verhandelt werden, ob und wie Microsoft für bisherige Monopolrechtsverletzungen verurteilt und bestraft werden könnte. Microsoft hat durch Einbindung des Internet-Programms Explorer in das Betriebssystem Windows sein Monopol auf unzulässige Weise ausgenutzt.

Zumindest teilweise liefen Autoaktien in der vergangenen Woche auf Hochtouren. General Motors bestätigte seine Absatzprognose für das laufende Quartal. Anleger hatten Übles befürchtet, nachdem der Konkurrent Ford zuvor eine Gewinnwarnung ausgesprochen hatte und Beschäftigte entlassen will. Die Aktie des weltgrößten Autobauers war im Umfeld der Fordmeldung mächtig unter Druck geraten. Doch die eigenen Prognosen schalten die Ampel für die General Motors-Aktie wieder auf grün.

Nach dem Desaster mit dem Bayer-Cholesterinsenker Baycol reagieren Anleger derzeit besonders sensibel. Einem Bericht einer medizinischen Fachzeitschrift zufolge könnte ein Schmerzmittel von Merck, das Milliardenumsätze bringt, für gefährliche Blutgerinnsel verantwortlich sein, möglicherweise mit Todesfolge. Davon seien vor allem Patienten mit Herzproblemen betroffen. Auch Pfizer ist mit im sinkenden Boot, hier geht es um einen ähnlichen Fall von schwerwiegenden Nebenwirkungen.

Mit dieser Woche geht die Ertragssaison endgültig zu ende. Nun könnten Konjunkturdaten in den nächsten Wochen trendangebend sein. Doch wer weiß, welcher Firmenchef in der kommenden Woche seine Stimmer erhebt...

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