Schadenersatz wenn Konzept fehlt
Notfall-Arbeitsplätze gesuchter denn je

Eher harmlos klingt der Begriff, der nach den Anschlägen am 11. September vergangenen Jahres Konjunktur erlangte und die Standortentscheidungen gerade auch von Banken prägte: "Business Continuity".

vwd FRANKFURT. Hinter dem Begriff verbirgt sich schlicht die Lösung für das unternehmerische Problem, auch im Krisenfall die Kern-Geschäftsfunktionen aufrecht zu erhalten - mittels Notfall-Arbeitsplätzen. Eine risikominimierende Verteilung der Unternehmensstandorte gehört dazu. Das Thema ist auch ein Jahr nach den Terroranschlägen vom 11. September nicht gänzlich abgearbeitet.

So berichtet die Frankfurter Anbieterin GIC GmbH auch noch Ende August von einer steigenden Nachfrage nach Notfallarbeitsplätzen. Ganz klar habe der 11. September die Notfallvorsorge in den Mittelpunkt gerückt, erläutert das Unternehmen, das international eng mit dem Weltmarktführer SchlumbergerSema kooperiert. Auch in Frankfurt bereiteten sich seinerzeit Banken auf den Umzug in die Notfall-Räume des GIC vor. "Die Verantwortlichen in den Unternehmen setzen sich heute mehr mit dem Thema Sicherheit auseinander", meint GIC-Geschäftsführer Jörg Rosengart.

Dabei scheint eine umfassende Planung und Beratung eher im Mittelpunkt zu stehen als die schlichte Bereitstellung von Notfallarbeitsplätzen selbst. Alle Seminare und Workshops zum Thema Business Continuity seien derzeit ausgebucht, berichtet die GIC. Auch die Zahl der Prüfungen bei bestehenden Notfallsystemen habe zugenommen. Neben rein technischen Fragen habe sich als Lehre aus der Situation in New York nach den Anschlägen ergeben, dass auch den psychischen Belastungen der von der Notfallsituation betroffenen Menschen begegnet werden müsse. Die GIC hat daher spezielle so genannte Helpdesks und Ruheräume eingerichtet, aber auch psychische Betreuung in ihr Dienstleistungsangebot aufgenommen.

Nicht nur wegen ihrer exponierten Lage in den Hochhaustürmen stehen die Frankfurter Banken im Fokus von GIC. So sind Vorstand und Aufsichtsrat wegen aufsichtsrechtlicher Vorschriften zum Schadenersatz verplichtet, falls sie kein entsprechendes Notfallsystem für ihr Insitut nachweisen können. In dem GIC-Arbeitskreis habe sich seit dem 11. September zudem eine deutlich höhere Bereitschaft der Banken gezeigt, sich mit ihren Mitbewerberinnen über das Thema überhaupt auszutauschen. Zuvor sei hier ein deutliches Unbehagen festzustellen gewesen, erinnert man sich bei GIC.

Zwar betonen alle Institute, wie wichtig sie Notfallpläne nehmen, doch sind aus naheliegenden Gründen kaum Details dazu zu erfahren. Bei der Deutschen Bank liegt der Fokus nicht nur auf dem eigenen Haus, sondern auch auf die Vernetzung mit der Außenwelt. "Es hilft ihnen ja nicht, wenn sie 'up and running' sind, sie ihre Geschäftspartner aber nicht erreichen", sagt ein Vertreter der Bank. Auch die Internet Service Provider seien deshalb in die Notfallpläne einbezogen.

Allerdings geht die Frage der "Business Continuity" weit über die Frage der reinen Notfall-Arbeitsplätze hinaus. Viele Institute hinterfragen ihre Standortstrategien. In New York habe man lernen müssen, dass einige Vorstellungen nicht mehr fortgeschrieben werden könnten, heißt es von Seiten der Deutschen Bank. Das Frankfurter Bankhaus hat seine Arbeitsplätze im stark beschädigten Bankers-Trust-Tower noch immer nicht wieder bezogen.

Outsourcing wird dehalb als ein Konzept gehandelt, das das Risiko mindern könnte. Application Service Provider müssten sich fragen, so formuliert die Bank, inwieweit sie auch "Business Continuity" abdecken und nicht nur als Low-Cost-Provider auftreten können.

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