Schadenersatzklagen belasten Wyeth – Pharmacia drückt hohe Abschreibung
US-Pharmafirmen rutschen in die roten Zahlen

Der US-Arzneihersteller Wyeth steht doppelt unter Druck: Schadenersatzklagen nach der Rücknahme einer Schlankheitspille sind nicht abgeschlossen, zudem sinkt die Nachfrage nach Hormonersatz-Mitteln. Dies hinterließ im dritten Quartal seine Spuren. Auch Konkurrent Pharmacia macht unterm Strich einen Verlust.

bef/Bloomberg DÜSSELDORF. Zwei der größten US-Arzneimittelhersteller haben im zurückliegenden dritten Quartal Verluste gemacht - doch nur bei einen der beiden blicken Analysten und Investoren mit Bangen in die nähere Zukunft. Die Aktien des Pharmakonzerns Wyeth (früher American Home) gaben am Dienstag zu Handelsbeginn in New York um 7 % nach, nachdem der Konzern wegen hoher Rückstellungen und sinkender Umsätze wichtiger Medikamente ein Minus im operativen Geschäft in Höhe von 283 Mill. $ bekannt gab.

Konkurrent Pharmacia rutschte unterm Strich mit 429 Mill. $ in die roten Zahlen, weil der Konzern Firmenwerte in Höhe von 1 Mrd. $ infolge des Börsengangs seiner bisherigen Agrochemietochter Monsanto abschrieb. Die Zahl entspricht der Differenz zwischen dem Wert der Monsanto-Aktien zum Zeitpunkt des Börsengangs und dem Buchwert der Firma.

Während dieser Einmaleffekt bei Pharmacia die Anleger kaum verschreckte, bewerten sie die Probleme bei Wyeth als größer. Das Unternehmen steht derzeit von zwei Seiten unter Druck: Zum einen sind die Verfahren um Schadenersatzzahlungen wegen der Rücknahme der Schlankheitspille Fenphen noch immer nicht abgeschlossen. Zum anderen sinkt die Nachfrage nach den für Wyeth wichtigen Medikamenten zum Hormonersatz, deren Wirkung jüngst bei Untersuchungen in Frage gestellt wurde.

Mit der Hormonersatz-Therapie (HRT) sollen die Beschwerden von Frauen in den Wechseljahren gelindert werden. Groß angelegte Studien hatten aber zuletzt den Verdacht nahe gelegt, dass besonders die von Wyeth angebotenen Produkte möglicherweise verstärkt etwa zu Brustkrebs führen. Seither halten sich Ärzte mit der Verschreibung dieser Mittel weitgehend zurück. Dies hat Konsequenzen für Wyeth: Finanzchef Kenneth Martin kündigte eine Neuordnung an, die zu Jobabbau und hohen Einmalkosten im vierten Quartal führen werde.

Für mögliche weitere Schadenersatz-Zahlungen an Patienten, die die Schlankheitspille Fenphen genommen haben, stellte der Konzern im dritten Quartal 910 Mill. $ zurück. Wyeth musste das Mittel 1997 wegen heftiger Nebenwirkungen vom Markt nehmen und hat für die Klärung der zivilrechtlichen Folgen bereits mehr als 14 Mrd. $ beiseite gelegt.

Der Wyeth-Umsatz sank im dritten Quartal um 2 % auf 3,6 Mrd. $. Positiv entwickelt sich der Verkauf des Magenmittels Protonix/Pantoprazole, das Wyeth für die Bad Homburger Altana AG in den USA vermarktet. Der Umsatz stieg um 113 % auf 344 Mill. $.

Bei Pharmacia läuft das operative Geschäft im Gegensatz zu Wyeth nach Plan. Der Umsatz im dritten Quartal stieg zwar nur um 1 % auf ebenfalls 3,6 Mrd. $, doch liegt dies weitgehend am Verlust des Umsatzes mit dem Schlafmittel Ambien, dessen US-Lizenz Pharmacia an die französische Sanofi-Synthelabo abgegeben hat.

Auf sein Starprodukt kann Pharmacia weiter zählen: Der Umsatz mit dem Arthritis-Medikament Celebrex/Bextra legte im dritten Quartal weltweit um 13 % auf 963 Mill. $ zu. Auf dieses Mittel hatte es der Pharma-Weltmarktführer und Viagra-Hersteller Pfizer besonders abgesehen, als er im Sommer dieses Jahres die Übernahme von Pharmacia im Wert von annähernd 54 Mrd. $ ankündigte.

Quelle: Handelsblatt

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%