Schadensersatz
Kanzlei Rotter klagt in USA gegen Intershop

Den Anlegern sei verschwiegen worden, dass Intershop bereits seit Mai 2000 wusste, dass die in der Öffentlichkeit verbreiteten Umsatz- und Gewinnprognosen für die weiteren Quartale nicht erreicht werden konnten, teilte Rotter mit.

rtr FRANKFURT. Die Anwaltskanzlei Rotter aus Grünwald hat nach eigenen Angaben in den USA gemeinsam mit der New Yorker Kanzlei Shalov Stone & Bonner eine Sammelklage auf Schadensersatz gegen den Softwareanbieter Intershop eingereicht. Dem Unternehmen sowie führenden Managern werde vorgeworfen, von Mai 2000 bis Januar 2001 die Marktstellung in den USA gegenüber Anlegern weitaus positiver dargestellt zu haben, als sie tatsächlich war, teilte die Kanzlei Rotter am Donnerstag mit. Eine Intershop-Sprecherin sagte auf Anfrage, im Unternehmen sei noch keine Klage angekommen. "Wir sind sehr verblüfft." Im Januar hatte Intershop Vorwürfe wegen möglicher Verletzung von Mitteilungspflichten zurückgewiesen. Die Aktie, die ebenfalls an der US-Computerbörse Nasdaq notiert ist, verlor nach der Mitteilung am Frankfurter Neuen Markt zeitweise mehr als 18 % auf ein neues Allzeittief von 5,11 Euro.

Den Anlegern sei verschwiegen worden, dass Intershop bereits seit Mai 2000 wusste, dass die in der Öffentlichkeit verbreiteten Umsatz- und Gewinnprognosen für die weiteren Quartale nicht erreicht werden konnten, teilte Rotter weiter mit. "Die Gewinnwarnung kam zu spät. Intershop wußte wesentlich früher, dass das US-Geschäft nicht so gut läuft", sagte Anwalt Bernd Jochem von der Kanzlei Rotter der Nachrichtenagentur Reuters. Zusammen mit den Kollegen aus New York habe seine Kanzlei die Klage wegen des Vorwurfs der irreführenden Mitteilung (misleading statements) am Mittwoch eingereicht. Grundsätzlich werde auf die volle Kompensation aller Verluste der Aktionäre plädiert. Über die genaue Forderung des Schadensersatzes könne er aber noch keine Angaben machen, sagte Rotter. Seit Januar seien bis zu 40 Anfragen von Anlegern in seiner Kanzlei eingegangen, ein Aktionär klage jetzt. Anleger, die vom 2. Mai bis 3. Januar Intershop-Aktien gekauft hätten, könnten sich bis zum 20. April der Klage anschließen.

Intershop hatte Anfang Januar in einer Pflichtmitteilung reduzierte Umsatz- und Ertragserwartungen für das abgelaufene Quartal angekündigt. Bei den Erlösen sei anstelle der bis dahin erwarteten 40 bis 50 Mill. Euro nur noch mit einem Volumen von 28 bis 30 Mill. Euro zu rechnen, beim Ergebnis werde ein Nettoverlust von 30 bis 32 Mill. Euro erwartet, hatte es geheißen. In vorherigen Prognosen hatte Intershop den möglichen Verlust nicht näher konkretisiert. "Wir sind hundertprozentig sicher, dass wir weder gegen Ad-Hoc-Vorschriften in Deutschland noch gegen die in den USA verstoßen haben", hatte Intershop-Sprecher John Lange im Januar gesagt. Etwaige Klagen würden als nicht aussichtsreich angesehen. Damals hatte neben Rotter auch die Anwaltskanzlei Tilp & Kälberer angekündigt, eine Sammelklage gegen Intershop nach amerikanischem Recht zu prüfen.

Klaus Rotter, Leiter der gleichnamigen Kanzlei, hatte im Januar gegenüber Reuters erklärt, gemäß den Vorschriften des amerikanischen Wertpapierhandelsgesetzes Security Exchange Act und den daraus abzuleitenden Richtlinien reiche jegliche Irreführung des Aktionärs für eine Schadensersatzpflicht des Beklagten Unternehmens aus. In Deutschland müsse ein Vorsatz nachgewiesen werden. "In Deutschland wäre eine Klage derzeit nicht aussichtsreich", sagte Jochem am Donnerstag.

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