Schadensfälle bei Haftpflicht für Manager verzeichnen Anstieg
US-Versicherer leiden unter Prozessflut

In den USA stehen immer mehr Manager vor Gericht. Das spüren die Versicherer, die Firmenvorstände gegen Haftpflichtrisiken absichern. Marktführer AIG hat bereits milliardenschwere Sonderaufwendungen vorgenommen.

tmo/ali NEW YORK. Trotz Preiserhöhungen von 50 Prozent und mehr drohen viele Haftpflicht-Versicherungen für US-Manager zum Verlustgeschäft für die Anbieter zu werden. Grund: Im vergangenen Jahr sind Schadensersatz- und Strafzahlungen im Zuge zahlreicher Firmenskandale sprunghaft gestiegen. So verklagten zum Beispiel wütende Aktionäre die Vorstandsmitglieder des bankrotten Energiehändlers Enron und des Telekomriesen Worldcom. "Viele Versicherer haben keine adäquaten Reserven für die stark gestiegenen Prozessrisiken", sagt Analyst Jim Bartie von der Ratingagentur Moody?s. Er untersucht derzeit, wie gut die US-Branche auf künftige Schadensfälle vorbereitet ist. Dabei spielen Risiken aus Managerversicherungen eine zentrale Rolle neben Altlasten aus Asbestschäden. Am Ende der Analyse könnte Moody?s die Bonitätsurteile einiger Versicherer ihrer US-Sachtöchter nach unten korrigieren, sagt Bartie.

Neue Sonderaufwendungen, um die Reserven aufzustocken, "werden die Bilanzgewinne belasten und auch auf die Rückversicherer durchschlagen", sagt Analyst Alan Murray von Moody?s. Marktführer bei Managerversicherungen (directors and officers liability, D & O) ist in den USA die American International Group (AIG). An zweiter Stelle folgt der US-Sachversicherer Chubb. Das Duo beherrscht fast die Hälfte des amerikanischen D&O-Marktes. Der deutsche Allianz-Konzern bietet Managerversicherungen in den USA über seine Tochter Fireman?s Fund an. Die Münchener Rück ist mit ihrer US-Tochter American Re vertreten.

Auch in Deutschland wird immer häufiger versucht, Führungskräfte für ihr Fehlverhalten haftbar zu machen. Der überwiegende Teil der Klagen stammt aus der so genannten Binnenhaftung; das heißt, der Aufsichtsrat verklagt Vorstandsmitglieder.

Die Versicherer in den USA wie hier zu Lande reagieren mit Preissteigerungen auf die Kostenexplosion. "Je nach Einzelfall können die Aufschläge bis zu 100 % betragen", sagt die zuständige Direktorin Karen Callanan von Fireman?s Fund. Ihr Konzern hat sich auf die Absicherung nicht-profitorientierter Organisationen spezialisiert. Diese Nische birgt weniger Risiken als D&O-Policen für Großkonzerne. Doch seien noch weitere Preisrunden nötig, um das Geschäft profitabel zu machen.

Vor allem mittelständische deutsche Firmen, die auf dem US-Markt agieren, unterschätzen häufig das Prozessrisiko, sagt Rechtsanwalt Steven Thal von der Kanzlei Latham & Watkins. "Familienunternehmen müssen zwar keine Aktionärsklagen fürchten, aber sie brauchen eine allgemeine Haftpflicht-Versicherung, die zum Beispiel bei Mitarbeiterklagen zahlt", sagt Thal.

Neben D&O-Policen reißt auch die allgemeine Firmenhaftpflicht tiefe Löcher in die Reserven vieler US-Versicherer. Marktführer AIG stockte kürzlich seine Reserven um 3,2 Mrd. $ auf - unter anderem für Zahlungen aus D&O-Policen und allgemeiner Firmenhaftpflicht. Hintergrund der aktuellen Krise ist der Preiskampf unter den Versicherern in den 90er-Jahren. "Jetzt erhöhen die Versicherer nicht nur die Preise, sondern sie reduzieren auch die vertraglichen Leistungen, um die Risiken zu senken", sagt Moody?s-Analyst Murray.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%