Schädling verbirgt sich in Dateianhang - Kalifornien am schlimmsten betroffen
E-Mail-Virus "Anna Kournikova" legt weltweit Rechner lahm

Ein als Bild des russischen Tennisstars Anna Kournikova getarnter Computervirus hat innerhalb weniger Stunden unzählige E-Mail-Server in der ganzen Welt überschwemmt.

ap/dpa NEW YORK/SINGAPUR. Nach Angaben des Anti-Viren-Unternehmens Trend Micro haben allein in Australien eine Million E-Mails die Systeme verstopft. In den USA sind rund 50 Großbetriebe betroffen. Daneben waren vor allem Rechner in Europa, aber auch Asien betroffen. Der virtuelle Schädling, ein so genannter Wurm, legte am Montag und Dienstag zahlreiche E-Mail-Systeme von Unternehmen lahm. Er verbreitete sich fast so schnell wie der "I love you"-Virus im vergangenen Mai.

Der Virus steckt in einem E-Mail-Anhang mit dem Namen "AnnaKournikova.jpg.vbs". Im Textfeld der Mail steht die Aufforderung "Hi: Check This!". Bislang sind drei Betreffzeilen bekannt geworden: "Here you have", "Here you go" und "Here you are", alle gefolgt von einem Smiley-Gesicht. Der Wurm wird aktiv, sobald der Computernutzer den Dateianhang durch einen Doppelklick öffnet. Er liest das Adressbuch des E-Mail-Programms Microsoft Outlook aus und versendet sich selbst an alle gespeicherten Adressaten.

Um ein Verstopfen der E-Mail-Systeme zu verhindern, müsse die Verbreitung dieses Wurmes schnell gestoppt werden, sagte EDV- Sicherheitsexperte Christoph Fischer vom Virentestcentrum in Karlsruhe. Mit klassischen Anti-Viren-Mechanismen dauerten bei einem solchen "Lauffeuer" die Löscharbeiten zu lange. Bisher hätten sich aber zu wenig Firmen mit entsprechenden Notmechanismen, die in solchen Fällen beispielsweise nur E-Mails ohne Anhang durchlassen, versorgt. Dabei sei ein Ausfall der E-Mail-Systeme für einige Unternehmen schlimmer als eine Telefonstörung.

Unternehmen wie H+BEDV Datentechnik, McAfee Avert und Symantec haben bereits in der Nacht zu Dienstag spezielle Anti-Viren-Software auf ihre Webseiten gestellt, die Kunden sich herunterladen können. Mit der aktuellsten Anti-Viren-Version für Windows 2000 sind Nutzer Microsoft zufolge vor dem Wurm weitgehend geschützt. Selbst wenn sie das Attachment anklickten, erhielten sie einen Warnhinweis.

Virus kommt aus den Niederlanden

Gefährdet sind nach Angaben von Fachleuten Windows-PCs, auf denen Microsoft Outlook installiert ist. Der neue Virus hinterlasse allerdings auf den Rechnern keine bleibenden Schäden, erklärten Sicherheitsexperten. ein Datenverlust wie beim "I love you"-Virus sei nicht zu befürchten. Nach Angaben des Anti-Viren-Softwareherstellers Symantec stammt der Wurm aus den Niederlanden.

Der Autor des Programms habe auf geschickte Weise das Bild eines jungen Tennisstars mit der "durchschnittlichen Fantasie eines Mannes vor dem Computerbildschirm" verbunden, sagte Virenexperte Graham Cluley von Sophos Anti-Virus. Und für David Perry vom US-Softwareunternehmen Trend Micro liegt der Vergleich mit dem "I love you"-Virus auf der Hand: "Im vergangenen Jahr wollte jeder geliebt werden. Nun wollen offenbar viele Leute ein Bild von Anna Kournikova sehen", sagte Perry.

Dass sich der Wurm so schnell verbreiten konnte, führt Vincent Weafer, Direktor des Anti-Virus-Forschungszentrum von Symantec, auf den Zeitpunkt seines Auftauchens zurück: "So kurz vor dem Valentinstag erhält alles neue oder andere mehr Aufmerksamkeit." Man erwarte Grüße von Freunden, vielleicht Fotos oder Karten, erklärte Weafer. "Die Leute sind nicht mehr so wachsam."

Weltweit am schlimmsten betroffen war der US-Staat Kalifornien. In Asien befiel der Wurm auf Grund der Zeitverschiebung längst nicht so viele Rechner wie in den USA und Europa. "Zu der Zeit, als die Leute in Asien zur Arbeit gekommen sind, hatten die meisten Firmen ihre Systeme bereits gereinigt", sagte John De Riso, ein Vertreter von Trend Micro in Taiwan. In Australien wurden Schätzungen zufolge rund 100 000 Rechner infiziert.

Der E-Mail-Virus "I love you" hatte am 4. Mai in kürzester Zeit hunderttausende Rechner infiziert und lies in vielen Ländern, auch in Deutschland und der Schweiz, die E-Mail-Systeme von Unternehmen und Behörden zusammenbrechen. Den entstandenen Schaden bezifferten Experten auf 10 Mrd. Dollar. Der sich als Wurm fortpflanzende Schädling löste eine Diskussion über die Sicherheit von Windows und Microsoft Outlook aus.



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%