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Schäfer: „Wichtigstem Torwart“ nicht in Waden beißen

Winfried Schäfer hat seinem früheren Schützling Oliver Kahn im Torhüter-Streit der Fußball-Nationalmannschaft den Rücken gestärkt und davor gewarnt, ihn zu demontieren.

dpa KARLSRUHE. Winfried Schäfer hat seinem früheren Schützling Oliver Kahn im Torhüter-Streit der Fußball-Nationalmannschaft den Rücken gestärkt und davor gewarnt, ihn zu demontieren.

"Es ist unheimlich gefährlich, ihn in die Waden zu beißen, weil man ihn als Führungsspieler verlieren könnte", sagte der Nationaltrainer Kameruns und Entdecker Kahns am Rande eines Ballspiel-Symposiums in Karlsruhe. Als Bundestrainer, meinte Schäfer vor dem Länderspiel am 17. November im Leipziger Zentralstadion zwischen Deutschland und Kamerun in Richtung seines Kollegen Jürgen Klinsmann, müsse man wissen, "wer mir in der Mannschaft hilft. Deshalb ist Kahn für mich der wichtigste deutsche Torwart".

Eher distanziert sieht der Ettlinger so manche Trainingsmethode Klinsmanns. "Warum nicht?", meinte er zwar zu den US-Fitnessexperten, die der Schwabe engagiert hatte, sagte aber auch: "Das mit den Gummibändern haben wir als Spieler schon unter Hennes Weisweiler gemacht." Man solle sich zudem nicht nur am US-Sport orientieren, sondern könne auch "einiges aus Afrika übernehmen - zum Beispiel die Balltechnik". Uneingeschränkte Anerkennung zollte in Karlsruhe Dirk Bauermann, der sich als Basketball-Bundestrainer am amerikanischen Sport orientiert, dem neuen Fußball-Bundestrainer. "Ich finde es sensationell, dass jemand den Mut hat, solche Dinge zu probieren."

Schäfer, der Kahn einst beim Karlsruher SC entdeckte und förderte, ehe dieser 1994 zum FC Bayern München wechselte, ist überzeugt, dass sich der 35-Jährige gegen seine Rivalen Jens Lehmann und Timo Hildebrand durchsetzen und bei der WM 2006 in Deutschland im Tor stehen wird. "Er muss jetzt ganz ruhig bleiben", empfahl er dem umstrittenen Keeper. "Und wenn der Bundestrainer ihn einlädt, muss er hingehen - auch wenn er nicht spielt."

Schäfer verteidigte Kahns Entgleisungen. "Ich kann ihm keinen Vorwurf machen. Der Olli war ja nie anders. Er war schon immer ein sehr aggressiver Torwart, aber er war ja auch in der Mannschaft - selbst bei Test- oder Trainingsspielen - ein Motivator", sagte der frühere Bundesliga-Coach des KSC und des VfB Stuttgart. "Viel wichtiger, als dass er dem Miro Klose den Finger ins Gesicht drückt, ist doch, was einer wie Oliver Kahn für die Mannschaft bewirkt."

Der Bayern-Profi sei für einen wie Jung-Nationalspieler Bastian Schweinsteiger wie ein großer Bruder. Auf die Frage, ob Kahn auch der derzeit beste Schlussmann in Deutschland sei, sagte Schäfer: "Wenn ein Leitwolf wie er jetzt in der Öffentlichkeit angegriffen wird, verliert er auch an Stellenwert innerhalb der Mannschaft. Aber er ist auf dem Weg, wieder jene Form zu finden, die er bei der WM hatte."

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