Schätzungen für Online-Umsätze 2001 liegen bei 100 Milliarden Dollar
Weihnachten beschert Online-Handel Rekorde

Immer mehr Weihnachtspäckchen werden im Internet bestellt. Dieses Jahr schätzen Experten den Umsatz vor Weihnachten auf rund 20 Milliarden Dollar. Während der Online-Einkauf in Europa 2001 weiter rasant zulegt, belasten in den USA die einsetzende Marktsättigung und die schlechte wirtschaftliche Lage das Wachstum.

BERLIN /DÜSSELDORF. Trotz Rezession und Konsumflaute wird der Online-Einzelhandel in diesem Jahr auf neue Rekordstände klettern. Voraussichtlich für mehr als 100 Mrd. $ haben Internetnutzer 2001 weltweit Waren im Netz bestellt. Das ergibt sich aus Prognosen von Marktforschern wie Forrester Research, E-Market, IDC und der Boston Consulting Group. Schätzungsweise 20 % der gesamten Umsätze dürften die Händler dabei innerhalb der vier Wochen vor Weihnachten erwirtschaftet haben, denn das Weihnachtsgeschäft gehört sowohl im weltweit größten E-Commerce- Markt USA als auch in Europa traditionell zur umsatzstärksten Zeit des Geschäftsjahres.

In Deutschland rechnet Branchenführer Amazon.de mit einem Plus von über 40 % im Weihnachtsgeschäft und hat nach eigenen Angaben in den zurückliegenden Wochen über 100 000 Bestellungen pro Tag (Vorjahr knapp 70 000) erhalten. Bei den Medienanbietern sind "Harry-Potter"- und "Herr der Ringe"-Produkte starke Kundenmagneten.

Beim Internet Booxtra GmbH-Buchhändler & Co. KG - ein Gemeinschaftsunternehmen von Springer, Holtzbrinck (auch Herausgeber dieser Zeitung), T-Online und Weltbild - haben sich nach eigenen Aussagen die Umsätze im Weihnachtsgeschäft im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. In der Spitze gingen pro Tag 4 500 Bestellungen ein, hieß es.

"Wir sind zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft", meint auch ein Sprecher des Versandhauses Quelle. Mitte November sei der Höhepunkt des Online-Weihnachtsgeschäfts erreicht worden; die letzten drei Monate des Jahres könnten zusammen durchaus auf 200 Mill. Euro kommen.

Absoluter Internetrenner mit "zigtausend Stück" sei ein singendes Plüsch-Rentier gewesen. Für hohen Umsatz hätten insbesondere Technik (etwa DVD-Player) und Kleidung gesorgt. Auch für den Rest des Jahres kann sich Quelle nicht beklagen. Allein über die Webseite www.quelle.de seien von Januar 2001 bis Ende November für insgesamt über 500 Mill. Euro Waren geordert worden.

Erfolge wie beim traditionsreichen Versandhaus Quelle belegen einen Trend: Die Käufer setzen nach den Pleiten vieler Internet-Händler auf vertraute Marken. Während sich die Zahl der Besucher auf den 15 beliebtesten E-Commerce-Seiten in Deutschland auf über 7 Mill. verdoppelt hat, wird die Luft für reine Web-Unternehmen aus der zweiten Reihe und Neueinsteiger immer dünner: Eine Umfrage der Unternehmensberatung Mummert + Partner ergab, dass 53 % der Befragten beim Online-Kauf bekannte Markennamen bevorzugen.

Im Online-Medienhandel hat dieser Trend bereits zu einer starken Konsolidierung geführt. Doch nach der Marktbereinigung können die Überlebenden optimistischer in die Zukunft sehen. Auch wenn nicht alle Prognosen der vergangen Jahre eingetroffen sind, steigen die Online-Umsätze stetig an.

Um wie viel genau die Erlöse im E-Commerce 2001 über denen des Vorjahres liegen werden, lässt sich vor der Auswertung des Jahresendgeschäfts nicht genau sagen. "Es ist aber erheblich mehr", sagt Julia Woodham-Smith, Analystin bei Forrester Research. Forrester geht für das Gesamtjahr 2001 von rund 65 Mrd. $ (72,4 Mrd. Euro) Online-Umsätzen in den USA und rund 17 Mrd. Euro in Europa aus. Für Asien schätzt die Unternehmensberatung Boston Consulting Group Online-Umsätze in Höhe von 14 Mrd. $. Im noch jungen Online-Markt Lateinamerika dürfte sich der Internethandel dagegen auf lediglich 1,3 Mrd. $ belaufen.

Aber auch innerhalb von Europa entwickelt sich der Onlinehandel unterschiedlich. "Der Online-Einkauf von Lebensmitteln läuft beispielsweise in Großbritannien und Frankreich, wo große Handelskonzerne wie Tesco oder Carrefour in den Markt einsteigen, sehr gut", sagt Forrester Analystin Woodham-Smith. "Die Deutschen tun sich bei Nahrungsmitteln dagegen schwer, bestellen dafür aber mehr Kleidung online als Briten und Franzosen."

Was sich im Gegensatz zum Vorjahr nicht geändert hat, sind die Lieferzeiten. Im Schnitt sieben Tage ist die Ware zum Kunden unterwegs. Und mit unter 8 % bezahlen deutsche Online-Käufer international die niedrigsten Versandkosten. In den USA werden bis zu 15 % des Warenwerts für den Versand fällig.

Für nächstes Jahr wird mit einer Abschwächung der Wachstumsraten gerechnet, vor allem in den USA. Der Markt ist weiter entwickelt als Europa. Schon dieses Jahr werden die Umsätze im Vergleich zum Vorjahr wohl "nur" um 20 % zulegen. "In den USA, wo bereits 63 % der Amerikaner über Internetanschluss verfügen, wird E-Commerce inzwischen viel stärker von den normalen konjunkturellen Trends beeinflusst als in Europa oder Lateinamerika", urteilt Richard Goosey, Chefanalyst bei Nielsen Netratings.

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