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Schalke erneut vor mühseliger Trainersuche

Auf der Suche nach dem Weg in die Zukunft wird beim FC Schalke 04 ein Name aus der Vergangenheit gehandelt. Kaum hat sich die Aufregung über die erste Trainerentlassung der Saison gelegt, blühen im Umfeld des Revierclubs die Spekulationen.

dpa GELSENKIRCHEN. Auf der Suche nach dem Weg in die Zukunft wird beim FC Schalke 04 ein Name aus der Vergangenheit gehandelt. Kaum hat sich die Aufregung über die erste Trainerentlassung der Saison gelegt, blühen im Umfeld des Revierclubs die Spekulationen.

Schenkt man den Schlagzeilen des Tages Glauben, gilt Huub Stevens als erster Anwärter auf die Nachfolge von Jupp Heynckes. Das dokumentiert vor allem eines: Nach den drei fehlgeschlagenen Versuchen mit Frank Neubarth, Marc Wilmots und Heynckes sehnen sich alle Beteiligten nach mehr Kontinuität. "Stevens war ein Glücksfall, das hat fast sechs Jahre gepasst. Danach habe ich kein glückliches Händchen mit den Trainern gehabt", gestand Rudi Assauer.

Alles deutet darauf hin, dass dem Revierclub erneut eine mühselige Trainersuche bevorsteht. Die üblichen Verdächtigen wie Ralf Rangnick, Christoph Daum und Jürgen Röber sowie Ottmar Hitzfeld, DFB-Coach Michael Skibbe und Olaf Thon komplettieren die Liste der vermeintlichen Kandidaten. Einen Tag nach der Beendigung der Zusammenarbeit mit Heynckes forderte Thon mehr Kompetenzen.

"Die Zeit ist reif. Ich möchte eine verantwortliche Position übernehmen, ob als Trainer oder Manager ist egal", sagte der ehemalige Fußball-Profi kurz vor dem Anpfiff der Uefa-Cup-Partie gegen FHK Metalurgs. Weil er sich nicht mehr mit der Rolle als Vereinsrepräsentant begnügen will, hat er Manager Rudi Assauer um ein klärendes Gespräch gebeten.

Grund für diesen Schritt sei die fehlende Bereitschaft der Vereinsspitze, ihn in wichtigen Entscheidungen einzubeziehen. "Ich wurde nicht eingeweiht, ich wurde übergangen. Deshalb muss ich jetzt diesen Weg gehen", sagte er in Bezug auf die für ihn überraschende Entlassung von Heynckes. "Heynckes kam mir mit dem Auto entgegen. Ich wollte ihm die Hand geben, aber er ist einfach weiter gefahren."

Damit ist die Zukunft von Thon beim Revierclub offen. "Das kann dazu führen, dass ich schon bald nicht mehr für Schalke arbeite", meinte der ehemalige Nationalspieler. Eine Trennung von seinem Heimatclub würde ihm nach eigenen Aussagen allerdings sehr schwer fallen: "Lieber möchte ich mithelfen, Schalke wieder nach oben zu bringen."

Assauer reagierte auf Thons öffentliche Forderungen verstimmt. "Diese Art und Weise ist inakzeptabel. Damit hat er sich geschadet. Ein Mann von seiner Größe macht so etwas nicht."

Kaum einen Hehl macht Assauer aus seiner Wertschätzung für Stevens, der am 9. Oktober 2002 gehen musste. Auf kaum einer Vereinsfeier fehlt der Niederländer, längst ist die zwischenzeitlich kriselnde Männerfreundschaft wieder intakt. Und dass Stevens derzeit beim Zweitligisten 1. FC Köln unter Vertrag steht, nehmen die Fans offenbar nur am Rande zur Kenntnis. Liebend gern hätten sie den Vater des Uefa-Cups-Erfolges von 1997 wieder.

Eine angebliche Ausstiegsklausel im Kontrakt mit dem FC soll den Weg zurück nach Schalke ebnen. Doch Wolfgang Overath, Präsident des 1. FC Köln, erteilt allen Spekulationen um eine Stevens-Rückkehr nach Gelsenkirchen eine eindeutige Absage. "Ganz klar: Es gibt keine Ausstiegsklausel. Wir halten den Vertrag, und Huub Stevens hält den Vertrag", sagte Overath am Donnerstag der dpa. Stevens hat in Köln einen Einjahreskontrakt, der sich bei einer Rückkehr der Profi- Mannschaft in die Bundesliga automatisch verlängert.

Auch für Kölns Sportmanager Andreas Rettig ist eine Stevens- Rückkehr an die alte Wirkungsstätte lediglich Wunschdenken der Schalker Anhänger: "Über Vertragsinhalte rede ich prinzipiell nicht. Aber wer sieht, mit welcher Begeisterung Stevens bei uns arbeitet, wie gut sein Verhältnis zu Wolfgang Overath ist und wie wir uns Schritt für Schritt weiter entwickeln, wird schnell erkennen, dass es keine Grundlage für solche Gerüchte gibt."

Einen weiteren Fehlgriff kann sich Assauer indes kaum leisten. Schließlich erfordert die angespannte finanzielle Situation sportliche Erfolge. Sollten sich diese rasch einstellen, könnte laut Assauer die derzeitige Not- zur Dauerlösung werden. Zumindest in den nächsten drei Partien genießen die Interims-Trainer Oliver Reck und Eddy Achterberg sein Vertrauen: "Diese Spiele warten wir ab und kontaktieren vorher keinen Trainer."

Vom Stil des entlassenen Heynckes wollen sich alle Beteiligten schnell verabschieden. Den Wünschen der Spieler nach Veränderungen in den Tagesabläufen und im taktischen Bereich soll mehr Rechnung getragen werden. Tief sitzt der Frust, dass auch die Zusammenarbeit mit dem arrivierten Fußball-Lehrer nicht zur erhofften Rückkehr an die Spitze geführt hat. Vor allem Heynckes' Beratungsresistenz war dem "auf" Schalke allmächtigen Assauer ein Dorn im Auge: "Wir haben versucht, einem Leitenden Angestellten Hilfestellung zu geben. Das ist nicht nur unser Recht, sondern auch unsere Pflicht. Er muss sich aber auch helfen lassen."

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