Schalke gewinnt mit 3:0 gegen Kaiserslautern und wähnt sich in der Rolle des aufmerksamen Jägers
FC Schalke 04: Wenn die Altlasten nicht wären

Spät ist der FC Schalke 04 in dieser Saison in Tritt gekommen. Jetzt aber gewinnt der Klub in Serie und wartet auf Patzer der Konkurrenz. Manager Rudi Assauer mag an solche nicht glauben, andere sehen hingegen noch eine Minimalchance auf den Meistertitel.

Bananenwürfe blieben diesmal aus. Die Schalker Fans hatten sich dem demonstrativen Appell von Manager Rudi Assauer vor dem Anpfiff des Verfolger-Duells gegen den 1. FC Kaiserslautern zu Herzen genommen. "Fairness steht bei uns an der ersten Stelle", hatte er den mehr als 60 000 Zuschauern in der ausverkauften Arena über Mikrofon zugerufen. Kaiserslauterns Schlussmann Georg Koch durfte sich darüber besonders freuen, denn anders als zuletzt Bayern-Torhüter Oliver Kahn wurde er nicht zur Zielscheibe von Bananen werfender Schalke-Anhänger.

Auch die Trainer versuchten nach den "Jagdszenen" der Lauterer gegen den FC Bayern München, Ruhe ins Spiel zu bringen. Schalke-Coach Huub Stevens rüffelte seinen Spieler Jörg Böhme, der gleich zu Beginn über den Platz sprintete, um seinen Beitrag zu einer Diskussion über eine umstrittene Schiedsrichterentscheidung zu leisten. In der Halbzeit drohte Stevens dem Nationalspieler gar mit der Auswechslung, sollte sich derlei wiederholen. Dazu kam es nicht, denn selbst Andreas Brehme als verantwortlicher Mann auf der Bank der Gäste verhielt sich auffällig ruhig. Die Vorwürfe von Bayern-Manager Uli Hoeneß am vergangenen Wochenende zeigten offenbar Wirkung beim Weltmeister von 1990.

Der hatte gleichwohl sportlich wenig Grund zur Freude. Seine Mannschaft bot wenig, um den Ruf einer Spitzenmannschaft zu untermauern. Kurz vor dem Pausenpfiff verwertete Marc Wilmots eine Flanke Böhmes zum Schalker 1:0, später erhöhten Andreas Möller mit einem sehenswerten Schlenzer (59.) und Victor Agali mit einem Kopfball (81.) auf 3:0. Während die Gelsenkirchener weiter vom Erreichen der Champions-League-Qualifikation träumen dürfen, werden sich die Pfälzer wohl umorientieren müssen.

Ein Fakt, der ratlos machte. Mittelfeldspieler Thomas Riedl fand auf die Frage, warum man gegen die direkte Konkurrenz um einen Spitzenplatz meist leer ausgeht, keine Antwort und zuckte nur mit den Schultern. Trainer Brehme hingegen erklärte die Niederlage mit fehlender "Agilität" und den verletzten Mario Basler und Miroslav Klose. Erläuterungen, die im Prinzip auch nicht mehr wert war als ein Schulterzucken. Sein Ziel: "Wir wollen nächstes Jahr international spielen, und dazu zählt doch auch der Uefa-Cup, wenn ich mich nicht täusche."

Huub Stevens erschien dagegen mit einem breiten Grinsen zur Pressekonferenz. Nicht nur, weil sich seine Mannschaft die in der Pause von ihm erteilten Ratschläge zu Herzen genommen und es anschließend "besser gemacht habe". Sondern vor allem, weil die Situation für die Schalker nach wie vor eine sehr angenehme ist. "Wir tun noch mit", sprach der Niederländer gleich mehrfach mit Blick auf die Bundesliga-Spitzengruppe und löste dank seiner putzigen Formulierung allenthalben Schmunzeln aus. Auch Torschütze Wilmots verwies auf die interessante Lage der Liga, in der Schalke munter nach oben schaut. "Wir sind die Jäger. Wenn einer einen falschen Schritt macht, sind wir da", drohte der Belgier mit wachsendem Selbstbewusstsein in Richtung Leverkusen, Dortmund und München.

Der Manager mochte dagegen nicht mit verbalen Drohgebärden auf sich aufmerksam machen. Rudi Assauer machte vielmehr seine eigenen Rechnung auf: "Wenn wir alle Spiele gewinnen, werden wir mindestens Dritter." Keine Hoffnung auf Ausrutscher der Konkurrenz? Nicht wirklich, denn: "Die drei Mannschaften da oben haben die Klasse, ihre restlichen Spiele zu gewinnen. Wer sollte schwächeln?" Andreas Möller sah nach dem nach dem neunten Sieg im elften Spiel der Rückrunde und weiter fünf Punkten Rückstand auf Tabellenführer Leverkusen immerhin noch eine "Minimalchance", mehr aber auch nicht.

Der Autor ist Ressortleiter Wirtschaft und Politik.
Thomas Sigmund
Handelsblatt / Ressortleiter Politik und Leiter des Hauptstadtbüros
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