Schalke gewinnt Ruhrderby in Bochum 2:0
Neubarths Überraschungs-Coup

Die Verlegenheitslösung geriet zum Überraschungs-Coup. Als die Not in der Offensivabteilung am größten war, zauberte Schalkes Trainer Frank Neubarth ein Stürmer-Duo aus dem Hut, mit dem beim VfL Bochum niemand gerechnet hatte. Statt Emile Mpenza, der wegen einer fiebrigen Erkältung kurzfristig passen musste, und Ebbe Sand sorgten "Nobody" Abdul Iyodo und Routinier Andreas Möller in vorderster Front für die spielerischen Glanzlichter beim 2:0-Erfolg im voll besetzten Ruhrstadion.

HB/dpa BOCHUM. "Der Andi hat mit dem Abdul die Bochumer Abwehr ganz schön durcheinander gewirbelt. Das war ein guter Schachzug. Das Konzept ist aufgegangen", lobte der am Sonntagabend meist hinter den Stürmern agierende Kapitän Sand seine Stellvertreter. "Nachdem auch Mpenza ausgefallen ist, war die Idee, Iyodo aufzustellen, absolut richtig. Er hat ein tolles Debüt gefeiert", befand auch Neubarth, der ein weiteres Sonderlob für den zuletzt häufig gescholtenen Möller parat hatte: "Er hatte viele Freiheiten, und das kam ihm entgegen. Heute war seine Leistung tadellos."

Victor Agali verletzt, Gustavo Varela ebenfalls, Mpenza krank, Marc Wilmots noch nicht fit. Und darüber hinaus bat Jörg Böhme um die "Freistellung", weil seine Frau wegen einer Eileiterschwangerschaft am (heutigen) Montag operiert werden musste. Man ginge zwar "nicht am Stock, aber in der Offensive drückt momentan der Schuh", bekannte Neubarth. So besetzte er die linke Angriffsseite mit dem 23 Jahre alten Nigerianer, der sonst bei den Amateuren in der Oberliga spielt. Und obwohl Iyodo vor Aufregung in der Nacht zuvor kaum eine Auge zumachte, wirkte der kleine und wieselflinke Außenstürmer ziemlich ausgeschlafen. "Ich bin überglücklich. Ich habe immer davon geträumt, einmal in der Bundesliga zu spielen", jubelte der Ex-Wattenscheider, dem ein Tor als Krönung seiner Leistung allerdings versagt blieb.

Die Treffer zum letztlich verdienten Sieg besorgten andere. Eine als Flanke gedachte Hereingabe von Möller lenkte der indisponierte VfL-Abwehrspieler Raymond Kalla (48.) vorbei am eigenen Ersatzkeeper Christian Vander, der zur Pause den am Knie verletzten Stammtorwart Rein van Duijnhoven abgelöst hatte. Gerald Asamoah sorgte vier Minuten vor dem Ende für die Entscheidung - und für Erleichterung beim Coach. "Nach der Niederlage gegen Leverkusen war es wichtig, dass wir oben dran bleiben. Hätten wir verloren, wären wir der Musik hinterher gelaufen", sagte Neubarth nach dem Sprung auf den 4. Tabellenplatz.

Schon mit einem Remis wäre er zufrieden gewesen, gab Dariusz Wosz zu. "Wenigstens ein Punkt war drin. Wir wollten vor Schalke bleiben. Aber man hat gesehen, dass wir mit den Spitzenmannschaften noch nicht mithalten können", meinte Bochums Kapitän frustriert. Selbst gute Chancen konnten Thomas Christiansen (zehn Saisontore) und Paul Freier (4) diesmal nicht nutzen. So verebbte der anfängliche Angriffswirbel der Bochumer nach gut 20 Minuten.

"Die Niederlage haben wir uns selbst zuzuschreiben. Eigentlich hätten wir in der ersten Halbzeit 2:0 führen müssen", bekannte VfL- Coach und Schalke-Mitglied Peter Neururer. "Nach dem 0:1 haben wir es nicht mehr geschafft, konstruktiv nach vorn zu spielen. Es ist eine herbe Niederlage, aber kein Rückschlag." Ähnlich sieht es auch Wosz: "Wir wollen weiter die Großen ärgern."

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