Schalke schießt Hannover auf Abstiegsplatz
Jörg Böhme als "tragischer Held"

Jörg Böhme hat seine "letzte Chance" beim FC Schalke 04 zunächst genutzt. Der Nationalspieler war der "Vater des Erfolges" beim 2:0 über Bundesliga-Aufsteiger Hannover 96. Mit einem Elfmeter-Tor und einer genialen Vorlage zum zweiten Treffer durch Emile Mpenza hat der als schwer erziehbare Mittelfeldakteur seinen größten Kritiker Rudi Assauer erst einmal verstummen lassen.

HB/dpa HANNOVER. Der Manager wollte dann auch zur Leistung des «entfant terrible» im Schalker-Dress keinen Kommentar geben. Torwart Frank Rost brach aber eine Lanze für Böhme: "Er ist ein Teil unserer Mannschaft. Wir haben ihn diesmal mitgezogen. Jeder muss bei uns sein Ego zurückstellen."

Dies hat Böhme in den vergangenen Wochen allerdings nicht immer getan. Assauer warf dem Abwehrspieler Egoismus vor und bemängelte eine keineswegs professionelle Einstellung zu seinem Beruf als Fußball-Profi. "Der FC Schalke hat Böhme groß gemacht und nicht umgekehrt", sagt der Manager der "Königsblauen" - und setzt Böhme immer wieder unter Druck. Nach dem Uefa-Cup-Spiel bei Wisla Krakau soll Assauer ihm sogar mit einem "Rauswurf" gedroht haben. Böhmes Vertrag läuft in Gelsenkirchen zum 30. Juni 2003 aus. Bis zum Bundesliga-Start nach der Winterpause soll über Böhmes Zukunft bei den "Knappen" entschieden worden sein.

Beim Sieg in Hannover verabschiedete sich der Nationalspieler nach 82 Minuten in der mit 48 696 Zuschauern ausverkauften AWD-Arena als "tragischer Held" dieser Partie. Ein Muskelfaserriss zwang Böhme zum Ausscheiden. Damit ist für ihn die Bundesliga-Vorrunde vorbei. Eine Eigenwerbung bis zur Winterpause und eine mögliche Versöhnung durch gute Leistungen in den restlichen beiden Punktspielen, im Pokal- Wettbewerb beim FC Bayern München und im Uefa-Cup-Rückspiel mit der Schalker-Führungsetage kann nicht mehr stattfinden. Trainer Frank Neubarth registrierte die Verletzung mit Sorge im Hinblick auf das noch zu bewältigende Programm: "Unser Personal wird immer knapper. Böhmes Ausfall trifft uns schon, weil er wieder in guter Form war."

Bei Hannover 96 geht nach dieser achten Saison-Niederlage die Abstiegsangst um. "In den nächsten beiden Spielen müssen wir punkten. Wir spielen gegen Borussia Mönchengladbach und Arminia Bielefeld. Das sind zwei Konkurrenten aus dem Tabellenkeller", schätzte Trainer Ralf Rangnick die bedrohliche Lage richtig ein. Der Coach ist überzeugt, dass er das Klassenziel mit dem vorhandenen Personal schaffen kann. Im Vorstand des Tabellen-16. wird allerdings über neue Spieler schon nachgedacht. Clubchef Martin Kind will mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln versuchen, das "rettende Ufer" zu erreichen.

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